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Sieg gegen FC Bayern München: Borussia Dortmund macht der Liga Mut

Sieg im Supercup gegen die Bayern : Dortmund macht der Bundesliga Mut

Der 2:0-Erfolg über die Bayern zeigt, dass zumindest der ersatzgeschwächte Rekordmeister nicht unverwundbar ist.

Die sportlichen Großtaten auf dem Rasen liegen schon fast zwei Stunden zurück. Bis auf ein paar goldene Schnipsel erinnert nicht viel an den deutschen Supercup, der hier ausgespielt worden ist. Auf der Tribüne harren trotzdem noch hundert Fans von Borussia Dortmund aus. Sie werden belohnt, denn jetzt kommt Jürgen Klopp. Er schlendert mit dem breiten Zahnpasta-Werbelächeln, das alle von ihm kennen, über den Platz. Und die Dortmunder Fußballfreunde feiern ihn in Sprechchören. Das tut gut, erkennbar gut. Mit 2:0 hat der BVB im eigenen Stadion den FC Bayern München bezwungen. Er ist nun Rekordsieger in diesem Wettbewerb, den er fünfmal gewonnen hat "Es gibt Schlimmeres", sagt Klopp.

Das finden seine Fans auch. Und die Spieler erst recht. Sie begeben sich auf den Klatschmarsch durch die Vipräume des ehemaligen Westfalenstadions. Und sie schauen genauso zufrieden drein wie ihr Trainer. "Wir haben unseren Fußball gespielt", stellt Klopp fest, "das war ein ganz tolles Spiel für diese Phase der Saison." Die Dortmunder haben diesen Erfolg gebraucht. Er verscheucht ein paar Zweifel nach dem 0:4-Einbruch im Testspiel in Liverpool vor ein paar Tagen. Und er zeigt den Bayern rechtzeitig, dass im Westen immer noch Konkurrenz steht. Auch wenn die Bayern diesmal eine ersatzgeschwächte Formation auf den Rasen schicken.

Kreuzbandriss bei Martinez

Die Münchner sind von Beginn an ein erstaunlich vorsichtiges Team, in ihrer Substanz geschwächt durch den Trainingsrückstand der Weltmeister und tief getroffen durch die schwere Verletzung von Javi Martinez. Nach einer halben Stunde scheidet der zentrale Verteidiger mit einem Kreuzbandriss aus. Er wird Monate fehlen. "Das ist eine große Verletzung, ein großes Problem", klagt Bayern-Coach Pep Guardiola. Martínez ist die entscheidende Figur in seiner Dreierkette, die im Berliner DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund (2:0) geboren wurde, aber nach der Verletzung vielleicht wieder Makulatur wird. Ohne Martinez, der von Dante nach gerade mal vier Trainingseinheiten nur unzulänglich vertreten wird, ist Bayerns Defensive nur noch passiv — ein bisschen überfordert gegen den Druck, den der BVB im vorderen Mittelfeld über Jonas Hofmann und Henrich Mchitarjan erzeugt, und im Aufbau viel zu langsam.

Guardiola gibt der mangelhaften Vorbereitung die Schuld, und er wirbt mit traurigem Blick um Geduld. "Wir brauchen noch Zeit", erklärt der Bayern-Trainer, "ich bin sicher, dass wir ein bisschen Probleme haben werden bis zur Winterpause. Wir müssen aufpassen in der Bundesliga und vor allem in der Champions League."

Die Verletzung von Martinez macht die Situation im sicher am besten besetzten Kader der Bundesliga unangenehmer. Guardiola hatte seinen Landsmann wegen des luxuriös ausgestatteten Mittelfelds bereits in die Verteidigung beordert. Weil aber Thiago Alcantara bis mindestens Oktober ausfällt und Toni Kroos nun bei Real Madrid seine strategischen Fähigkeiten nachweist, bleiben Guardiola nur zwei feste Größen in der Zentrale. Das sind allerdings Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm — also müssen noch keine bitteren Tränen ins Kopfkissen geweint werden.

Die Bundesliga-Konkurrenz darf aus dem Supercup-Spiel in Dortmund dennoch Hoffnung schöpfen. Dortmund hat bewiesen, dass die Bayern mit einem risikoreichen, besser: mutigen Spiel zumindest in der Vorrunde der Bundesliga mal wieder herausgefordert werden können. Auch deshalb feiern die Dortmunder Fans noch ein paar Stunden nach dem Abpfiff. Deshalb strahlen die Spieler beim Klatschmarsch in den Vipräumen. Und deshalb kramt Trainer Klopp sein bestes Lächeln heraus. Dass es vor Jahresfrist an dieser Stelle ganz ähnlich aussah, verdrängt er lieber. Am Ende der Saison war Bayern nicht einmal mit dem Fernglas mehr zu sehen. Aber da gab es die WM nicht und den Verkauf von Toni Kroos auch nicht. Zwei Gründe mehr für gute Laune beim BVB.

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(RP)