Fußball-Bundesliga träumt von neuen Milliarden durch Amazon, Netflix oder Google

Entdecken Amazon und Netflix die Bundesliga? : Deutscher Profifußball träumt von neuen Dimensionen der Vermarktung

Weltfirmen wie Amazon, Google oder Netflix könnten mit neuen Milliarden die Vermarktung des Fußballs revolutionieren. Schon lange vor der nächsten TV-Rechtevergabe streiten die Profiklubs erbittert um Einnahmen, die es noch gar nicht gibt.

Jeff Bezos weiß nun immerhin, mit wem er mögliche Milliardendeals aushandeln kann. Wenn der Amazon-Gründer anruft, werden der künftige DFB-Präsident Fritz Keller und der neue DFL-Regent Christian Seifert sicher abnehmen. Doch nicht nur der reichste Mensch der Welt darf sich beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) melden. Auch die Bosse von Apple, Comcast, Disney, Google oder Netflix können gerne mit Geldscheinen wedeln - findet jedenfalls Uli Hoeneß.

"Wenn die den Fußball für sich entdecken, werden wir noch über ganz andere Beträge reden", sagte der Präsident von Branchenführer Bayern München zuletzt. Bei diesen Unternehmen spiele "eine halbe Milliarde, eine Milliarde keine Rolle. Dann könnten wir Dimensionen erreichen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können."

Mit letzterer Einschätzung liegt Hoeneß allerdings falsch. Die Chefs der Profiklubs können sich sehr wohl vorstellen, was bei der für Mai 2020 geplanten Vergabe der Medienrechte ab der Saison 2021/22 möglich sein könnte. Nur deshalb haben sie sich bei ihrer Versammlung am Mittwoch in Berlin mächtig in die Haare bekommen. Jeder will ein besonders großes Stück vom Kuchen abhaben. Von der Angst vor dem Platzen der Blase oder dem angewiderten Abwenden der Fans spricht derzeit kaum jemand - die Gier regiert (wieder einmal) im deutschen Profifußball.

Karl-Heinz Rummenigge macht nicht einmal einen Hehl daraus. "Im Prinzip ging es eigentlich immer nur ums Geld", sagte der Münchner Vorstandsboss mit Blick auf die Verteilung der TV-Einnahmen. Derzeit sind es rund 1,2 Milliarden Euro pro Saison aus den nationalen Rechten, dazu kommen ein paar hundert Millionen aus der ganzen Welt.

Und weil diese Gelder aus Sicht einiger in der Vergangenheit ungerecht zugunsten der großen Klubs verteilt wurden, gründeten sie das "Team Mittelstand". Was laut Rummenigge anderen "auf die Nerven gegangen sei", weil die Klubs wie Eintracht Frankfurt, Hertha BSC oder Werder Bremen "das Fell des Bären schon vorzeitig" verteilen wollen.

Dennoch haben die "Separatisten" ihr Ziel erreicht. Das neue DFL-Präsidium wird von Vertretern der mittelgroßen und kleinen Vereinen dominiert. Und das Präsidium ist es, das den Verteilerschlüssel der TV-Einnahmen festlegt. Für Seifert dürfte das Bündeln der verschiedenen Kräfte nicht leicht werden.

Wie schwierig es ist, allen gerecht zu werden, zeigte der Zoff bei der Aufstellung des derzeit gültigen Verteilerschlüssels. Nach jeder Menge Ärger einigte sich das neunköpfige Präsidium im November 2016 auf ein kompliziertes Konstrukt, welches auf sieben Säulen beruht. Das Hauptkriterium ist der Erfolg, die Fünfjahreswertung macht 70 Prozent aus. Das hat damals vor allen den Traditionsvereinen nicht gepasst. Sie hatten erfolglos eine Berücksichtigung "weicher" Faktoren wie Zuschauerzahlen im Stadion und am TV gefordert.

Nun könnte der "Mittelstand" durch die neue Zusammensetzung des Präsidiums mehr Erfolg haben. Wie viel Geld verteilt werden kann, ist aber noch völlig offen. Derzeit befindet sich die DFL wegen ihres Ausschreibungsmodells in Gesprächen mit dem Kartellamt. Dabei geht es darum, ob im Gegensatz zum laufenden Vertrag ein Bieter allein alle Rechte kaufen darf ("Single-Buyer-Rule"). Das DFL-Modell würde das ermöglichen. Es sieht vor, dass bei einigen Spielen ein zweiter Anbieter zusätzlich übertragen darf. Wenn das geklärt ist, ergeht die Einladung an Amazon, Google, Netflix, Sky und Co..

Nach Vertragsabschluss kommt auch der DFB ins Spiel. Schließlich muss der 2023 auslaufende Grundlagenvertrag neu verhandelt werden. Laut dem Vertrag muss der Profifußball eigentlich drei Prozent seiner Einnahmen an den DFB abgeben. 2013 wurden diese Einnahmen pro Jahr aber auf höchstens 866 Millionen Euro und die Abgaben der DFL auf 26 Millionen Euro festgelegt. Im Gegenzug bezahlt der DFB 20 Millionen Euro pro Jahr als Beteiligung an den Vermarktungseinnahmen der Nationalmannschaft.

Da die gedeckelte Summe auf der Einnahmeseite der Profis nichts mehr mit der Realität zu tun hat, wollen viele Amateurvertreter mehr Geld sehen. Ganz überraschend sehen die Profis das ganz anders. Übrigens: Der DFB hat auch ein paar Rechte (Nationalmannschaft, DFB-Pokal) - Interessenten sind immer willkommen.

SID as om

(ako/sid)
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