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Im Mittelfeld wird es eng: Gnadenloser Konkurrenzkampf beim FC Bayern

Im Mittelfeld wird es eng : Gnadenloser Konkurrenzkampf beim FC Bayern

Mit dem Zugang von Javier Martinez ist der Kampf um die Plätze beim FC Bayern noch gnadenloser geworden. Vor allem im Mittelfeld herrscht ein Überangebot beim Rekordmeister.

Martinez war noch nicht da, als sich Trainer Jupp Heynckes in der vergangenen Woche öffentlich Gedanken über die künftige Besetzung des Mittelfeldes von Bayern München machte. Der Coach nannte Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos und Luiz Gustavo, auch David Alaba und Emre Can könnten auf der Doppel-Sechs spielen. Der Name Anatoli Timoschtschuk fiel nicht.

Das war wohl kein böser Wille, Heynckes hatte Timoschtschuk nicht vergessen. Nur einen Tag später wechselte er ihn beim 3:0 in Fürth sogar ein. Doch es machte deutlich: Angesichts des Überangebots im defensiven Bayern-Mittelfeld verliert selbst der Trainer schonmal den Überblick. Und jetzt ist da ja auch noch der 40-Millionen-Mann Martinez. "Wir haben fünf Spieler für zwei Positionen...", sagt Luiz Gustavo. Gefallen kann es ihm nicht, er wird seinen Stammplatz wohl an Martinez verlieren, sobald dieser einsatzbereit ist.

Martinez im Mittelfeld

Heynckes betonte am Donnerstag bei Martinez' Vorstellung, dass er den verschärften Konkurrenzkampf für "befruchtend für den Klub und die Mannschaft" halte. "Das ist leistungsstimulierend und einfach notwendig, wenn wir auf allen Hochzeiten tanzen wollen", sagte er. Nur: Es darf halt nicht immer jeder aufs Parkett. Martinez, das ist klar, wird vor der Viererkette eingesetzt werden, obwohl er auch im Abwehrzentrum spielen könnte. "Er wird im defensiven Mittelfeld sehr wertvoll für uns werden", sagte Heynckes.

Neben Martinez baut Heynckes auf Schweinsteiger. Auffällig oft hebt er die Qualitäten des Nationalspielers hervor, den er auf einer Stufe mit früheren Größen wie Lothar Matthäus oder Stefan Effenberg sieht. Der Martinez-Transfer, betonte Heynckes, bedeute "für Bastian speziell überhaupt nichts". Für Kroos dagegen schon. Von dem wünscht sich Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge "mehr Effizienz", Heynckes "mehr Torgefährlichkeit". Beides könnte Kroos als "Zehner" leisten - anstelle von Thomas Müller. Der müsste dann auf einen der Flügel, wo Franck Ribery und Arjen Robben gesetzt sind. Oder auf die Bank.

Müller hatte im Sommer mit einem Vereinswechsel kokettiert, will aber nun doch seine Chance in München suchen. Martinez-"Opfer" Luiz Gustavo betonte, Konkurrenzkampf sei für ihn nichts Neues, er fände es sogar "gut mit so viel Konkurrenz". Verkaufen wollen die Bayern ihn ohnehin nicht, wie Sportvorstand Matthias Sammer betonte. Der Martinez-Transfer sei nicht als Misstrauensvotum gegen Gustavo zu verstehen, stellte Heynckes kürzlich klar. "Ich schätze ihn sehr."

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Diplomat Heynckes

Heynckes' wohl wichtigste Rolle in den kommenden Monaten wird die des Moderators und Diplomaten sein. All die Egos im Kader der Bayern wollen gestreichelt werden. Schon jetzt sei der Kampf um die Plätze gnadenlos, sagte Torwart Manuel Neuer am Freitag: "Jeder muss sich tagtäglich beweisen, es geht sehr laut zu." Und die Situation wird sich noch verschärfen, wenn Heynckes die Verletzten, allen voran Mario Gomez, wieder zur Verfügung stehen.

Martinez, das hat er noch vor seinen beiden ersten Einheiten mit den neuen Kollegen im Münchner Regen am Freitag betont, wird nicht freiwillig zurückstecken. "Ich brenne darauf, dass es losgeht. Ich stehe dem Trainer zur Verfügung, möchte so schnell wie möglich zum Erfolg der Mannschaft beitragen", sagte er.

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(sid)