Bayer 04 Leverkusen: Moorhuhn-Jagd in Ulm

Bayer 04 Leverkusen: Moorhuhn-Jagd in Ulm

Leverkusen (RP). Vor zehn Jahren feierte Bayer 04 mit einem 9:1 beim SSV Ulm 1846 den höchsten Sieg seiner Bundesligahistorie. Zum Jubiläum ein Rückblick auf Torschützen, Reaktionen, Emotionen und die in Stein gemeißelte Statistik.

Bayers brasilianischem Ausnahmestrategen Emerson stand auch Stunden nach dem denkwürdigen 9:1 beim Betriebsausflug nach Ulm noch der Unglaube ins Gesicht geschrieben. "So ein Spiel habe ich noch nie erlebt, nicht in Brasilien, nicht in Deutschland. Das war ein Ereignis für mich", sagte Emerson am 18. März 2000.

Die Wertung des Spiels als ein "Ereignis" hatte der Lenker im Leverkusener Mittelfeld damals beileibe nicht exklusiv. "Leverkusen im Frühjahr 2000 – das ist Lust und Spaß pur, zirzensische Unterhaltung auf höchstem Niveau, ein stimmiges Produkt im Verhältnis zwischen Bezahlung und Leistung", textete RP-Redakteur Udo Bonnekoh in der Rheinischen Post vom 20. März 2000.

Ein Kollege vom Fernsehen ließ sich sogar zur Feststellung hinreißen, die Ulmer Spatzen seien an diesem Tag zu Moorhühnern geworden. Das 9:1 fand in jedem Fall Eingang in die Geschichtsbücher als höchster Sieg in der Bundesligageschichte der Werkself. Auch zehn Jahre später hat sich an diesem Eintrag nichts geändert.

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Es war ein rundherum gelungener Tag, dieser 18. März. Die Tore gegen den eigentlich recht keck in der Bundesliga angekommenen Aufsteiger fielen locker und leicht im Minutentakt und frei nach dem Motto "Wer hat noch nicht, wer will nochmal?". Und auf der Rückfahrt im Bus servierte Physiotherapeut Dieter Trzolek Spaghetti. Herz, was willst du mehr?

Dass zu so einem Kantersieg neben furios aufspielenden Gästen auch desolat mitspielende Gastgeber gehörten, blieb den RP-Lesern dabei nicht verborgen. Von "fast schon devoter Mithilfe" stand geschrieben, die die "profitorientierte Abteilung des Schwimmsportvereins von 1846" geleistet habe. Bayer war nach diesem Sieg am 25. Spieltag der Saison 1999/2000 punktgleich mit Spitzenreiter Bayern München und in der Tordifferenz nur noch um fünf Tore schlechter. Ulm selbst erholte sich von diesem Schock übrigens nicht mehr und stieg am Saisonende mit 35 Zählern als Tabellen-16. direkt wieder ab.

"In meiner Zeit bei Bayer ist es das erste Mal, dass wir Meister werden können, weil die Mannschaft geschlossen auftritt und das Ziel fest vor Augen hat", sagte Daum im Nachgang des Ulm-Spiels. Wochen später kamen der 34. Spieltag und Unterhaching. Der Rest ist bekannt. Der Rest waren Tränen.

(RP)
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