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Borussia Mönchengladbach: Gladbachs Höhenflug hält an

Borussia Mönchengladbach : Gladbachs Höhenflug hält an

Die niederrheinische Borussia feiert eine große Saison. Nach dem 0:0 gegen Augsburg steht sie in den Qualifikationsspielen für die Champions League. Die Bodenhaftung verliert der Klub nicht. "Viele haben vergessen, wo wir vor 14 Monaten waren, ich nicht", sagt Trainer Lucien Favre.

Das 0:0 gegen Augsburg war seit Stunden vorüber, als Borussia Mönchengladbachs Fans bei ihrer Party am Stadion ein letztes Mal ihr neues Lieblingslied anstimmten: "Europapokal, Europapokal." Dass das uninspirierte Treiben gegen den Aufsteiger nicht reichte, um bis zum letzten Spieltag mit Schalke um den dritten Rang zu streiten, interessierte da niemanden. Borussia hat den vierten Rang gewonnen. Vor einem Jahr mussten die Gladbacher in die Relegation gegen den Abstieg in die Zweite Liga, jetzt haben sie sich für die Qualifikation zur Champions League qualifiziert. Ein verblüffender Aufstieg.

Das 0:0 war ein Spiel ohne Gewinner, aber mit zwei Siegern. Beide Fan-Lager waren geeint in der Freude über die Kölner Niederlage in Freiburg. Und Augsburg, vor der Saison als sicherer Absteiger definiert, buchte mit dem einen Punkt das zweite Jahr in der Bundesliga. Eine großartige Leistung sei das, fand Borussias Trainer Lucien Favre. Sein Kollege Jos Luhukay, früher selbst Gladbach-Coach, fand es umgekehrt "toll, was Borussia in dieser Saison geleistet hat". Der Tag war gemacht für gegenseitige Komplimente.

Mike Hanke, Borussias Stürmer, vermutete indes nach dem Abpfiff, dass er wohl "erst nach ein, zwei Tagen" die ganze Dimension der wundersamen Geschichte dieser Saison begreifen werde. "Wir haben eine enorm gute Saison gespielt und sind froh über das, was wir erreicht haben. Aber jetzt, nach dem Spiel, fällt es schwer sich darüber zu freuen, denn wir wollten unbedingt gewinnen", sagte Hanke.

Dass Favre ein wenig die Spaßbremse in der Feierlaune war, weil er erst mal in der Kabine verschwand, als die Fans nach ihm riefen, war ein seltsamer Randaspekt. Borussias Darbietung hatte ihm nicht gefallen. Doch "mit den 57 Punkten, die wir haben, bin ich zufrieden", sagte Favre. "Das ist ein Wunder", fügte er an. Und stellte klar: "Die drei, die in der Tabelle über uns stehen, sind besser als wir. Punkt."

Borussia sei, findet Sportdirektor Max Eberl, die positive Überraschung der Saison. Tatsächlich hat die Mannschaft Großartiges geleistet. 24 Gegentore gab es bislang, die Defensivarbeit ist die Basis für die Renaissance Borussias, die ihr nach 16 Jahren wieder einen Platz im Europapokal beschert. Favre fürchtet indes, dass die Nebenwirkungen problematisch sein könnten. "Viele sind krank, ich bin gesund", sagte er und meinte jene, die Platz vier als Verlust von Rang drei ansehen und diese Saison als Maßstab für die nächste Spielzeit ansetzen. "Viele haben vergessen, wo wir vor 14 Monaten waren, ich nicht."

Der Trainer weiß, dass die Saison nach dem Erfolg schwer wird, das hat er in Berlin schmerzlich erfahren. Er verliert in Marco Reus, Roman Neustädter und Dante drei zentrale Spieler — und zögert bei der Suche möglicher Nachfolger. Mit dem Team sieht er sich in der "dritten Etappe": Die erste: Stabilisierung der Defensive. Abgehakt. Der zweite: mehr Chancen erspielen. Gelungen. Die dritte Etappe war, mehr Ballbesitz und viele Torchancen zu haben. "Das ist nur zum Teil gelungen. Wir hatten im Schnitt 65 Prozent Ballbesitz, das ist gut. Aber wir haben oft zu wenig Lücken gefunden", sagte Favre. Das Augsburg-Spiel taugte als Beispiel. Trotzdem beteuerte der Schweizer: "Mehr als das, was wir jetzt erreicht haben, ist nicht möglich."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gladbach - Augsburg: Einzelkritik

(RP/can)