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Heiko Herrlich: Verbale Attacke gegen Schiedsrichter Winkmann nach FC Augsburg gegen 1. FC Köln

Verbale Attacke gegen Schiedsrichter Winkmann : Herrlich hat nichts dazugelernt

Heiko Herrlich hat es als Skandal bezeichnet, dass der DFB Guido Winkmann als Videoschiedsrichter bei der Partie FC Augsburg gegen den 1. FC Köln eingesetzt hat. Als Grund nannte er die räumliche Nähe zwischen dem Wohnort des Unparteiischen und der Domstadt.

Heiko Herrlich hatte mal wieder erhöhten Redebedarf. Nach dem 1:1 zwischen dem FC Augsburg und dem 1. FC Köln polterte er massiv gegen den Videoschiedsrichter. Der Trainer der Schwaben wähnte seine Mannschaft ungerecht behandelt und bezeichnet einen verweigerten Foulelfmeter als Skandal. Als Schuldigen hat er Guido Winkmann ausgemacht. Der VAR im Kölner Keller hätte, so Herrlich, unbedingt eingreifen müssen. „Für mich unverständlich, was er da gesehen hat. Dann können wir aufhören mit Videokeller. Das ist ein Skandal. Das kann nicht sein. Es geht hier um den Klassenerhalt und da sitzt einer, der 30 Kilometer weg von Köln lebt", wütete der 48-Jährige.

Der Reihe nach. Rein fachlich gesehen gibt es durchaus gute Argumente, die für einen Elfmeter gesprochen hätten. Noah Joel Sarenren Bazee kam im Strafraum zu Fall – nach Zweikampf und Kontakt mit Rafael Czichos und Ismail Jakobs. Referee Benjamin Cortus ließ zunächst weiterspielen, im Austausch mit Winkmann sah er anscheinend keine Grund, sich selbst noch einmal die Szene anzusehen. Diese Bewertung des Gespanns war unglücklich, allerdings auch keine krasse Fehlentscheidung, jedenfalls weit weg von einem Skandal.

Für den eigentlichen Eklat hat nämlich Herrlich gesorgt mit der unverschämten Unterstellung, dass eine Parteilichkeit vorliegen könne. Geografisch gibt es für Herrlich indes durchaus noch Luft nach oben. Denn Winkmanns Wohnort Kerken westlich von Duisburg liegt knapp 90 Kilometer von Köln entfernt, sein Heimatverein SV Nütterden, für den er pfeift, sogar knapp 120. Es ist keine Seltenheit, dass Schiedsrichter aus NRW für Partien von Vereinen aus dem gleichen Bundesland eingesetzt werden. Maßgeblich ist normalerweise, dass es nicht der gleiche Verband ist. Winkmann ist Mitglied im Fußballverband Niederrhein, der 1. FC Köln liegt im Fußballverband Mittelrhein. Das ist aber eher zweitrangig und während der Corona-Pandemie aufgehoben worden. Einziges Ausschlusskriterium aktuell: man wird nicht in seiner Heimatstadt (Wohnort) eingesetzt.

Es ist fatal, wenn sich ein Trainer, zugegeben aufgewühlt von Emotionen direkt nach dem Spiel, zu derartigen Unterstellungen hinreißen lässt. Schiedsrichter sind qua Amt darum bemüht, immer die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Der DFB hätte gut daran getan, gegen die Aussagen von Herrlich vorzugehen. Man entschied sich aber dafür, von einem Ermittlungsverfahren gegen den 48-Jährigen abzusehen. Eine Fehlentscheidung: Es kann nicht sein, dass solche halbgaren Unterstellungen ungestraft getroffen werden dürfen.

Herrlich hat zudem schon ein imposante Liste an Verfehlungen angehäuft. Erst unlängst hatte er sich selbst aus dem Verkehr gezogen, nach dem er bereitwillig von einem Fehltritt erzählt hatte. Weil er Zahnpasta und Hautcreme benötigte vor der Partie gegen den VfL Wolfsburg, verstieß er gegen Quarantäne-Regeln der DFL und leistete anschließend Abbitte. „Ich habe einen Fehler gemacht, indem ich das Hotel verlassen habe. Auch wenn ich mich sowohl beim Verlassen des Hotels als auch sonst immer an alle Hygienemaßnahmen gehalten habe, kann ich dies nicht ungeschehen machen.“

In Mönchengladbach leistete er sich als Trainer von Bayer Leverkusen vor zwei Jahren einen Schwächeanfall. Beim 1:0 Auswärtssieg seiner Elf ließ sich der 46-Jährige nach einem vermeintlichen Schubser des VfL-Spielers Denis Zakaria theatralisch zu Boden fallen. Das Sportgericht des Deutschen-Fußball-Bundes forderte den Fußballehrer zu einer Stellungnahme auf. „Das sah sicher blöd aus und dafür möchte ich mich entschuldigen", erklärte Herrlich. „Der Ball kommt auf mich zu und ich habe ihn durch meine Beine gehen lassen, damit Gladbach nicht schnell einwerfen kann." Die Aktion sei im Affekt passiert und "Blödsinn" gewesen, gab Herrlich zu. Er wäre von Zakaria leicht touchiert worden, habe das Gleichgewicht verloren und sei dann auch noch weggerutscht. „Ich bin aber direkt wieder aufgestanden und habe mich entschuldigt, weil ich keine Rote Karte provozieren wollte", beteuerte er.

Vielleicht täte Herrlich gut daran, sich mehr Gedanken über sein Verhalten zu machen und nicht andere ins Visier zu nehmen. In jedem Fall ist eine Entschuldigung bei Winkmann fällig. Den Heimatort des Unparteiischen kennt er ja.