RB Leipzig betreibt reinen Sportkapitalismus und bietet guten Fußball

Kommentar zum Geschäftsmodell RB Leipzig : Kapitalismus mit Unterhaltungswert

Die Red-Bull-Filiale betreibt Sportkapitalismus in der reinsten Form. Das muss man nicht mögen. Aber der Fußball, das Produkt des Geschäfts, ist ansehnlich. Deshalb lohnt sich am Samstag ein Besuch in Mönchengladbach. Ein Kommentar.

Deutschlands organisierte Fußball-Fans haben einen Lieblingsfeind. Er heißt RB Leipzig. Die Feindschaft hat sich der Klub verdient, weil er ein Unternehmen des Konzerns Red Bull ist. Er macht sich nicht einmal die Mühe, das zu verbergen. Die Abkürzung des kunstvoll unter Umgehung von Werbevorschriften zusammengezimmerten Vereinsnamens „Rasenballsport“ zeigt das deutlich. Darüber hinaus verdient sich Leipzig die Feindschaft des organisierten deutschen Fußball-Anhangs, weil es gerade so viele stimmberechtigte Mitglieder zulässt, wie es das Vereinsrecht vorschreibt – über sieben. Dadurch wird selbst das entfernteste Hineinregieren des Vereins ins Geschäft verhindert. Das darf man schlimm finden.

Aber es ist nur Fußball-Kapitalismus in der reinsten Form. Den darf man auch schlimm finden. Aber er unterscheidet sich gar nicht so sehr von dem Geschäft, das die Leipziger Konkurrenz betreibt. Die meisten Klubs haben ihre Berufsfußballsparte ausgegliedert. Und auch wenn der Verein nach der deutschen 50+1-Regel in diesen ausgegliederten Profi-Abteilungen immer mindestens eine Stimme Mehrheit hat, wird der Profifußball von Managern gestaltet. Niemand wird annehmen können, dass die Vereinsmitglieder des FC Bayern München mehr tun dürfen, als alle paar Jahre in der Mitgliederversammlung mit SED-Quoten Uli Hoeneß im Präsidenten- und Aufsichtsratschef-Amt zu bestätigen. Auf die Vereinspolitik haben sie so wenig Einfluss wie die Mitglieder des Klubs Borussia Dortmund, der den Profifußball in einer Aktiengesellschaft verwaltet.

Und das ist im Sinne des Berufsfußballs auch gut so. Denn es geht um viel Geld. Und auch wenn es mit Emotionen verdient wird, bleibt es ein Geschäft, das von Fachleuten ohne Emotionen betrieben werden sollte. Auch das kann man schlimm finden.

Und jetzt genug mit Dingen, die man schlimm finden kann. Wer naiv genug ist, sich nur am puren Fußball zu begeistern, der könnte zu den Amateuren gehen oder auch da bleiben, wenn die Leipziger Abteilung des Red-Bull-Konzerns im Stadion auftritt. Denn er wird in aller Regel ganz schön verwöhnt. Die Fußballfirma aus Sachsen hat sich dem Grundsatz eines sehr jugendlichen Tempofußballs verschrieben. Der ist für Gegner unangenehm und für Zuschauer erfreulich, weil er Spektakel garantiert. Im Unterschied zu vielen Mitbewerbern auf diesem Markt hat die Leipziger Firma einen eigenen Stil, und dem bleibt sie auch treu. Seit Jahren entwickelt sie nach diesem Geschäfts-Modell aus Talenten gute bis sehr gute Fußballer, die wegen der ziemlich üppigen finanziellen Möglichkeiten durch den Mutterkonzern angemessen bezahlt werden. In der Ausbildung werden alle verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse in Anspruch genommen. Das ist zeitgemäß und wird längst von Konkurrenten fröhlich kopiert, die darüber früher mal die Nase gerümpft haben. Und selbst wer das übertrieben findet und mit den sendungsbewussten Belehrungen des Leipziger Taktik-Großmeisters Ralf Rangnick seine Probleme hat, der muss anerkennen: Sieht schon schön aus, das Produkt.

Geht es nicht letzten Endes darum? Soll Profifußball neben dem ganzen bunten Tamtam und dem lauten Geklingel rund um das Spiel nicht am Ende mit einem guten Produkt beim Spiel, ja, auch unterhalten?

In dieser Hinsicht wird jeder von RB Leipzig gut bedient, Samstag sicher auch das Mönchengladbacher Publikum. Und wem es um mehr geht, um moralische Werte, um die Pflege von Traditionen und das ethisch reine Fußballspiel, der muss immerhin überdenken, ob das noch mit dem Besuch eines Profispiels zu vereinbaren ist – schon durch das Entrichten des Eintrittspreises ist er nämlich Teil des Geschäfts, und als unterhaltendes Element in der Kurve ist er es ohnehin. Das vergisst die Fraktion der Ultras bei ihren Moraldebatten gern.

Das hat vor langer Zeit sogar Paul Breitner erkannt, der sich zeit seines Lebens als Meckerer vom Dienst aufgeführt hat und der deswegen mal mit einem politisch links stehenden Menschen verwechselt worden ist. „Ich habe kein Verständnis für die Aufjauler und RB-Beleidiger, die das tun, um alibimäßig von der angeblich so notwendigen Tradition im Fußball zu schwafeln“, hat er der „Sportbild“ gesagt, „schauen wir uns doch nur an, wie viel Tradition den Weg in die zweite Liga gegangen ist. Tradition um der Tradition willen ist genauso wertlos wie Erfahrung um der Erfahrung willen.“ Da würde selbst sein ehemaliger Freund Uli Hoeneß nicken.

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