International schwach: Armutszeugnis für die Bundesliga

International schwach: Armutszeugnis für die Bundesliga

Im Viertelfinale der internationalen Fußball-Wettbewerbe ist Deutschland nur noch mit den ewigen Bayern und dem jungen Unternehmen RB Leipzig vertreten. Borussia Dortmund blamierte sich in Salzburg.

In den europäischen Fußballwettbewerben wird es langsam ernst. Und die Bundesliga, die sich sehr gern zu den besten Ligen der Welt rechnet, ist nur noch mit zwei Vereinen vertreten. Deutschlands Branchenführer Bayern München wird seiner Rolle gerecht, er tritt im Viertelfinale der Champions League gegen den FC Sevilla an. In der Europa League ist vom stolzen deutschen Aufgebot allein der fußballerische Emporkömmling aus Leipzig am Start. Das Werksteam des Red-Bull-Konzerns spielt in der Runde der letzten acht gegen Olympique Marseille.

Diese Zwischenbilanz ist ein Armutszeugnis für die Bundesliga, die zwar Milliarden umsetzt, aber im internationalen Vergleich ins Hintertreffen zu geraten droht. Das allwöchentlich wieder aufgeführte bunte Spektakel in den gut besuchten deutschen Arenen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Qualität der Bundesliga im Sinkflug ist.

Das unterstreicht nicht nur das Abschneiden der deutschen Vereine in dieser europäischen Saison. Auch die Tabelle der Bundesliga spiegelt die immer mehr schwindende Klasse. Die Bayern schöpfen als eines von ganz wenigen Teams ihre, zugegeben luxuriösen, Möglichkeiten weitgehend aus. Aber sie haben nach 26 Spielen bereits 20 Punkte Vorsprung auf jene Teams, für die der Ausdruck Mitbewerber eine absurde Beschönigung wäre. Es ist sogar möglich, dass die Münchner an diesem Wochenende schon deutscher Meister werden. Dazu müssten die "Verfolger" allerdings mitspielen. Dass die Münchner den nächsten Titel feiern werden, ist längst beschlossen.

Hinter ihnen drängt sich ein großes Feld an Mittelmäßigkeit. Kaum eine der Mannschaften auf den Plätzen, die in der nächsten Saison in die europäischen Wettbewerbe führen, hat ihre Anhänger bislang fußballerisch überzeugen können. Sicherheitssysteme mit der inzwischen allgemein praktizierten Fünfer-Abwehrkette, Verhinderungsfußball im Mittelfeld und weitgehende Einfallslosigkeit in den Stilmitteln bestimmen das Bild.

Auch, vielleicht vor allem beim einstigen Bayern-Herausforderer Borussia Dortmund. Der Klub, der 2013 noch im Finale der Champions League den Münchnern nur knapp unterlegen war (1:2 nach einem Tor von Arjen Robben in der letzten Minute) und der in den beiden Jahren davor mit begeisterndem Spiel deutscher Meister wurde, erinnert nur noch in der Farbe der Trikots an schöne Zeiten. Im Achtelfinale der Europa League erreichte der BVB den vorläufigen Tiefpunkt seiner jüngeren internationalen Fußball-Geschichte. Ohne erkennbare Struktur, ohne System, ohne Spaß und vor allem ohne Willen ergab sich die hochalimentierte Sammlung von Großtalenten dem österreichischen Red-Bull-Klub Salzburg.

Dortmund drehte Kringel, wo Geradlinigkeit gefragt gewesen wäre, und Dortmund fand kein spielerisches Mittel gegen eine Mannschaft, die ganz gewiss nicht zu Europas fußballerischem Adel gehört. Der BVB hatte sich mit zwei Pünktchen in der Gruppenphase der Champions League trotzdem noch in die Europa League gemogelt. Seine Bilanz der Europa-Saison: zehn Spiele, ein Sieg. Peinlich.

Wer den Mangel an Konkurrenzfähigkeit der deutschen Vereine in der internationalen Saison sieht, der staunt darüber, dass ausgerechnet Dortmund noch beste Chancen hat, sich für die Champions League zu qualifizieren.

Dazu reicht Rang vier in der Bundesliga, die trotz der beschämenden Bilanz 2017/18 den vierten Rang in der Fünfjahreswertung der Uefa behauptet. Verfolger Frankreich liegt so deutlich zurück, dass die Bundesliga auch weiter von ihren fetten Jahren zehren wird.

Zu denen leisteten die Bayern zuverlässig wesentliche Beiträge. Kein anderer deutscher Klub punktet in den internationalen Wettbewerben so verlässlich. Das sorgt für entsprechend gute finanzielle Verhältnisse in München, die wiederum den Platz an der Sonne auf absehbare Zeit garantieren.

Dass die vermeintliche Konkurrenz in Deutschland nicht mit der Entwicklung der Bayern Schritt halten kann, ist nicht dem Branchenführer anzulasten. Die anderen Bundesligisten müssen intelligente Wege finden, die sie wieder an internationales Niveau heranbringen. Wer sich nur auf positive Vermarktungszahlen und eine gute Auslastung der Stadien verlässt, der wird bald ein ganz böses Erwachen erleben. Vielleicht ist die europäische Saison 2017/18 deshalb der passende Weckruf.

Hier geht es zur Infostrecke: Borussia Dortmund erntet nach EL-Aus Hohn und Spott

(pet)