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So plant die Bundesliga die Rückkehr der Fans ins Stadion

Ohne Gästefans und Alkohol : So plant die Liga die Rückkehr der Fans

Die 36 Profiklubs beschließen das Vorgehen, um wieder Zuschauer ins Stadion zu bekommen. Nun muss die Politik entscheiden. Die Fans sind insbesondere über einen Punkt alles andere als begeistert.

In den vergangenen Wochen haben sich die professionellen Fußballklubs der Republik so ihre Gedanken gemacht. Zur neuen Saison, so der entschlossene Plan, sollen wieder Fans in die Stadien von Mönchengladbach bis Aue, von Nürnberg bis Kiel dürfen. Doch wie soll das in Zeiten der Corona-Pandemie gelingen? Die 36 in der Deutschen Fußball-Liga organisierten Vereine aus der 1. und 2. Liga haben nun einen Vorschlag gemacht. Die wichtigsten Entscheidungen.

Keine Gästefans Es bestand die Sorge, die Anhänger nicht kontrollieren zu können. Zudem soll es möglichst wenig Reiseverkehr an den Spieltagen geben, um Infektionsmöglichkeiten zu minimieren. Davon nicht betroffen sind indes Fans rheinischer Klubs, die zum Beispiel aus Süddeutschland anreisen.

Keine Stehplätze Abstandsregeln könnten schwerlich garantiert werden, wenn es nicht klar definierte Plätze für jeden Zuschauer gibt. Dieser Punkt war bis zum Schluss umstritten. Einige Vereine fürchten den Konflikt mit Teilen ihrer Anhängerschaft. „Priorität in Deutschland haben nicht volle Stadien, sondern die gesundheitliche Situation“, sagt DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. „Aktuell spielt Corona eben noch mit und eine sehr bedeutende Rolle.“

Kein Alkohol So soll verhindert werden, dass durch Alkohol enthemmte Zuschauer die Pandemie schnell zur Seite schieben und sich plötzlich nicht mehr an die vereinbarten Regeln halten.

Personalisierte Online-Tickets So soll während der Corona-Pandemie die Nachverfolgung von Infektionsketten möglich sein. Um diese Maßnahmen zu ermöglichen, beschloss die Mitgliederversammlung der DFL auf Antrag des Präsidiums die vorübergehende Änderungen in der Spielordnung.

Das sagt die Politik Die endgültige Entscheidung, ob tatsächlich schon zum oder bald nach dem Saisonstart der Bundesliga und 2. Bundesliga am dritten September-Wochenende Zuschauer zugelassen sind, obliegt den Behörden. Die erste DFB-Pokalrunde ist schon vom 11. bis 14. September terminiert. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist angesichts ansteigender Zahlen von Neuinfektionen skeptisch. Er hält Bundesligaspiele mit 25.000 Zuschauern „für sehr schwer vorstellbar“. Am Montag beraten die Gesundheitsminister der Länder über die Vorschläge der DFL.

Das sagen die Fans Die Meinungen sind gespalten. Wie der FPMG Supporters Club, der die aktive Fanszene von Borussia Mönchengladbach repräsentiert, auf seiner Webseite schreibt, seien etwa jeweils die Hälfte der Fans für oder gegen eine Teilöffnung. Vor allem über die Entscheidung, keine Gästefans zuzulassen, zeigte sich der Supporters Club aber „entsetzt“, der Beschluss löse „Verärgerung und Wut“ aus. „Ein Auswärtsspiel macht den Sympathisanten zum Fan. Es ist das Größte, die Farben Schwarz, Weiß und Grün durch Deutschland und Europa zu tragen. Das Verbot von Gästefans bis zum Jahresende bedeutet die temporäre Amputation der Fanseele. Wir können und wollen diese inakzeptable Lösung so nicht mittragen“, wird FPMG-Sprecher Michael Weigand zitiert. Der Vorsitzende Thomas Ludwig sagte: „Wenn die Rückkehr der Fans ins Stadion nur unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet wird und die Leidenschaft für den Verein nicht gefördert wird, verfehlen die Konzepte eine glaubwürdige Akzeptanz bei den Fans.“ Das Stehplatzverbot nehme man hingegen „zähneknirschend“ hin.

Auch das Fan-Bündnis „Unsere Kurve“ kritisierte die DFL für ihre Pläne. „Bei aller Sehnsucht, die ich selber als regelmäßiger Stadiongänger habe, wir leben in einer Pandemie. Und die Vernunft sollte immer den Gesundheitsschutz nach vorne stellen“, sagte Vorstandsmitglied Jost Peter. „Wenn die Fallzahlen steigen und sich daraus ergibt, dass das Fußballspiel nicht zu besuchen ist, dann habe ich das zu akzeptieren.“

Das sagen die Klubs Fortuna Düsseldorfs Vorstandschef Thomas Röttgermann berichtete von einer sehr konstruktiven, aber auch kontroversen Versammlung: „Wir haben unter anderem gegen den grundsätzlichen Ausschluss von Gästefans und für Stehplatz-Nutzungen gestimmt, konnten uns damit aber nicht durchsetzen. Somit müssen wir die in der Abstimmung gefundene ligaweite Lösung akzeptieren.“