Bundesliga im Check: Schalke greift noch mal an

Bundesliga im Check : Schalke greift noch mal an

Düsseldorf (RP). Der spanische Stürmer Raúl trägt die Hoffnungen der Gelsenkirchener auf einen Platz im europäischen Wettbewerb. Mainz 05 kann das Rennen von einem sensationellen zweiten Platz aus aufnehmen.

Es ist nicht bekannt, ob Harald Strutz (60) zu den erklärten Anhängern der Kölner Karnevals-Troubadoure "De Höhner" gehört. Der Präsident des FSV Mainz 05 scheint zumindest eine ihrer erfolgreichsten Hymnen gut zu kennen, denn er zitiert sie auf die Frage, ob für seinen Klub in dieser Spielzeit das internationale Geschäft erreichbar ist.

"Wenn nicht jetzt, wann dann?", antwortet Strutz wie Heiner Brands Handballer 2007 bei der WM. Die Voraussetzungen waren tatsächlich noch nie so gut. Mit 33 Punkten liegt der FSV auf dem zweiten Platz — sieben Punkte vor dem Tabellensiebten Frankfurt, der auf jeden Fall den Einzug in die Europa League verpassen würde.

Das Regelwerk des europäischen Dachverbands Uefa garantiert dem Deutschen Fußball-Bund drei Startplätze. Qualifiziert sind der Sieger im Pokal-Finale und die Teams auf Rang vier und fünf der Bundesliga-Tabelle. Sollten allerdings beide Finalisten im DFB-Pokal unter den ersten fünf gelandet sein, darf auch der Sechste der Bundesliga auf europäischer Ebene starten. In diesem Jahr sprang der VfB Stuttgart so noch auf den Zug.

Nun fühlt sich Mainz stark genug, die direkte Qualifikation zu schaffen. Strutz sieht darin das Ergebnis von "Kontinuität, Ausdauer, Einsatz und Leidenschaft". Und er preist den Trainer Thomas Tuchel, der sein junges Team mit großem taktischen Geschick und ohne falsche Ehrfurcht vor vermeintlichen Fußball-Denkmälern durch die Hinrunde eilen ließ. "Diese Saison ist fantastisch", sagt der Präsident.

Auf Schalke würde man so einer Einschätzung nur sehr bedingt zustimmen. Der Vizemeister der vergangenen Saison kam nämlich äußerst mühsam aus den Startlöchern und musste sich zunächst den Wettlauf der Konkurrenten vom Tabellenende aus anschauen. Inzwischen aber nimmt das Team von Trainer Felix Magath Fahrt auf, und es will von Rang zehn noch einmal so richtig angreifen. "Wir haben in der Rückrunde einiges vor", sagt der Trainer/Manager/Vorstand, dem schon mit dem VfL Wolfsburg im Jahr 2009 das bemerkenswerte Kunststück gelang, von Platz neun bis zum Titel zu marschieren.

Damit wird es diesmal wohl nichts. Aber die letzten Auftritte des alten Jahres mit fünf Siegen in fünf Pflichtspielen machen dem großen Gelsenkirchener Anhang doch wieder Hoffnung. Dazu trug die populärste Neuverpflichtung des Sommers entscheidend bei. Raúl (33), eine lebende Legende des nicht minder legendären Klubs Real Madrid, hat auch seinen Kritikern nachgewiesen, dass er auf Schalke nicht das gut bezahlte Altenteil gesucht hat.

Der Spanier hat in der Bundesliga schon neunmal getroffen, ist bestens integriert und bildet mit dem Holländer Klaas-Jan Huntelaar eine Doppelspitze, um die Schalke zu Recht beneidet wird. Weil dahinter das System Magath mal wieder greift und im Tor in Manuel Neuer einer der besten Keeper der Welt steht, hat Königsblau beste Chancen, seine Saisonziele doch noch zu erreichen.

Hannover und Freiburg ist das fast schon gelungen. Die beiden Außenseiter haben ähnlich wie Mainz die Liga in der ersten Serie aus den Angeln gehoben. Sie nutzten die Schwächen der Großen, die zum Teil mächtig daran litten, dass namhafte Spieler die Folgen der WM nicht rechtzeitig aus dem ermüdeten Luxuskörper bekamen. Und sie traten mit guter taktischer Ordnung und voller Spielfreude an. Sie werden allerdings ein Problem haben, sich gegen die nachrückenden Schalker, Bayern und Hamburger zu wehren.

Nach einer Vorsaison, die Hannover und Freiburg im Abstiegskampf zugebracht haben (Hannover bis zur Relegation), ist es aber schon eine kleine Sensation, dass beide Teams im ersten Drittel der Tabelle platziert sind. Das gibt ihnen eine Lockerheit, von der jene Teams nur träumen können, deren Saisonziele von Beginn an andere sein mussten.

Hoffenheim, das fußballerisch an die Vorstellungen aus der Aufstiegssaison 2008/09 anzuschließen schien, quälte sich mit vereinsinternen Auseinandersetzungen durch die Winterpause, die im Abschied von Trainer Ralf Rangnick und der Suspendierung von Demba Ba ihren vorläufigen Tiefpunkt fanden. Deshalb sind die Emporkömmlinge aus dem Kraichgau diesmal keine Anwärter auf die Plätze in Europa.

UnserTipp Schalke startet in der Rückrunde durch und erreicht auf jeden Fall noch die Europa League. Mainz behauptet sich mit Laufstärke und Selbstbewusstsein im Rennen um Platz fünf knapp vor Eintracht Frankfurt. Hamburg, Hoffenheim, Hannover und Freiburg sinken ins Mittelmaß. Freiburg und Hannover stört das weniger als die betuchte Konkurrenz.

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(RP)