Hamburger SV: Trainerwechsel verpufft - Krawalle nach 1:2 gegen Hertha BSC

Beim HSV gehen die Lichter aus: Trainerwechsel verpufft - Krawalle in Hamburg nach Pleite

Kaum noch Hoffnung nach vollem Risiko: Der HSV taumelt auch unter Neu-Trainer Christian Titz weiter dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte entgegen.

Beim Bundesliga-Debüt des dritten Trainers in dieser Saison verlor der Tabellenvorletzte zu Hause gegen Hertha BSC aufgrund einer fahrigen zweiten Hälfte verdient mit 1:2 (1:0).

Damit vergaben die Norddeutschen wohl auch die allerletzte Chance auf ein Wunder im Kampf um den Klassenerhalt. Douglas Santos (25.) hatte den HSV gegen die zuletzt so formschwachen Berliner zunächst in Führung gebracht, in der zweiten Hälfte brachen die Gastgeber aber ein. Valentino Lazaro (56.) und der eingewechselte Salomon Kalou (63.) drehten die Partie für die Hertha innerhalb von nicht einmal zehn Minuten.

Nach nun sage und schreibe 14 Spielen ohne Sieg hat der abgestürzte Traditionsklub aus Hamburg weiter sieben Punkte Rückstand auf den Relegationsrang, am Sonntag drohen die Hanseaten sogar die Rote Laterne der Liga zu übernehmen.

Nach dem Spiel kam es zu Ausschreitungen. Der Pay-TV-Sender Sky zeigte Bilder von Auseinandersetzungen von HSV-Problemfans mit der Polizei, die Ordnungshüter mussten Schlagstöcke einsetzen. Offenbar wollten die Anhänger in den Kabinentrakt gelangen. Am Samstagabend twitterte die Polizei, dass sich die Lage am Volksparkstadion wieder beruhigt habe.

Und während der HSV seine Planungen für den Wiederaufbau im Unterhaus intensivieren kann, atmen die Berliner etwas auf. Das Team von Pal Dardai hat nach vier Spielen wieder gewonnen und die europäischen Plätze immerhin wieder im Blickfeld.

Titz, der nach den gescheiterten Markus Gisdol und Bernd Hollerbach jetzt den HSV irgendwie in der Bundesliga halten soll, hatte die Partie als "Riesenchance" bezeichnet und krempelte die Hamburger nach einer intensiven Trainingswoche ordentlich um. Vor 52.195 Zuschauern brachte er im Vergleich zum 0:6 gegen Bayern München gleich fünf Neue.

Unter anderem kehrte U21-Europameister Julian Pollersbeck zurück ins Tor, im Angriff vertraute Titz Supertalent Jann-Fiete Arp. Auch der Kapitän der Regionalliga-Mannschaft, Matti Steinmann, erhielt eine Chance.

Der bisherige Abwehrchef Kyriakos Papadopoulos saß zunächst nur auf der Bank. Und so war die HSV-Startelf mit 23 Jahren und 359 Tagen so jung wie zuletzt am 5. Januar 1974.

Die Unsicherheit war dem neuformierten Team noch deutlich anzumerken, doch ebenso war ein anderer Wille auf dem Platz zu spüren. Der HSV suchte im Spiel nach vorne spielerische Lösungen. Zwingende Torchancen waren aber trotzdem zunächst Mangelware. Die Hertha wartetet erst einmal ab und studierte den neuen HSV, kam mit der Zeit aber besser ins Spiel.

Die Gäste hatten dann auch die erste gute Möglichkeit, doch Pollersbeck parierte den Schuss von Vladimir Darida (18.) aus kurzer Distanz mit einem überragenden Reflex. Als die Hertha danach immer besser wurde, stach der HSV zu. Filip Kostic bediente den startenden Santos, der Brasilianer behielt alleine vor dem Tor die Nerven und schob Rune Jarstein den Ball durch die Beine zum Führungstreffer. Wiederum Pollersbeck rettet dem HSV gegen Ibisevic (39.) die Halbzeitführung.

Nach der Pause erhöhten die Berliner noch einmal den Druck und drängten entschlossener nach vorne, der HSV hatte Mühe sich zu befreien. Der Treffer von Lazaro, der eine gut getimte Flanke von Nationalspieler Marvin Plattenhardt über die Linie drückte, hatte sich zuvor angedeutet. Kalou stellte mit seinem ersten Ballkontakt aus kurzer Distanz auf 2:1 aus Sicht der Hertha.

Hier geht es zur Bilderstrecke: HSV - Hertha: Bilder des Spiels

(sid)
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