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SportsInnovation 2022: So will der Fußball den Videobeweis für die Fans besser machen​

„Kommunikation live veröffentlichen“ : So will der Fußball den Videobeweis für die Fans verbessern

Beim Fußball-Branchentreff „SportsInnovation“ in Düsseldorf geht es vor allem darum, wie man einer jüngeren Zielgruppe mit neuer Technologie ein 90-Minuten-Spiel schmackhaft machen kann. Thema ist auch der Videobeweis. DFB-Projektleiter Jochen Drees hört ganz genau hin.

Jochen Drees saß da auf der Haupttribüne der Düsseldorfer Arena und lauschte, was ein paar Meter von ihm entfernt auf der Bühne diskutiert wurde. Kein Wunder, für den Leiter des Projekts Videoassistent beim Deutschen Fußball-Bund ging es zu Beginn dieses zweiten Tages des Sportbusiness-Kongresses „SportsInnovation“ ja auch um sein Thema: den VAR und dessen Zukunft. Wobei es nicht darum ging, ob der Videoassistent eine Zukunft hat, sondern wie ihn sich Vermarkter, Sender, Verbände, Vereine wünschen – weil sie glauben, der Fan wünsche ihn sich so.

„Der VAR ist Teil des Spiels geworden. Und er ist gekommen um zu bleiben“, sagte Alessandro Raitano, Vizepräsident der Sportproduktionen bei Sky. Das ist aus seiner Sicht auch kein Problem. Das Problem liege an anderer Stelle: „Wir haben so viel Technologie, so viel Geld im Spiel, aber wir nutzen heute nur zehn Prozent der Kamerakapazitäten. Der Appetit ist da, die vorhandene Technologie mehr zu nutzen.“ Eben auch für einen besseren VAR, einen, den Fans besser verstehen, dessen Entscheidungen Fans besser nachvollziehen können sollen. Vor dem Fernseher wie im Stadion.

Dagegen sträubt sich Drees auch gar nicht. „Ich glaube, man wäre falsch orientiert als Schiedsrichter, wenn man sich diesen Herausforderungen nicht stellen würde. Es wäre ja fatal, wenn Live-Analyse, Live-Daten, Spielerverhalten, Trainerverhalten alle Einfluss auf das Spiel haben, nur der Schiedsrichter läuft immer noch rum wie vor 50 Jahren“, sagt der 52-Jährige, der selbst auf 110 Einsätze in der Bundesliga kommt. Neben Raitano auf der Bühne steht Giel Kirkels, Leiter Forschung und Innovation beim niederländischen Fußballbverband KNVB. Er beschreibt ganz konkret, was die Branche so sehr drängt, sich zu erneuern: „Ich bezweifle stark, dass unsere Kinder noch Lust haben, 90 Minuten Fußball so zu gucken wie wir es tun.“

Es geht um die viel zitierte Generation Z, junge Menschen, die mit dem „second screen“ aufgewachsen sind, sich bei Instatragam und Tik-Tok tummeln und mit keiner Stadionbratwurst mehr zu ködern sind. „Es gibt den großen Wunsch danach, die Kommunikation zwischen Schiedsrichter und VAR transparent zu machen und live zu veröffentlichen“, sagt Kirkels. Das meint dann auch Tony Page vom Sportbusiness-Riesen Deltatre, wenn er sagt: „Der Blickwinkel der Fans kommt bislang bei dem Thema [VAR, d. Red.] zu kurz.“

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Was der Branche vorschwebt, ist mehr Transparenz. Das weiß auch Drees. „Die Kommunikation des Schiedsrichters mit dem Videoassistenten, die Übertragung von Livebildern in Stadion, die Verkündung der Entscheidung des Schiedsrichters, wie sie in der NFL gehandhabt wird, das sind alles Themen, die wir auch diskutieren“, sagt er. Er will keine Schiedsrichterei, die nur ein passiver Begleiter von Neuerungen ist. Nicht neben, nicht auf dem Platz. „Dass der Schiedsrichter dann sehr gut ist, wenn er nicht auffällt, das hat sich ja schon mit Einführung des Videoassistenten geändert. Es steht für mich auch nicht im Widerspruch, dass ein Schiedsrichter, der sehr aktiv ist, ein guter Spielleiter sein kann“, sagt Drees.

Um die Schiedsrichter zu aktiven Akteuren in einem Fußball im Wandel zu etablieren, gehen Drees und Co. neue Wege. „Deswegen haben wir uns in punkto Technologien so aufgestellt, dass wir in Kooperationen treten mit Firmen, mit Universitäten, um Projekte selbst voranzutreiben und am Ende vielleicht eine maßgeschneiderte Lösung für das Thema x oder y zu finden.“

Wichtig ist Drees bei all dem nur, dass die neue Technologie keinen Fußball erster und zweiter Klasse schafft, weil sie nur dort auf der Welt Eingang ins Spiel findet, wo das Geld vorhanden ist.