Kritik an Schiedsrichter Tobias Welz nach Sieg von SV Werder Bremen bei FC Union Berlin

„Muss mich leider kaputtlachen“ : Massive Kritik an Schiedsrichter Welz nach Bremens Sieg in Berlin

Die Diskussion um die Schiedsrichter-Leistung hat Werder Bremens Sieg bei Union Berlin überlagert. Für Referee Tobias Welz hagelte es nach einem schwierigen Spiel Kritik von allen Seiten.

Florian Kohfeldt wirkte nach mehr als 90 denkwürdigen Minuten aufgekratzt. Zum Runterkommen musste sich der Trainer von Werder Bremen erstmal einen Schluck Wasser genehmigen und das Hemd durchlüften, bevor er erklären konnte, was in ihm nach dem hart erkämpften 2:1 (1:1)-Sieg seiner Not-Elf bei Union Berlin vorging. Nein, den viel gescholtenen Schiedsrichter Tobias Welz wollte er eigentlich nicht großartig kritisieren. Nur als es um seine Schäfchen ging, war der Coach bissig geworden.

"Da wird ein Spieler von mir drei Meter vor mir in die Bande gerammt", hatte Kohfeldt kurz nach dem Spiel bei Sky gesagt: "Die ganze Bank springt auf und ich kriege dann Gelb. Mit den Worten: Ich gebe dem Spieler jetzt Gelb-Rot, deshalb gebe ich Ihnen Gelb. Da muss ich mich leider kaputtlachen." Gemeint war das Foul an Bremens Neuzugang Leonardo Bittencourt, der in der 89. Minute vom anschließend mit Gelb-Rot vom Platz gestellten Neven Subotic unsanft in die Horizontale befördert worden war.

Die Szene war ein Anzeichen dafür, dass Welz, der wenige Minuten später auch Werder-Profi Nuri Sahin (90+1.) höchst umstritten mit der Ampelkarte des Feldes verwies, die Partie entglitten war. Aber Kohfeldt zeigte auch Verständnis für den Referee, der ein bewegtes Spiel mit drei Elfmetern, mehreren Videobeweisen und zwei Platzverweisen hinter sich hatte.

"Es ist ein sehr hektisches Stadion und es war ein Spiel, das sehr viele strittige Situationen hatte. Ich glaube, wenn er es im Rückblick sieht, wird er sagen, dass er nicht seinen allerersten Tag gehabt hat", sagte Kohfeldt: "Er hat versucht, über gewisse Entscheidungen wieder Ruhe reinzubringen, die es aus meiner Sicht noch mehr angeheizt haben." Und das begann schon sehr früh im Spiel.

Sowohl die Bremer Führung durch Davy Klaassen (5.) als auch den Unioner Ausgleich, den Sebastian Andersson (14.) besorgte, fielen nach Elfmetern, auf die Welz nach eindringlicher Abstimmung mit Videoassistent Bastian Dankert in Köln entschied.

Beim 1:0 von Klaassen hatte Welz gar bereits auf den Punkt gezeigt, schaute sich dann nach Rücksprache mit Dankert aber nochmals die TV-Bilder an, nur um doch bei seiner Entscheidung zu bleiben. Bis zur Ausführung des Strafstoßes dauerte es Minuten. Zu viel für die Betroffenen.

"Der Fußball wird dadurch fairer aus meiner Sicht, aber das heute war eindeutig zu viel Diskussion", sagte Unions Trainer Urs Fischer über den Videobeweis. Kohfeldt schien gar leicht resigniert: "Dass Davy da drei Minuten warten muss auf den Elfmeter, ist nicht optimal, aber das ist nicht anders zu lösen."

Am Ende darf er trotzdem lachen, denn nach einem schwierigen Start in die Spielzeit reichte für den zweiten Bremer Saisonerfolg nacheinander - und das ohne zehn gestandene Spieler, die derzeit verletzt fehlen. Niclas Füllkrug (55.) köpfte eine Ecke im zweiten Durchgang zum Sieg ins Netz. Dem vorausgegangen war unmittelbar vorher ein von Union-Torwart Rafal Gikiewicz parierter Foulelfmeter - selbstredend war auch jener ein Produkt des VAR.

(ako/sid)
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