Mit den Gelben Karten für Trainer schafft sich der Fußball eine neue Baustelle

Gelbe Karten für Trainer : Der Fußball schafft sich noch eine Baustelle

Der Fußball hat es versäumt, zur neuen Saison den Videobeweis transparenter zu machen und die Handspielregel unmissverständlich zu gestalten. Damit nicht genug: Mit den Gelben Karten für Trainer schuf er ein drittes Aufreger-Thema.

Nach nur zwei Spieltagen ein erstes Saisonfazit zu ziehen, verbieten sich Bundesligatrainer ausnahmslos. Manche stellen den bohrenden Medien eine erste Bilanz nach fünf Partien in Aussicht, andere wollen erst nach zehn Spieltagen verraten, wo sie ihr Team leistungsmäßig verorten. Dem deutschen Profifußball lässt sich indes bereits nach nur 18 gespielten Duellen der neuen Saison ein erstes Zwischenzeugnis ausstellen. DFB und DFL haben es zum einen versäumt, über die Sommerpause den Betrieb des Videobeweises – vor allem für die Zuschauer im Stadion – transparenter zu machen und die Handspielregel unmissverständlich in der Auslegung zu gestalten. Zum anderen schufen sie mit der Einführung von Gelben Karten und Gelbsperren für Trainer eine dritte Baustelle, die das Zeug zum permanenten öffentlichen Ärgernis hat. „Jetzt das Augenmerk auf Gelbe Karten für Trainer zu richten, ist Schwachsinn“, sagt Fortunas Trainer Friedhelm Funkel unserer Redaktion. „Diese Regel ist an den Haaren herbeigezogen. Die Regelhüter sollten sich lieber mit der Handspielregel und dem Videobeweis beschäftigen. Das wäre weitaus sinnvoller.“

Doch so einig sich man im Fußballbetrieb nach Ablauf der Saison 2018/2019 war, dass bei jetziger Prozedur des Videobeweises ausgerechnet die zahlenden Kunden im Stadion diejenigen sind, die am meisten rätseln, warum genau der Videoassistent zum Einsatz kam und wieso eine Entscheidung revidiert wurde, so untätig blieb man bei diesem Problem. Zwar gibt es schon seit vergangener Saison Text-Einblendungen auf den Videoleinwänden in der Form „Situation: Tor – Überprüfung: Abseits? – Entscheidung: Kein Tor“, aber der Zuschauer sieht nach wie vor keine Wiederholung der Szene auf der Leinwand, so wie es die TV-Zuschauer daheim können. Ferner könnte der Schiedsrichter auf dem Feld über die Stadionmikrofone wie in der US-Footballliga NFL erklären, was entschieden wurde. Doch das passiert auch nicht. Die Angst sei insgesamt zu groß, das Spiel noch länger zu unterbrechen, lautet die Befürchtung. Und so ließ man eben alles beim Alten.

„Alles beim Alten“ gilt in den Augen vieler Fans auch beim Thema strafbares Handspiel. Das Spiel Schalke gegen den FC Bayern allein taugte am Samstagabend dazu, alte Wunden diesbezüglich aufzureißen und den vermaledeiten Interpretationsspielraum ins Zentrum der Kritik zu befördern. „Im Handspielbereich wird sich eins nie ändern: Jeder hat seine eigene Interpretation, was Hand ist und was nicht“, sagte Leverkusens Sport-Geschäftsführer Rudi Völler bei „Sky Sport News HD“. Es gibt zwar neue Regeln, aber der Ärger bleibt derselbe. Ein Schalke-Fan erstattete jetzt sogar Anzeige wegen Betrugs gegen Schiedsrichter Marco Fritz und Videoassistenten Bastian Dankert, weil sie Königsblau Elfmeter verweigert hätten. „Das sind zwei glasklare Elfmeter. Die Handregel wird immer noch völlig unterschiedlich ausgelegt. Und deshalb widersprechen sich die Schiedsrichter auch immer wieder selbst“, sagt Funkel.

Immerhin: Fortunas Coach vermied es, in die Geschichtsbücher einzugehen als der erste Bundesligatrainer, der Gelb sah. Das schaffte Paderborns Steffen Baumgart. Funkel war der zweite und hält auch danach nichts von der Neuerung. „Diese Regelung ist einfach Unfug. Es gab überhaupt keinen Grund dafür. Erfahrene Schiedsrichter sind immer nach draußen gekommen, und haben die Trainer im Gespräch beruhigt“, betont Funkel.

Zumal es ja auch vorher schon die Möglichkeit gab, einen Trainer beim Verlassen seiner Kinderstube auf die Tribüne zu schicken. „Und wie oft ist das in den vergangenen Jahren passiert? Ein- oder zweimal vielleicht“, sagt Funkel. Und nun? Womöglich gibt es bald die ersten Gerüchte, Trainer xy habe sich extra gegen Paderborn die vierte Gelbe Karte geholt, um in zwei Wochen gegen die Bayern wieder auf der Bank sitzen zu dürfen.

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