Fußball-Bundesliga: So sieht der digitale Stadionbesuch der Zukunft aus

Bier, Bratwurst, Handy: So sieht der digitale Stadionbesuch der Zukunft aus

Die Betreiber von Sportarenen sind sich sicher: Um auch künftig Zuschauer anlocken zu können, müssen sie digitalen Mehrwert für deren Smartphone bieten. Auf dem Sitzplatz, an der Wurstbude und auch auf dem Weg zur Toilette.

Die digitale Zukunft des Stadionbesuchs wird an der Toilettenschlange sichtbar. Zumindest in Mannheim. Und das schon heute. Denn wer in der SAP-Arena bei einem Heimspiel der Rhein-Neckar Löwen (Handball) oder Mannheimer Adler (Eishockey) mit Blasendrang ansteht, hat ganz offensichtlich vorher nicht in die Fan-App auf seinem Smartphone geguckt. Denn da kann er sehen, vor welcher Toilette es sich staut. Oder an welchem Bratwurststand es länger dauert. Das ist Service für den Kunden und Kalkül des Arena-Betreibers. „Unser Ziel ist es, den Konsum zu beschleunigen, weil er in emotionalen Momenten eher getätigt wird“, sagt Daniel Hopp, Geschäftsführer der Mannheimer Arena, und Sohn von SAP-Gründer und TSG-Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp.

Hopp junior ist an diesem Morgen einer von drei Experten auf der Bühne beim Branchentreff SpoBis, die erklären, wie digital der Stadionbesuch der Zukunft aussehen wird. Dass der digital sein muss, gibt die Generation Z so vor, also diejenigen, die zwischen 1995 und 2010 geboren, mit dem Handy in der Hand groß geworden sind und vor allem über Audio, Video und Foto kommunizieren. „Alles wird auf den Dreiklang aus Stadionwurst, Stadionbier und Smartphone hinauslaufen“, sagt Maurice Sonneveld, Leiter Digital Media bei Hertha BSC. Die Aufgabe der Klubs und Betreiber ist dabei keine leichte. Es gibt eine kontrovers diskutierte Microsoft-Studie derzufolge die Aufmerksamkeitsspanne eines Menschen heute gerade noch acht Sekunden beträgt – und damit angeblich weniger als die eines Goldfischs. Wie begeistere ich also solche Menschen für zweimal 45 Minuten Fußball? „Ob Zuschauer regelmäßig ins Stadion gehen, wird maßgeblich davon abhängen, ob ihnen ein Digitalerlebnis mit Nutzwert geboten wird. Wir alle erheben uns vom Sofa nur noch für Mehrwert“, sagt Sonneveld. Die Generation Z besteht nämlich aus pragmatischen Realisten, sagt die Forschung. Und die wendet sich der nächsten Attraktion zu, wenn die aktuelle an Reiz verliert.

Ein Gewinnspiel in der Halbzeitpause im Mittelkreis, ein bisschen Musik, ein paar Durchsagen – das reicht heute längst nicht mehr. Ein durchgängiges, verlässliches und kostenfreies Wlan-Netz in der Arena ist die Basis der digitalen Infrastruktur. Aber längst nicht alles. So hängen im Frankfurter Stadion zur Zeit 50 TV-Bildschirme, im Football-Stadion von Atlanta sind es 5000. „Wir müssen 30 Millionen Euro investieren, um den Anforderungen der Generation Y [1980 bis 1995 geboren, Anm. d. Red.] und Z gerecht zu weden“, sagt Patrik Meyer, Geschäftsführer der Stadion Frankfurt Management Gmbh.

Daten sind der Schlüssel – auch für die Stadionbetreiber. Hertha BSC will 2019 einen Messengerdienst auf den Markt bringen, mit dem der Klub dem Kunden ein auf dessen Kaufkraft zugeschnittenes Kartenangebot fürs kommende Heimspiel aufs Handy schickt. Bei Interesse kann der Kartenkauf über den Messenger abgeschlossen werden – samt E-Ticket für die automatische Einlasskontrolle. Parkplatz am Stadion buchen, Sitzplatz, Bier, Wurst, Fan-Artikel – alles muss und wird in Zukunft über das Smartphone bezahlbar sein, da sind sich alle Experten einig. Alle Prozesse rund um einen Stadionbesuch werden sich beschleunigen. Besucher wollen Tore umgehend als Video auf dem Handy gucken. Aus verschiedenen Kameraperspektiven. Alles jetzt – nicht erst nachher zu Hause. Das ist das Motto. Warten an der Bierbude passt da nicht ins Konzept der digitalen Stadionzukunft.

Wie so oft geht der Blick in punkto Digitalisierung auch bei den Arena-Betreibern in die USA. Doch was es dort gibt, muss nicht zwangsläufig zur Nachahmung taugen. So fühlte sich Sonneveld nach einem Besuch eines Spiels der Basketball-Profiliga NBA dermaßen von Zusatz-Unterhaltung abgelenkt, dass er irgendwann überlegen musste, wie es eigentlich unten auf dem Spielfeld zuging. „Ich glaube, auch in Zukunft darf ein Stadionbesuch kein Entertainment-Event mit Sportunterbrechung sein“, sagt er.

Einen Schub, was die digitale Modernisierung der deutschen Stadion angeht, erhofft sich die Branche von der Fußball-EM 2024. Die werde ein Motor sein, heißt es. Und womöglich ja die erste EM ohne Schlangen vor den Toiletten.

Mehr von RP ONLINE