Manfred Manglitz — ein Mundwerk wie Cassius Clay

Ex-Bundesliga-Torwart wird 75: Manfred Manglitz — ein Mundwerk wie Cassius Clay

Mit fast 75 sieht Manfred Manglitz keinen Grund, irgendwie im Zorn auf Vergangenes zu blicken. Dass er lediglich vier Länderspiele in der Fußball-Nationalmannschaft bestritt - ihn schert es nachträglich kaum, "denn ich hatte seinerzeit in Hans Tilkowski und Fritz Ewert Konkurrenz im Tor, an der ich einfach nicht vorbeikam".

Dennoch war Manglitz, der an diesem Sonntag 75 Jahre alt wird, einer der Großen seiner Zeit - 257 Bundesligaspiele für den Meidericher SV, dessen Nachfolgeorganisation MSV Duisburg und zuletzt für den 1. FC Köln sind auch heute noch eine hervorragende Bilanz. 1970 gehörte er zum deutschen WM-Kader, der in Mexiko Dritter wurde.

Manglitz lebt seit vielen Jahren in Spanien, ist zwischen Benidorm und Alicante beheimatet, lebt gut dort, auch wenn er das eine oder andere "Zipperlein" hat, wie er seine Bypass-Operation ("Das ist alles gut verlaufen, ich habe hier tolle Ärzte") dezent verharmlost. Der Doktor habe ihm Spaziergänge verordnet, die er auch brav hinter sich bringt: "Das Wetter hier ist meistens so gut, dass es Spaß macht."

Spaß haben - das war und ist für den gebürtigen Kölner auch eine Art Lebensmaxime, die ihm seinen Kosenamen "Cassius" einbrachte. Als er 1963 zum Meidericher SV kam, fiel er mit seinen lockeren Sprüchen auf: "Und dann sagte einer zu mir, ich sei ja mit meinem Mundwerk wie Cassius Clay." Und weil Box-Star Clay ("The Greatest"), der sich später Muhammad Ali nannte, für Manglitz einer der Topstars der Sportwelt überhaupt war, "ist das für mich noch immer eine Ehre, Cassius genannt worden zu sein".

Es gibt indes auch ein düsteres Kapitel im Fußballerleben von Manfred Manglitz: den Bundesligaskandal von 1971. Wegen Bestechlichkeit wurde er vom DFB zunächst lebenslang gesperrt, später aber begnadigt, um für den 1. FC Mülheim-Styrum noch einmal in der Zweitklassigkeit sein Glück zu versuchen.

Manglitz geht offen mit diesem Lebensabschnitt um. Und sagt ganz locker: "Am liebsten hätten sie mir beim DFB damals noch die Finger abgeschnitten" - so erinnert sich Manglitz an die Untersuchungen durch den einstigen DFB-"Chefankläger" Hans Kindermann und die spätere Strafe zurück.

Manglitz erinnert sich noch gut an das Erstligaspiel seines 1. FC Köln gegen die Offenbacher Kickers vom 5. Juni 1971. Um sich von irgendwelchen Verdächtigungen freimachen zu können, habe er den damaligen FC-Trainer Ernst Ocwirk gebeten, ihn gegen die Hessen nicht aufzustellen. Er wurde dann beim 4:2-Erfolg des FC von Milutin Soskic vertreten - die Kickers stiegen ab, der Skandal nahm durch die Tonbandaufzeichnungen des Offenbacher Vereinspräsidenten Horst-Gregorio Canellas an dessen 50. Geburtstag (6. Juni 1971)
seinen Lauf.

Manglitz will sich auch heute nicht dafür verteidigen, dass er eindeutige Angebote von den damals abstiegsbedrohten Vereinen bekam. "Ich habe nicht ein einziges Mal schlecht gespielt", betont er dennoch. Soll heißen: Man "hat Schuldige gesucht" und auch in ihm gefunden; Manglitz musste büßen. "Stellen Sie sich vor: Ich war damals Bundesliga-Rekordspieler - und dann diese lebenslange Sperre." Das indes ist Vergangenheit; heute will "Cassius" Manglitz einfach nur das Leben genießen.

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(dpa)
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