Keine Luft im Abstiegskampf: Lautern undiszipliniert — Augsburg fahrlässig

Keine Luft im Abstiegskampf : Lautern undiszipliniert — Augsburg fahrlässig

Im Kellerduell der Fußball-Bundesliga haben sich der FC Augsburg und der 1. FC Kaiserslautern 2:2 (1:1) getrennt. Keine der beiden Mannschaften konnte sich mit diesem Punkt im Abstiegskampf Luft verschaffen.

Grund zum Ärger hatte es eigentlich genug gegeben. Dem 1. FC Kaiserslautern wurde ein klarer Elfmeter verweigert, der FC Augsburg ließ eine Menge Chancen liegen. Beide verpassten mit dem 2:2 (1:1) im Kellerduell einen Befreiungsschlag im Abstiegskampf. Aber weder FCK-Trainer Marco Kurz noch Augsburgs Coach Jos Luhukay verloren die Beherrschung. Gleichwohl fanden die Trainer auch in ruhigem Ton klare Worte.

"Wir müssen die Dinge, die ich vorgebe, disziplinierter einhalten, um den Klassenerhalt zu erreichen. Aber es ist ein Unentschieden, mit dem wir leben können", sagte Kurz. Seine Mannschaft hatte mehrfach in der Defensive gepatzt und Glück, nur mit zwei Gegentreffern davongekommen zu sein.

"Nicht präsent genug"

Luhukay hob zwei Aspekte besonders hervor. "Wir waren nicht präsent genug bei den Standards und müssen vor dem Tor zulegen", sagte der Niederländer. Jeweils nach Freistößen hatte seine Elf geschlafen und vorn wurde der Sieg verschenkt.

Abgeregt hatte Kurz sich wohl schon nach dem Schlusspfiff, als er am Mittelkreis eindringlich auf seine Spieler einredete. Ansatzpunkte gab es reichlich. Seinen vorzeitigen Verweis auf die Tribüne nach knapp einer Stunde wegen eines verbalen Stolperers nach einem nicht geahndeten Foul ("Das ist Blödsinn"E) beispielsweise. "Vielleicht packe ich meine Worte künftig besser in Watte", sagte Kurz später.

Gesprächsbedarf bei den Pfälzern lieferte auch die letzte Szene der Begegnung, als Lauterns Nicolai Jörgensen im Strafraum klar von Daniel Brinkmann gelegt wurde und Schiedsrichter Manuel Gräfe nicht reagierte. "Es gibt keinen Grund, dass sich ein Spieler da fallen lässt, aber wir akzeptieren das", sagte er. Auch Kapitän Christian Tiffert blieb ruhig. "Ich glaube, es hat jeder gesehen. Mehr muss ich nicht sagen."

Die Gelassenheit war im Spielverlauf begründet, denn Augsburg hatte insgesamt vier Großchancen teilweise fahrlässig ausgelassen. Besonders Tobias Werner und Sascha Mölders erlangten dabei unrühmliche Beachtung. "Solche Chancen darf man auf diesem Niveau nicht vergeben", sagte Luhukay.

Deswegen waren auch die Schwaben eher genervt von Spielausgang. "Es ist scheiße, dass uns kein Sieg gelungen ist", sagte Marcel De Jong, der das 1:0 in der 5. Minute erzielt hatte. Aber Werner bekannte eben auch: "Es hätte einen Elfmeter geben müssen. Daher müssen wir mit dem Unentschieden zufrieden sein". Nach Lauterns Führung durch den Doppelpack von Florian Dick (25. und 48.) sorgte FCA-Stürmer Stephan Hain (65.) etwa 20 Sekunden nach seiner Einwechslung zumindest noch für den Teilerfolg.

Beide Teams im Abstiegsstrudel

Für beide Klubs bleibt die Situation in der Tabelle aber äußerst prekär. Augsburg hat nach der Niederlage zum Rückrunden-Auftakt beim SC Freiburg wiederum einen "Big point" in einem direkten Duell versäumt und ziert einen Abstiegsrang. Kaiserslautern steht auf dem Relegationsplatz nur unwesentlich besser da, und mit inzwischen fünf Remis in Serie sind große Sprünge unmöglich. Der von FCA-Manager Andreas Rettig ausgerufene "Marathon" im Kampf um den Klassenerhalt dürfte für Schwaben und Pfälzer bis zum letzten Spieltag andauern.

In Augsburg ist man sich bewusst, dass alleine Schulterklopfen für Mut und Einsatzwille nicht ausreichen werden. "Wir brauchen keine Unentschieden, wir brauchen Siege", sagte Luhukay. Dafür wollen sie auch personell noch einmal nachlegen. Vom VfL Bochum soll nach Möglichkeit U21-Nationalspieler Matthias Ostrzolek kommen und die linke Seite verstärken. "Wir haben konkretes Interesse und hoffen, dass es in den nächsten Tagen klappt", erklärte Luhukay.

Auch die Roten Teufel erhoffen sich Impulse von einem Neuzugang. Sandro Wagner, der von Werder Bremen kam und in Augsburg debütierte, soll dem Sturm mehr Durchschlagskraft verleihen. Kurz war mit seinem Auftritt zufrieden, auch wenn Wagner einige Anlaufzeit brauchte. "Er war ein belebendes Element. Für uns wird das ein wichtiger Spieler", sagte er. Je schneller, desto besser.

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(sid)
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