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Salary Cap: Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball kaum umsetzbar

Trotz Keller-Vorstoß : Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball kaum umsetzbar

Eine Gehaltsobergrenze für Fußball-Profis findet derzeit viele Befürworter - zuletzt auch DFB-Präsident Fritz Keller. Eine Salary Cap nach US-Vorbild dürfte freilich in Europa kaum umzusetzen sein.

Auch Fritz Keller hat das Zauberwort nun in den Mund genommen. "Wir müssen", sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) "über Gehaltsobergrenzen reden." Es gebe, erläuterte er, "unsinnige Gehälter und Ablösesummen, die nicht mehr glaubhaft sind". Kurzum: Um die finanziellen Probleme im Profifußball in den Griff zu bekommen, soll es den Spielern an den Geldbeutel gehen. Ganz nach dem Vorbild der Profiligen in Nordamerika, wo die Budgets für die Kader reguliert werden.

Die Idee einer Salary Cap für Fußball-Klubs in Europa und damit auch in der Bundesliga ist nicht neu. Er sei, erinnerte sich Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge erst am Sonntag, mit dem damaligen UEFA-Präsidenten Michel Platini deswegen bereits vor Jahren bei der EU-Kommission in Brüssel gewesen - ohne Erfolg: "Leider hat er sich immer eine blutige Nase eingeholt, obwohl alle großen Klubs in Europa diese Aktion unterstützt haben", sagte Rummenigge bei Sky.

Das Thema ist populär. Die Gehälter der Spieler, erläuterte etwa Fortuna Düsseldorfs Klubchef Thomas Röttgermann, stellten "einen Großteil der Ausgaben" der Klubs dar - in der Spielzeit 2018/19 gaben die 18 Bundesligisten laut Wirtschaftsreport der Deutschen Fußball Liga (DFL) insgesamt 1,43 Milliarden Euro für Spieler und Trainerstäbe aus. Röttgermann kann sich daher vorstellen, "eine Gehaltsobergrenze anhand des Gesamtumsatzes des jeweiligen Vereins zu errechnen", wie er der FAZ sagte.

Selbst die Befürworter einer Gehaltsobergrenze ahnen aber, dass sie in Europa kaum durchsetzbar sein wird. Auch DFL-Chef Christian Seifert ist "dafür, das zumindest zu versuchen", er denkt auch an eine Beschränkung der Ablösesummen und Honorare für die Berater. Er sagte im Aktuellen Sportstudio auch, er habe darüber persönlich mit UEFA-Präsident Aleksander Ceferin gesprochen, "dass das sicherlich Gespräche sein werden, die wird man führen müssen".

Auch Seifert weiß: Eine Gehaltsobergrenze für die Bundesliga kann nur kommen, wenn es eine europäische Lösung gibt. Diese zu finden, erscheint kaum vorstellbar. Grundsätzlich, glaubt der Sportökonom Prof. Dr. Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule in Köln, sei eine Reform des Fußballs nur in einem Verbund der europäischen Topligen Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien möglich. Er bezweifelt jedoch, dass die englische Premier League da mitspielen würde.

Aufgrund der Entwicklung bei den Medieneinnahmen in den vergangenen Jahren "hat sich England deutlich besser entwickelt als Deutschland", sagte Breuer im Spiegel, warum also "sollte die Premier League jetzt Regeln wie eine Gehaltsobergrenze akzeptieren, die die anderen Ligen wieder gleicher machen würden?" Eine Gehaltsobergrenze ohne England einzuführen, "würde die Bundesliga zu einer Art zweitklassige europäische Liga schrumpfen lassen".

Gehaltsobergrenzen nach amerikanischem Vorbild lassen sich allein deshalb schon kaum übertragen, weil die Profiligen im Basketball (NBA), Football (NFL), Eishockey (NHL), Baseball (MLB) oder Fußball (MLS) geschlossene Systeme sind. Daher ist auch Rummenigge skeptisch, was eine Salary Cap angeht. "Ich glaube nicht, dass wir hier amerikanische Sportarten wollen, da gibt es keinen Aufstieg, keinen Abstieg." Und gerade dies sie "ja wichtiger Bestandteil des Fußballs".

(ako/sid)