Uwe Seeler im Interview "Mehr als ein Steak kann man nicht essen"

Hamburg (RPO). Uwe Seeler feiert am Samstag seinen 75. Geburtstag. Im Interview spricht das Fußball-Idol über Werte, ein Millionen-Angebot, den Hamburger SV und seinen Enkel Levin, der auch schon für Deutschland spielt.

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"Herr Seeler, am Samstag feiern Sie Ihren 75. Geburtstag. Wie halten Sie sich fit?"

Uwe Seeler: "Dass man älter wird, weiß man ja vorher. Das ist der Lauf der Dinge. Man muss immer nach vorne schauen, an die frische Luft gehen und nicht im Sessel sitzen und in sich hineinhorchen. Das ist das Verkehrteste, was man machen kann."

"Während Ihrer Karriere haben Sie viel richtig gemacht. Legendär ist Ihre Absage an Inter Mailand 1961. Helenio Herrera, der damalige Trainer, wollte Sie unbedingt."

Seeler: "Das Angebot war sensationell, und Herrera wäre sicher noch höher gegangen. Beim HSV habe ich nur einen Bruchteil von dem verdient, was ich in Mailand bekommen hätte. Aber wer weiß, ob ich glücklich geworden wäre. Mehr als ein Steak am Tag kann man nicht essen. Und wenn ich heute Bilanz ziehe, dann war diese Entscheidung goldrichtig."

"Dieses Nein und Ihr Auftreten abseits des Platzes machten Sie nicht nur in Hamburg zu einem Idol."

Seeler: "Ich bin so, wie ich bin, also ein ganz normaler Mensch. Das ist das Ergebnis meiner Erziehung. Ich komme aus einem einfachen, aber sehr liebevollen Elternhaus, in dem meinen Geschwistern und mir gewisse Werte vermittelt wurden: Immer freundlich sein, immer helfen, bodenständig bleiben. Aber warum hätte ich abheben sollen? Nur weil ich ein bisschen besser kicken konnte? So bin ich nicht erzogen worden. Ich meine: Das Schönste ist, normal zu sein."

"Was geben Sie Ihrem Enkel Levin, der mit 16 Jahren auch schon für Deutschland spielt, mit auf den Weg?"

Seeler: "Er ist ja noch in der Entwicklung und soll erst einmal seine Schule machen. Wichtig ist, dass er Spaß und Freude hat am Fußball. Er kommt gern zu Opa und spricht auch gern mit Opa. Aber wir sollten ihn in Ruhe lassen. Was dann dabei rauskommt, wird man sehen."

"Der HSV könnte einen treffsicheren Stürmer mit dem Seeler-Gen im Moment gut gebrauchen. Machen Sie sich Sorgen um Ihren Klub?"

Seeler: "Es wird ein ganz hartes Jahr. Wir spielen gegen den Abstieg, das muss man ganz klar so sagen. Thorsten Fink weiß, dass er mit der Mannschaft viel arbeiten muss, damit wir da unten rauskommen. Es wird höchste Zeit, dass wir anfangen, Punkte zu sammeln. Ein bisschen Angst ist schon dabei."

"Ist Fink der richtige Mann?"

Seeler: "Er macht einen guten Eindruck und kann der Mannschaft sicher viel vermitteln. Er hat den nötigen Willen und war als Spieler ein ehrlicher Kämpfer. Jetzt sind die Spieler gefragt, das zu übernehmen."

"Sie sind Ehrenspielführer der Nationalmannschaft. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw dürfte Ihnen mehr Freude machen als der HSV."

Seeler: "Mir gefällt die Mannschaft schon sehr, sehr gut. Neuer ist in seinen jungen Jahren ein Ausnahmetorhüter, auch die Hintermannschaft steht gut. Über das Mittelfeld brauche ich nichts zu sagen, Özil und der junge Götze haben unglaubliches Potenzial und Ideen. Wenn man keine Ideengeber mehr hat, wird es langweilig. Entscheidend ist aber, dass Jogi Löw wieder die Möglichkeit hat, sich die Spieler zu holen, die als Mannschaft am besten funktionieren."

(SID/sgo)