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Rekordmeister bestätigt Coup: Sammer wird neuer Sportdirektor bei Bayern

Rekordmeister bestätigt Coup : Sammer wird neuer Sportdirektor bei Bayern

Nach zwei Jahren ohne Titel beginnt der FC Bayern München die neue Saison mit einem Paukenschlag. Matthias Sammer wird als neuer Sportdirektor bereits zum Trainingsauftakt am Dienstag die Geschicke beim deutschen Fußball-Rekordmeister in die Hand nehmen.

Der Europameister von 1996 hatte in gleicher Funktion seit 1. April 2006 für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) gearbeitet. Der Verband erteilte Sammer die sofortige Freigabe. Sowohl der FC Bayern und des DFB bestätigten die Personalie.

Hoeneß bedankt sich

"Ich möchte mich im Namen des Klubs bei Christian Nerlinger ausdrücklich für seine Arbeit in den vergangenen vier Jahren beim FC Bayern bedanken," erklärt FC Bayern-Aufsichtsratsvorsitzender Uli Hoeneß, "ich hoffe sehr, dass unser aller gutes persönliches Verhältnis auch weiterhin Bestand hat."

"Ich wünsche dem FC Bayern weiterhin alles erdenklich Gute", sagt Christian Nerlinger, "Ich habe hier eine gute und sehr intensive Zeit erlebt und werde dem Klub auch weiterhin freundschaftlich verbunden bleiben."

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach erklärt: "Wir lassen Matthias Sammer nur sehr schweren Herzens gehen. Er hat mit seiner Kompetenz und Leidenschaft viel für die Talentförderung in Deutschland bewegt und dem Verband mit seiner Art unglaublich gut getan. Gleichzeitig respektieren wir seinen Wunsch und möchten seinen weiteren Plänen nicht im Wege stehen. Die enge Verbindung zu ihm wird auch in Zukunft erhalten bleiben."

"Unterschiedliches Konzept"

Als Grund für die Trennung von Nerlinger, die bereits bei der Aufarbeitung der zurückliegenden Saison vereinbart worden sei, wurden "unterschiedliche Auffassungen über das Konzept für die Zukunft der Mannschaft" genannt. Allerdings habe man sich darauf verständigt, die Trennung erst nach der am Sonntag beendeten Fußball-EM zu verkünden.

Beim FC Bayern wird der 44 Jahre alte Sammer Nachfolger von Christian Nerlinger, der intern schon länger in der Kritik stand. Der 39-Jährige hatte am 1. Juli 2009 für den sportlichen Bereich die Nachfolge von Manager Uli Hoeneß angetreten, konnte sich aus dessen großen Schatten aber nie lösen.

Der FC Bayern geht in seine zweite und zugleich letzte Saison unter Trainer Jupp Heynckes. Als möglicher Nachfolger im Sommer 2013 wird unter anderem Pep Guardiola gehandelt, jahrelang erfolgreicher Coach des FC Barcelona.

Riesiger Druck

Die Münchner starten am Dienstag in die neue Saison: noch ohne die EM-Verlierer und Neuzugang Mario Mandzukic, dafür mit hohen Erwartungen und vielen Problemen. Heynckes steht vor einer schwierigen Aufgabe. Der Druck ist riesig. Eine drittes Jahr ohne Titel würde die Welt des deutschen Rekordmeisters endgültig aus den Angeln heben. Sollte die Saison nicht nach Wunsch laufen, könnte Sammer notfalls sogar als Trainer einspringen.

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Erschwert wird die Aufgabe von Heynckes, weil Präsident Uli Hoeneß unlängst schon eine Trainerdiskussion begonnen hat. "Erst einmal tun wir alles dafür, dass Jupp Heynckes mit der Mannschaft erfolgreich ist. Und danach schauen wir: Holen wir einen Neuen oder nicht? Höchstwahrscheinlich holen wir einen", sagte Hoeneß. Doch zunächst einmal gilt es für den aktuellen Münchner Trainer den Alltag zu meistern. Zunächst mit Sammer.

Sammer hat bereits als Trainer gearbeitet. Nach dem Erwerb der Lizenz im Jahr 2000 löste er bei Borussia Dortmund Udo Lattek ab, dem er zuvor schon als Assistent gedient hatte. Schon im zweiten Jahr wurde Sammer mit dem BVB Meister und damit jüngster Meistertrainer in der Geschichte der Bundesliga. Der 2010 laufende Vertrag wurde zum 30. Juni 2004 aufgelöst, danach trainierte Sammer ein Jahr lang den VfB Stuttgart.

Für Heynckes sind die Voraussetzungen, Borussia Dortmund national wieder vom Thron zu stoßen und in der Champions League erneut dem FC Barcelona oder Real Madrid Paroli bieten zu können, nicht gerade günstig. In den kommenden Wochen ist er mehr als Psychologe denn als Trainer gefragt. Inklusive Mandzukic muss sich der 67-Jährige um gleich zwölf "EM-Problemfälle" kümmern - allein acht deutsche Nationalspieler muss er wieder aufrichten.

EM-Fahrer machen Urlaub

Erst einmal fehlen Heynckes die meisten Stars. Seine acht deutschen EM-Fahrer haben nach ihrer Halbfinal-Enttäuschung drei Wochen Urlaub bis zum 22. Juli, ebenso wie Franck Ribery. Bereits am 15. Juli werden dagegen Arjen Robben, Anatoli Timoschtschuk und Torjäger Mandzukic, der für 13 Millionen Euro Ablöse vom VfL Wolfsburg verpflichtet wurde, zum Start des Trainingslagers am Gardasee erwartet.

Sammer hatte den neugeschaffenen Posten des DFB-Sportdirektors im April 2006 gegen den Widerstand des damaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann übernommen. Klinsmann und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hatten dem ehemaligen Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters favorisiert. Beim DFB war Sammer seit 2010 auch als Nachwuchskoordinator des Verbandes für den Ausbau der Talentförderung zuständig.

Beim FC Bayern war Nerlinger nach der zweiten titellosen Saison längst umstritten. Der ehemalige Nationalspieler war noch unter dem Trainer Klinsmann zu den Münchnern gestoßen, vor drei Jahren übernahm er von Hoeneß die Verantwortung über den sportlichen Bereich. Gleich in Nerlingers erster Saison wurden die Bayern Meister und Pokalsieger, darüber hinaus erreichten sie das Endspiel der Champions League gegen Inter Mailand.

Im Januar 2011 war Sammer vom Aufsichtsrat des Hamburger SV für den Posten des Sportdirektors auserkoren. Ihm soll zu diesem Zeitpunkt ein ausgehandelter Vertrag vorgelegt worden sein. Sammer entschied sich dann trotzdem dafür, beim DFB zu bleiben. Sein Vertrag mit dem DFB wäre bis 31. März 2016 gelaufen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Matthias Sammer

(sid/dpa)