Fußball-Bundesliga: Klubs in der Relegation zwischen Euphorie und Überlebenskampf

Pulverfass Relegation : Fußball-Klubs zwischen Euphorie und Überlebenskampf

Die Relegation ist unter Fußball-Fans und Experten umstritten. Viel steht in den Entscheidungsspielen für die Klubs auf dem Spiel, der Druck entlud sich in der Vergangenheit öfter in Gewalt.

Ein Stadion in Flammen, Fans im Sturmlauf auf den Rasen, Spieler zwischen brutaler Anspannung, Trauer und Euphorie: Die Bilder der Vergangenheit zeigen, wie knallhart die Relegation den Fußball auf den Kampf ums Überleben herunterbricht. Und weil so viel auf dem Spiel steht, vor allem haufenweise Geld, entlud sich der Druck bisweilen äußerst unkontrolliert. Auch vor der Bundesliga-Relegation zwischen dem VfB Stuttgart und Union Berlin, die am Donnerstag (20.30 Uhr/Eurosport Player) beim Bundesligisten startet, ist die Ausgangslage nicht anders.

"Es wäre schön, wenn du gelassen rangehen könntest. Es ist ein Relegationsspiel, es geht um den Aufstieg - also hast du etwas zu verlieren. Der Favorit bleibt der VfB und ich kann mir vorstellen, dass für sie der Druck größer ist. Aber wir erlegen uns auch einen Druck auf, unser Ziel noch zu erreichen", sagte Unions Trainer Urs Fischer, der die Köpenicker erstmals ins Oberhaus führen könnte, am Dienstag.

Tatsächlich sind die Stuttgarter als Bundesliga-16. ungleich mehr unter Zugzwang. Im Abstiegsfall schrumpfen die Einnahmen aus Fernsehgeldern um satte 15 Millionen Euro. Auch wenn Präsident Wolfgang Dietrich sagte, man könnte in der 2. Liga überleben, wäre es trotzdem ein harter Schnitt. Vom Selbstverständnis der stolzen VfB-Fans ganz zu schweigen. Jene würden den nächsten Absturz aus Bundesliga nach 1975 und 2016 sicher nicht einfach mit einem Schulterzucken hinnehmen. Wie sich die Emotion in der Relegation ihre Bahn brechen kann, zeigte sich am 15. Mai 2012 im Rückspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC.

Beim Stand von 2:2 (Hinspiel 2:1 für Düsseldorf) stürmten die Anhänger der Rheinländer wenige Minuten vor Schluss den Platz und feierten bereits den Aufstieg - minutenlange Unterbrechung, totales Chaos. Eine gute halbe Stunde später erst, nachdem die Mannschaften zweimal in die Kabine geschickt werden mussten, konnte das Spiel beendet werden. Zuvor hatten Fans ohnehin schon Pyrotechnik im ganz großen Stil abgebrannt. Das Ergebnis wurde wegen der Ausschreitungen erst am Tag darauf offiziell vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) bestätigt.

"Das dauert ein paar Tage, und manche Erlebnisse wirst du in deinem Leben nie ganz vergessen", sagte Norbert Meier, damals Trainer von Fortuna Düsseldorf: "Für Menschen, die den Nervenkitzel brauchen, ist die Relegation genau das Richtige." 2014 ging Meier als Coach von Arminia Bielefeld ein weiteres Mal in die Relegations-Geschichte ein, als sein Team im Kampf um den Verbleib in der 2. Bundesliga im Rückspiel gegen Darmstadt 98 in der Nachspielzeit der Verlängerung das entscheidende 2:4 kassierte und trotz des 3:1-Sieges in Darmstadt abstieg.

Die hässliche Fratze von Entscheidungsspielen zeigte sich im Vorjahr in Mannheim überdeutlich. Das Rückspiel um den Aufstieg in die 3. Liga am 27. Mai zwischen den Regionalligisten Waldhof Mannheim und KFC Uerdingen musste beim Stand von 2:1 für die Gäste nach 82 Minuten abgebrochen werden. Aus dem Mannheimer Block waren Raketen und Böller geflogen und insgesamt 45 Menschen verletzt worden. Am Ende stiegen die Uerdinger, die schon das Hinspiel 1:0 gewonnen hatten, auf. Der fade Beigeschmack blieb jedoch.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Waldhof Mannheim - KFC Uerdingen: die Bilder des Spiels

(ako/sid)
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