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Fußball, Bundesliga: Die Zuschauerzahl könnte Gerichte beschäftigen

Steigende Inzidenzen : Die Zuschauerzahl in den Stadien könnte Gerichte beschäftigen

Ein an sich belangloses Testspiel könnte zum Präzedenzfall werden. Wie viele Fans dürfen 2021 noch in die Stadien, welche Rolle spielen Geimpfte und Genesene? Die Politik ist darüber uneinig, die Clubs verlieren nach knapp 17 Pandemie-Monaten allmählich die Geduld.

Die kontroverse Debatte um die Zuschauerzahl bei Eintracht Frankfurt könnte ein Vorgeschmack darauf sein, was dem deutschen Fußball im Corona-Herbst 2021 droht. Stadt gegen Land, Rechtsmittel beim Verwaltungsgericht und die große Frage, wie bei steigenden Inzidenz-Zahlen die Geimpften und Genesenen bei Großveranstaltungen gezählt werden: Der Fußball und seine immer gewaltigere Sehnsucht nach großen Zuschauerzahlen könnten nach fast 17 Monaten ernüchternder Pandemie-Leere im Herbst zu einem Fall für die Justiz werden.

Worum geht es in dem Beispiel, der bei einem entsprechenden Urteil zum Präzedenzfall werden könnte? Die Hessen treten am Samstag gegen AS Saint-Étienne zum Testspiel an, zunächst waren 10 000 Fans - die Hälfte davon geimpft oder genesen - genehmigt. Angesichts einer gestiegener Sieben-Tage-Inzidenz, die den Schwellenwert von 35 in der Mainmetropole mehrere Tage überschritten hatte, präzisierte Hessens Sozialministerium die Regelung und legte am Sonntag fest: 5000 Zuschauer sind in einem solchen Fall das Maximum, Geimpfte und Genesene dürfen nicht extra gezählt werden.

Was zunächst harmlos klang, rief heftigen Protest hervor - und zwar nicht nur vom Verein, der beim Verwaltungsgericht einen Eilentscheid erwirken und damit doch die 10 000 Fans in seine WM-Arena einlassen will. Auch die Stadt Frankfurt beschwerte sich massiv und monierte, dass es in dieser Phase der Pandemie besonders wichtig sei, Anreize zum Impfen zu schaffen.

„Und für viele ist eben ein Fußballspiel ein solcher Anreiz“, stellte Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer von den Grünen klar. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) schickte sogar einen offenen Brief an die Landesregierung um Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), in dem er Kritik übte.

Die Eintracht will nun vor Gericht ziehen, sollte die Reduzierung auf 5000 Fans wirklich Bestand haben. „Es ist unklar und nicht schlüssig begründbar, weshalb man die 35 gewählt hat. Das ist kein haltbarer Weg mehr“, sagte Eintracht-Justiziar Philipp Reschke, der die Politik angesichts der veränderten Lage mit immer mehr Impfungen zu einem sofortigen Umdenken aufforderte. „Das ist, wenn man so will, Pandemie 2020. Aber Pandemie 2021 muss anders funktionieren. Die Vorzeichen haben sich geändert.“

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Nach fast eineinhalb Jahren, in denen Fans im Stadion pandemiebedingt Mangelware oder gar nicht vorhanden waren, wächst bei den Vereinen allmählich die Ungeduld. Vor drei Wochen hatten die Chefinnen und Chefs der Staats- und Senatskanzleien die Rückkehr beschlossen und dabei eingeschränkt: maximal 50 Prozent der eigentlichen Kapazität, Gesamtzahl zunächst nicht über 25 000 Menschen. Schon das ging nicht allen Verantwortlichen weit genug.

Die zunächst bis 11. September gültige Verordnung hat zudem einen Haken: Sie bezieht sich auf eine Inzidenz von unter 35 (pro 100 000 Menschen in sieben Tagen). Ein Wert, der in Frankfurt tagelang überschritten wurde, bevor er an diesem Dienstag erstmals seit knapp einer Woche wieder unter den wichtigen Wert fiel. An anderen Orten dürfte dies angesichts der Entwicklung nur eine Frage der Zeit sein.

Die Sehnsucht nach Veranstaltungen wie früher spiegelt nicht nur den Willen der Fußballclubs wider, sondern ist auch Ausdruck eines gesamtgesellschaftlichen Phänomens. Im Testspiel-Fall der Eintracht bemängelt der Bundesligist zudem, dass die Entscheidung derart kurzfristig geändert werden sollte. Planungssicherheit wird so unmöglich, argumentierte die Eintracht. Auch diesen Zustand würden die Fußballvereine so bald wie möglich gerne hinter sich lassen.

Viele Macher im Profifußball sind nicht mehr mit einer Rückkehr der Zuschauer zufrieden, sie wollen mehr. Besonders deutlich äußerte dies BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, der jüngst einen Wunsch äußerte. „Warum soll ein Stadion nicht ausverkauft sein nur mit Geimpften? Wo ist das Problem? Was ist eigentlich, wenn die ersten Geimpften klagen, warum sie nicht ins Stadion dürfen? Darüber macht sich keiner Gedanken“, hatte Watzke betont. Für das offensive Auftreten, das an manch andere Situation des Fußballs inmitten der Pandemie-Wirren erinnerte, gab es auch Kritik.

Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union Berlin, geht es ähnlich wie der in diesen Tagen schwer beschäftigten Eintracht, ihm fehlt Verlässlichkeit. Der Funktionär setzt darauf, dass die Kopplung der 50-Prozent-Regel an eine Inzidenz von 35 fällt, wenn die Bundesländer „das Überfällige“ tun und die Corona-Warnwerte nicht mehr nur an die Inzidenzen knüpfen. „Ich glaube, dass es danach mehr Planbarkeit gibt“, meinte Zingler. Mehr Klarheit darüber dürfte bereits vor dem Bundesliga-Start am 13. August herrschen, womöglich schon durch ein Urteil zum Testkick der Frankfurter gegen Saint-Étienne.

(dpa/cma)