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Die Manager der Bundesligisten: Sammer und Zorc führen ihre Zunft an

Die Manager der Bundesligisten : Sammer und Zorc führen ihre Zunft an

Schattenmänner, Schnäppchenjäger, Sündenböcke: Die Manager der Bundesligisten haben vielfältige Aufgaben zu lösen. Matthias Sammer und Michael Zorc stehen an der Spitze ihrer Zunft.

Mahner? Wenn es sein muss. Schnäppchenjäger? Wenn möglich. Schattenmann? Wenn machbar. So oder so ähnlich würde Matthias Sammer sicherlich die Idealvorstellung seines Jobs skizzieren. Doch ausgerechnet Lichtgestalt Franz Beckenbauer machte dem Sportvorstand von Bayern Müchen unlängst einen Strich durch die Rechnung. Er bugsierte Sammer nach dem Triple-Coup des Rekordmeisters ins Rampenlicht. "Ohne den Anteil der anderen zu schmälern: Matthias Sammer hat den größten Anteil", sagte Beckenbauer nach dem Dreifach-Triumph der Münchner in der vergangenen Saison.

Die Krönung durch den "Kaiser" hatte Strahlkraft und wird Sammer sicherlich geschmeichelt haben. Geändert hat sich die Einstellung des 45-Jährigen zu seinem (Traum-)Beruf dadurch nicht. "Das Wichtigste ist es, zu wirken, ohne sich persönlich in den Mittelpunkt zu stellen. Ich habe immer die Sache in den Vordergrund gestellt, und so werde ich es auch weiterhin machen", sagte Sammer dem Donaukurier.

Strippenzieher im Hintergrund

Seine Bundesliga-Kollegen würden dem "Problemsucher", wie der Spiegel Sammer wegen seiner Pedanterie einmal bezeichnete, sicher beipflichten. Die allermeisten der Manager, Sportdirektoren oder sportlichen Leiter in der Eliteliga ziehen die Fäden im Hintergrund und stehen im Schatten charismatischer Trainer.

Wie der Dortmunder Michael Zorc, der wie kaum ein anderer in der Szene als Schnäppchenjäger gilt. Zusammen mit Borussen-Kultcoach Jürgen Klopp und BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist Ex-Profi Zorc das Symbol für den Aufstieg der "Schwarz-Gelben" in die europäische Spitze. Und sein Erfolgsrezept? "Erfahrungswerte sind das Wichtigste", meinte der gebürtige Dortmunder Zorc, der die Verpflichtung von Klopp 2008 als seinen bisher "besten Transfer" bezeichnet.

Aber auch sonst kann sich die Ausbeute des 50-Jährigen sehen lassen. Den Japaner Shinji Kagawa holte Zorc einst für 350.000 Euro und verkaufte den Mittelfeldspieler für 20 Millionen Euro an Manchester United. Auch der abwanderungswillige Stürmer Robert Lewandowski hat seinen Marktwert in seiner Zeit beim achtmaligen deutschen Meister um das Fünffache erhöht.

Erfahrungswerte also sollen der Schlüssel für den Erfolg am Sportdirektoren-Schreibtisch sein. Immerhin 15 der 19 Manager in der Bundesliga — der SC Freiburg hat in Klemens Hartenbach und Jochen Saier ein Duo - können auf eine Profilaufbahn als Spieler verweisen. Einzig Saier, Dirk Dufner (Hannover 96), Martin Bader (1. FC Nürnberg) und Christian Heidel (FSV Mainz 05) verfügen diesbezüglich über keinen "Stallgeruch". Heidel führte sein Amt bis 2006 sogar noch ehrenamtlich aus.

Doch die Aufgaben werden im florierenden Millionen-Geschäft Bundesliga immer vielschichiger — sprich anspruchsvoller. Kein Wunder, dass Staranwalt Christoph Schickhardt unlängst eine Lizenz für Fußball-Manager forderte. "Jeder Trainer einer Kneipenmannschaft braucht heute einen Trainerschein." Nur die wichtigsten Leute in den Profivereinen seien nicht zertifiziert, klagte Schickhardt.

Zorc ist der Dienstälteste

Zuvor hatte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff in dieselbe Kerbe geschlagen und von bestehendem Bedarf bei der Management-Ausbildung gesprochen. In etlichen Vereinen allerdings ist das operative vom sportlichen Geschäft getrennt. In Dortmund etwa regelt Watzke die Finanzen, und Zorc lässt sein Wissen als Fußball-Fachmann einfließen.

Während der dienstälteste Bundesliga-Manager (seit 1998) beim BVB im Schatten von Klopp steht, ist Sportdirektor Rudi Völler das Gesicht bei Bayer Leverkusen. Der Weltmeister von 1990 will aber Coach Sami Hyypiä nicht die Schau stehlen. "Ich sehe mich als Mann, der hinter den Kulissen arbeitet, der Strippen zieht", beschreibt Völler seinen Job, in dem die Vokabel Freizeit wie ein Fremdwort klingt: "Einen normalen Arbeitsalltag gibt es in diesem Beruf nicht."

Einen eher geringen Bekanntheitsgrad haben vor dem Beginn der neuen Punktspiel-Saison am Freitag die Freiburger Hartenbach und Sailer. Mit einem flotten Spruch konnte Sailer aber zuletzt punkten, als er sagte, der Sportclub sei für die Gegner "keine Black Box" mehr — also bereits entschlüsselt. Sailer als Mahner vom Breisgau.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bundesliga 13/14: Die Manager

(sid)