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Bewegender Abschied für Schalkes Superstar: Raul nimmt Abschied von der Bundesliga

Bewegender Abschied für Schalkes Superstar : Raul nimmt Abschied von der Bundesliga

Der spanische Torjäger vergoss bei der bewegenden Fiesta auf Schalke Tränen. "Ich habe einfach keine Worte dafür, wie herzlich ich hier behandelt worden bin", kommentierte Raul die beiden Jahre im Revier.

Es ist die dritte Halbzeit in der Gelsenkirchener Arena. Mit dem 4:0-Sieg gegen Hertha BSC Berlin hat sich die Mannschaft des FC Schalke 04 ebenso wie Meister Borussia Dortmund und Bayern München für die Champions League qualifiziert. Doch erst jetzt folgen die allerschönsten Szenen des Nachmittags. Denn der Klub verabschiedet die Spieler, die den Klub verlassen. Die Dramaturgie der Feier ist typisch für diesen Verein und die vielzitierte Schalker Seele.

Raul Gonzalez Blanco ist wie alle anderen Schalker Spieler nach dem Abpfiff erst einmal in die Kabine zurückgekehrt. Jetzt, zum emotionalen Höhepunkt, steht "Senor" am Spielfeldrand und wartet darauf, dass nach Levan Kenia, Hans Sarpei und Mathias Schober auch er zur Verabschiedung auf den Rasen gebeten wird. An seiner Seite die vier Jungs, die mit den schwarzen Köpfen alle ausschauen wie der Vater, buchstäblich haargenau: Jorge, Hugo, Hector und Mateo. Auf den Armen die kleine Maria, die wohl gar nicht begreifen kann, was da vor ihren Augen alles passiert in dieser Stunde purer Emotionen. Der Block der Hertha-Anhänger ist nahezu leer. Die Schalker Fans aber, so scheint es, sind alle geblieben, wollen dem großen Spanier Lebewohl sagen. Viele im blauweißen Menschenmeer haben Transparente mitgebracht, um dem 34-Jährigen ihre Sympathien zu bekunden. Auf einem kleinen Schild steht: "Datt von Raúl erzähl' ich meine Enkel!"

Begleitet von lauten "Rauuuuul"-Rufen, schreitet auch der Spanier, der immer wieder zu den Fans winkt, mit den Kindern durch das Spalier, das die Schalker Spieler gebildet haben. Die einen in Trikot und Sporthose, andere in Zivil, Christoph Metzelder (Fußsohlenbandeinriss) und Trainer Huub Stevens (nach einer Meniskus-OP) an Krücken. Auf dem Feld liegt ein riesiges Trikot mit der Aufschrift "Gracias Raúl", und im Mittelkreis ist eine Bühne aufgebaut, auf der das Quartett der scheidenden Profis von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und anderen Verantwortlichen des Klubs mit Blumen verabschiedet wird. Für Raúl haben sie ein Schalker Trikot in einem Bilderrahmen anfertigen lassen.

Auf dem Videowürfel sind noch einmal große Momente des spanischen Torjägers aus zwei Jahren Schalke zu sehen. Raul und seine Kinder, aber auch die Teamgefährten des Weltstars schauen gebannt auf die Bilder hoch. Julian Draxler sagt in einer Videobotschaft zu seinem 16 Jahre älteren Kollegen: "Ich will einfach noch mal loswerden, dass es für mich eine Ehre war, mit dir zusammenspielen zu dürfen." Die Band The Florians singt eine neue Version des Schalke-Lieds "Blau und Weiß, ein Leben lang".

Die Fiesta dauert fast eine Stunde. Schalke bejubelt den Publikumsliebling aus Madrid, als hätte die Mannschaft soeben die Champions League gewonnen. Wer so feiert, braucht dazu eigentlich gar keine großen Titel mehr. Viele auf den Rängen, da darf man sicher sein, werden vor Ergriffenheit ein paarmal geschluckt haben. Auch als Raul, der im letzten Spiel auf Schalke sein 15. Ligator der Saison erzielt und das 4:0 vorbereitet hat, gerührt ist und manche Träne vergießt.

"Ich habe einfach keine Worte dafür, wie herzlich ich hier behandelt worden bin auf Schalke", sagt er später. "Ich habe die Bundesliga sehr genossen. Die Leute habe ich ins Herz geschlossen. Sie haben meinen größten Respekt." Er gesteht: "Meine Jungs haben schon in den letzten Monaten oft gesagt, dass ich am besten hier bleiben soll." Er hat sich anders entschieden, geht vielleicht zum Abschluss seiner Karriere nach Katar. Die Fans aber werden noch lange von diesem einzigartigen Fußballer und bescheidenen Menschen schwärmen. Und wohl keiner von ihnen wird jemals richtig begreifen, dass dieser Ausnahmespieler nicht mehr dabei war, als Spaniens Nationalteam Europa- und Weltmeister wurde.

Aber dafür hatte er ja Schalke!

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bundesliga 11/12: Raul und seine Söhne sagen Adios

(RP/can/csr)