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Martin Kind: Urlaub ist für ihn ein Fremdwort

Hannover-Präsident wird 70 : Urlaub ist für Martin Kind ein Fremdwort

Von der Regionalliga in die Europa League – die insgesamt positive Entwicklung bei Hannover 96 ist auch ein Verdienst von Martin Kind. Der Klubpräsident wird am Montag 70 Jahre alt.

Von der Regionalliga in die Europa League — die insgesamt positive Entwicklung bei Hannover 96 ist auch ein Verdienst von Martin Kind. Der Klubpräsident wird am Montag 70 Jahre alt.

Eine große Feier ist am Montag nicht geplant. Und dennoch könnte der 70. Geburtstag von Martin Kind irgendwie eine kleine Zäsur sein. Laufen die Bundesligaspiele am Wochenende im Sinne von Hannover 96, hätten die Niedersachsen schon zu Wochenbeginn auch rein rechnerisch den Klassenerhalt unter Dach und Fach gebracht.

Weniger als der Vereinsboss erwartet hatte, aber genug, um im nächsten Jahr wieder weiter oben anzugreifen: "Man muss immer den Mut haben, hohe Ziele zu definieren. Und unser Ziel bleibt, uns nachhaltig im oberen Tabellendrittel zu entwickeln." Zwei erfolgreiche Spielzeiten in der Europa League sind für ihn der Beweis, dass solche Vorgaben keineswegs utopisch sind.

Aber der Mann, der 1997 beim damaligen Regionalligisten einstieg und ihn seitdem mit einer kurzen Unterbrechung führt, hat schmerzlich lernen müssen, dass fussballspezifische Unabwägbarkeiten im Profigeschäft an der Tagesordnung sind, dass streng unternehmerisches Handeln nicht immer das Mittel der ersten Wahl ist. Und so ist der Klubpräsident, der europaweit in 650 Filialen Hörgeräte verkauft, kein Volkstribun, den die Fans auf den Rängen feiern, aber ein in den Vereinsgremien hochgeschätzter und anerkannter Boss.

Der vitale Macher, offiziell längst im Rentenalter, führt und lenkt dabei durch sein eigenes Vorbild. Bienenfleißig, immer präsent — Frühstücksdirektoren sehen anders aus. "Urlaub ist mir wesensfremd", hat der im niedersächsischen Walsrode geborene Millionär einmal gesagt und damit seine eigene Einstellung zur Arbeit deutlich gemacht.

Kind ist aber auch ein Mann mit zwei Gesichtern. Eisenhart ertrotzte er vor dem Ständigen Schiedsgericht für Lizenzvereine einen Kompromiss zur 50+1-Regel, die es ihm ab 2017 erlaubt, die Anteilsverhältnisse bei Hannover 96 neu zu ordnen. Damit erwarb er sich großen Respekt, geradezu Bewunderung jedoch erntete Kind für sein sensibles Handeln in den Tagen und Wochen nach dem Selbstmord von Nationaltorhüter Robert Enke vor über vier Jahren.

Nicht jeder in der niedersächsischen Landeshauptstadt hatte ihm in dieser heiklen Situation so viel Fingerspitzengefühl zugetraut, selbst ein Macher wie er stieß seinerzeit an Grenzen. "Es gab kein Handbuch für eine solche außergewöhnliche Tragödie. Immer wieder musste man neu entscheiden", erinnert sich Kind.

(sid)