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Hertha BSC: Bruno Labbadias Aus soll besiegelt sein - Coach erfährt im TV-Interview davon

1:4 gegen Werder Bremen : Labbadia-Aus soll besiegelt sein - Coach erfährt live im TV-Interview davon

Hertha BSC steckt nach dem 1:4 gegen Werder Bremen mitten im Abstiegskampf. Und Trainer Bruno Labbadias Aus als Berlin-Trainer soll schon feststehen. Der Coach wurde mit der Meldung live im TV konfrontiert. Auch Manager Michael Preetz vor dem Aus.

Bruno Labbadia schüttelte den Kopf und vergrub die Hände in den Manteltaschen. Nach dem erneuten Tiefschlag wirkte der Trainer von Hertha BSC wie verloren. Seine Zeit in Berlin läuft ab, nach dem 1:4 (1:2) im seinem vermeintlichen "Endspiel" gegen Werder Bremen droht dem 54-Jährigen das Aus.

"Es ist eine Scheißsituation, ein Scheißgefühl", sagte Labbadia bei Sky: "Natürlich fehlen die Argumente, uns allen. Wenn die Ergebnisse nicht da sind, ist der Trainer in der Kritik. Dass man Hiebe bekommt, ist ganz normal."

Laut „Bild“ soll die Entscheidung gegen Labbadia bereits gefallen sein. „Bitte, ich stehe hier im Stadion unmittelbar nach dem Spiel. Wir haben in der Kabine zusammengesessen und haben nicht über irgendwelche Entscheidungen diskutiert. Insofern kann ich das nicht bestätigen“, sagte Manager Michael Preetz dem ZDF, fügte aber an: "Das ist ein extrem bitterer Abend für uns alle." Der Coach selbst wollte sich zu seiner Zukunft in Berlin nicht äußern: "Man wird zum Wohle des Vereins entscheiden."Hertha muss inzwischen ernsthaft den Abstieg fürchten. Der Kredit für Labbadia, der die Berliner vor einem Jahr in einer schwierigen Lage zum Klassenerhalt geführt hatte, könnte deshalb aufgebraucht sein.

Neben Trainer Labbadia steht aber auch der Manager selbst vor dem Aus. Wie die „Bild“ weiter berichtet sollen beide schon im kommenden Bundesligaspiel bei Eintracht Frankfurt nicht mehr in der Verantwortung stehen werden, nur der Zeitpunkt der Verkündung sei noch offen.

Preetz ist seit 25 Jahren im Verein, erst als Spieler, der als Assistent von Dieter Hoeneß und schließlich als Geschäftsführer Sport. Unter der Leitung des Rekord-Torjägers erlebte der Klub zwei Ab- und zwei Aufstiege.

In einem hektischen und kampfbetonten Spiel erzielte der Ex-Herthaner Davie Selke für Werder mit einem verwandelten Foulelfmeter das 1:0 (10.). Zehn Minuten später bekam auch Hertha einen zweifelhaften Strafstoß zugesprochen, doch der angeblich gefoulte Matheus Cunha vergab kläglich. Verteidiger Ömer Toprak besorgte nach einer Ecke per Kopf das 2:0 (29.) für die Gäste. Jhon Cordoba gelang zwar noch der 1:2-Anschlusstreffer (45.+2) für Hertha, doch Leonardo Bittencourt sorgte mit dem 3:1 (57.) wieder für klare Verhältnisse. Josh Sargent (77.) erhöhte in der Schlussphase. "Wir waren sehr effektiv", meinte Bremens Maximilian Eggestein.

Vor dem Anpfiff hatten rund 250 Menschen auf einer bei der Polizei angemeldeten Demonstration den Rücktritt von Preetz und dessen großen Fürsprecher, Präsident Werner Gegenbauer, gefordert. "Das ist kein schöner Moment, das kann sich jeder vorstellen", sagte Preetz, "aber ich kann völlig nachvollziehen, dass unsere Fans enttäuscht sind."

Labbadia ging bei der Aufstellung ein Risiko ein. Der Hertha-Coach verhalf dem erst 17 Jahre alten Linksverteidiger Luca Netz zum Startelf-Debüt, dafür strich er Angreifer Dodi Lukebakio aus sportlichen Gründen aus dem Kader. "Manchmal geht es darum, aufzuwecken und keine Angst zu haben, solche Dinge zu machen", begründete Labbadia.

Hertha brachte sich jedoch erneut selbst in Schwierigkeiten. Maximilian Mittelstädt grätschte völlig unnötig im eigenen Strafraum und traf Romano Schmid klar am Fuß - Elfmeter. Selke verwandelte mit einem sehenswerten Schuss in den Winkel und feierte das Tor gegen seine ehemaligen Teamkollegen ausgelassen. Der Stürmer musste jedoch offenbar am Oberschenkel verletzt bereits nach einer halben Stunde ausgewechselt werden.

Nach Cunhas vergebenen Strafstoß rannten die Berliner das Bremer Tor an - doch auch den zweiten Treffer schossen die Gäste nach einer Ecke. Die Berliner antworteten mit wütenden Angriffen und wurden in der Nachspielzeit der ersten Hälfte mit dem Anschluss durch Cordoba, der den Ball nach einer Flanke von Peter Pekarik wuchtig in die Maschen köpfte, belohnt.

Auch nach dem Seitenwechsel setzten die Berliner angetrieben vom nimmermüden Cunha die Bremer stark unter Druck. Werder kam nur noch selten zu Entlastungsangriffen und musste in der 51. Minute den Ausfall des bis dahin so sicheren Abwehrchefs Toprak verkraften. Bremen verunsicherte das aber nicht, das Tor zum 3:1 war zudem sehenswert herausgespielt.

(eh/dpa/sid)