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Lockerungsdebatte in der Corona-Krise erfasst auch den Fußball: Bundesliga soll wieder vor Zuschauern spielen

Lockerungsdebatte in der Corona-Krise : Zur neuen Saison sollen Zuschauer wieder möglich sein

Die Lockerungsdebatte in der Corona-Krise erfasst auch den Fußball. Der Bundesinnenminister hält Spiele vor Publikum in der neuen Saison wieder für denkbar. Die DFL mahnt zur Geschlossenheit. Im Hintergrund werden bereits an Szenarien für die neue Saison gearbeitet.

Zu Beginn dieser Woche haben die 36 Klubs aus der 1. und 2. Liga Post aus Frankfurt bekommen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat in dem Schreiben skizziert, wie sie sich die nächsten Schritte auf dem Weg zu wieder mehr Normalität vorstellt. Der „Kicker“ hatte zuerst darüber berichtet. Liga-Chef Christian Seifert bat die Vereine, „keine konkreten Zahlen oder Zeitpunkte ungeprüft in den Raum zu stellen“. Er befürchte, dass dies erneut eine Debatte über die Sonderrolle des Fußballs in der Corona-Krise auslösen könnte. Dementsprechend ergebnislos blieben Anfragen unserer Redaktion bei Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen.

Fortuna Düsseldorfs Vorstandsvorsitzender Thomas Röttgermann äußerte sich zumindest vorsichtig zur Sache. „Da wir wahrscheinlich erst Mitte September mit der neuen Saison beginnen werden, halte ich es für möglich, dass wir schon die ersten Spiele mit Zuschauern spielen könnten“, sagte er. „Das hängt natürlich stark von der Entwicklung der Virusverbreitung ab.“

Die Politik hatte Signale ausgesendet, dass zur neuen Saison Zuschauer wieder möglich wären. Fraglich ist allerdings noch, in welchem Umfang. Stehplätze würde es nach jetzigem Stand wohl eher nicht geben, doch was geschieht mit Dauerkarteninhabern, wenn nicht alle Zugang bekämen? Hinter den Kulissen wird über solche Fragestellungen an einigen Bundesliga-Standorten derzeit eifrig beraten. Oliver Kahn, Vorstandsmitglied von Rekordmeister Bayern München, hatte unlängst orakelt, „10.000 bis 11.000“ mögliche Zuschauer könnten in der Allianz Arena Platz finden, sollte es zur Öffnung kommen. Teile der organisierten Fanszene halten von solchen Planspielen überhaupt nichts und propagieren: „Alle oder keiner“. Das Fanprojekt Mönchengladbach ist dagegen offen auch für eine schrittweise Öffnung der Stadien.

Zuletzt hatte sich auch Rudi Völler für eine Teil-Öffnung zur neuen Saison ausgesprochen. „Wir müssen schauen“, sagte der Sport-Geschäftsführer Bayer Leverkusen, „was dann eben geht. Klar ist: Die Gesundheit aller steht an oberster Stelle.“ Rückendeckung gibt es von der Politik. „Ich habe schon die Zuversicht im Herzen, dass wir in der neuen Saison nach und nach wieder Publikum zulassen können“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in einem „Funke“-Interview. „Nicht sofort, nicht wie vor dem Corona-Ausbruch, aber mit reduzierten Zuschauerzahlen und so, dass die Abstände zwischen den Stadionbesuchern eingehalten werden.“ Der 70-Jährige macht dem Profifußball und seinen Fans Mut: „Wir werden hier – wie in anderen Bereichen auch – kluge Lösungen finden, bei denen wir Lebensfreude und Infektionsschutz miteinander vereinen.“

Champions-League-Aspirant Borussia Mönchengladbach wird sich auch auf verschiedene Szenarien vorbereiten, um diese dann im Bedarfsfall entsprechend umsetzen zu können, davon ist auszugehen. Die Borussen haben ja grundsätzlich durch das Derby am 11. März schon Erfahrung mit einem Geisterspiel im größeren Rahmen. Damals waren rund 700 Personen im Borussia-Park. An anderer Stelle hat Borussia im Geisterspiel-Segment Maßstäbe gesetzt. Die Papp-Fan-Aktion des Klubs hat nicht nur ein weltweites mediales Echo gehabt, nun gibt es auch einige Nachahmer: Nach der Talksendung „Doppelpass" (Sport 1) und dem italienischen Tabellenführer Lazio Rom hat auch der englische Premier-League-Klub Brighton & Hove Albion eine Aktion mit Fan-Doppelgängern gestartet. In Gladbach wird es beim nächsten Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg am Dienstag 21.000 dieser Figuren geben.