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Fußball-Bundesliga: Die Lehren aus elf Jahren Relegation

Statistik der Entscheidungsspiele : Die Lehren aus elf Jahren Relegation

Seit Wiedereinführung der Relegation gibt es Diskussionen über Sinnhaftigkeit und Gerechtigkeit der Aufstiegsspiele. Ist der höherklassige Verein im Vorteil? Warum darf er eine schlechte Saison retten, während der unterklassige Klub um den Lohn für eine starke Saison gebracht wird? Wir haben einen Blick in die Statistik geworfen.

Im Jahr 2009 führte die DFL die Relegation als „spannenden Abschluss“ der Saison wieder ein. Neben den festen Absteigern auf den Plätzen 17 und 18 der Bundesligen und den festen Aufsteigern auf den Plätzen 1 und 2 der 2. Bundesliga und 3. Liga, werden also zwischen den jeweiligen 16. und 3. zwei Entscheidungsspiele mit Hin- und Rückspiel ausgetragen. Seitdem lassen sich einige Trends erkennen.

Zweitligisten doppelt unterlegen

Für die Relegation zur 1. Bundesliga trifft die Annahme, dass das höherklassige Team im Vorteil sei, zumindest größtenteils zu. Von den zwölf Auflagen seit 2009 schaffte der Erstligist neun Mal den verspäteten Klassenerhalt. Insgesamt wurden 24 Spiele ausgetragen, von denen der Herausforderer aus dem Unterhaus nur drei für sich entscheiden konnte. Zehn Relegationsspiele endeten unentschieden elf Mal gewann der Erstligist (davon einmal nach Verlängerung). Interessant ist jedoch der Blick auf die Relegation zur 2. Bundesliga. Auch hier sind die Zweitligisten in der Bilanz unterlegen, auch wenn sie die klassenhöheren Teams sind. In zwölf Duellen konnte der Drittligist acht Mal aufsteigen, nur vier Mal hielt der Favorit die Klasse. In den 24 Spielen waren die Herausforderer zwölf Mal (davon zwei Mal nach Verlängerung) erfolgreich, sechs Mal gewann der Zweitligist und sechs Spiele endeten unentschieden.

Heimvorteil im Rückspiel ist keiner

Die DFL gibt dem Verein im Rückspiel Heimrecht, der weniger Pause zwischen letztem Ligaspiel und erstem Relegationsspiel hat, da das in Wettbewerben mit der Auswärtstorregel allgemein als Vorteil angesehen wird. Üblicherweise spielt die 1. Bundesliga ihren 34. Spieltag an einem Samstag, währen die 2. Bundesliga am Sonntag spielt. Den vermeintlichen Vorteil des Heimspiels im Rückspiel konnten die Zweitligisten jedoch unabhängig der Ausgangslage aus dem Hinspiel kaum nutzen. In den zwölf Heimspielen gewann lediglich der 1. FC Nürnberg 2009 mit 2:0 gegen Energie Cottbus und stieg nach einem 3:0 Hinspielsieg in die Bundesliga auf. Ein Unentschieden im Heimspiel reichte dem VfL Bochum (2011, 1:1 nach 0:1 Hinspielniederlage bei Borussia Mönchengladbach), der SpVgg Greuther Fürth (2014, 1:1 nach 0:0 im Hinspiel beim HSV) und dem 1. FC Heidenheim (2020, 2:2 nach 0:0 im Hinspiel bei Werder Bremen) nicht zum Aufstieg. Union Berlin schaffte 2019 mit einem torlosen Remis im Rückspiel den Aufstieg gegen den VfB Stuttgart, da man das Hinspiel 2:2 gestalten konnte und so die Auswärtstorregel den Ausschlag gab. Gleiches lässt sich in der Zweitligarelegation beobachten. Auch hier gewinnt häufiger der Teilnehmer, der zuerst zuhause spielt, also vermeintlich im Nachteil ist. Da die 3. Liga üblicherweise einen Tag vor der 2. Bundesliga beendet ist, hat in dieser Relegation also der unterklassige Klub zuerst Heimrecht. Anders war dies nur in der von der Corona-Pause geprägten Relegation 2020. Hier spielte die 3. Liga deutlich länger, sodass der 1. FC Nürnberg zuerst im eigenen Stadion gegen den FC Ingolstadt antrat. Auch wenn Heim- und Auswärtsspiele ohne Zuschauer möglicherweise nicht den gleichen Effekt haben wie sonst, gewann hier ebenfalls das Team, das zuerst zuhause spielte. In ihren elf Heimspielen, die Rückspiele waren, konnten die Zweitligisten nur drei Siege erringen. Die Favoriten, die ihre Heim-Rückspiele gewannen, namentlich Dynamo Dresden (2013, 2:0 nach 0:1 Niederlage in Osnabrück), 1860 München (2015, 2:1 nach 0:0 in Kiel) und Erzgebirge Aue (2018, 3:1 nach 0:0 in Karlsruhe), konnten sich auch den Klassenerhalt sichern, jedoch stiegen alle acht Zweitligisten, die ihre Heimspiele nicht gewann, ab. Der KSC beispielsweise spielte 2012 gegen Jahn Regensburg im Rückspiel 2:2, was den Badenern nach einem 1:1 im Hinspiel nicht reichte, um in der zweithöchsten Spielklasse zu bleiben.

Hinspielsieg führt zum Gesamterfolg?

Für die Erstligarelegation lässt sich ein einfaches Muster feststellen. Wer das Hinspiel gewinnt, lässt sich das im Rückspiel nicht mehr nehmen. In der Etage tiefer ist es etwas ausgeglichener. Vier Gewinner der Hinspiele waren auch Gesamtsieger der Duelle, drei Mal konnte eine Hinspielpleite noch gedreht werden. Der damalige Zweitligist Dynamo Dresden konnte 2013 eine 0:1 Niederlage in Osnabrück im Rückspiel mit einem 2:0 Heimsieg vergessen machen und den Ligaverbleib sichern. 2014 stieg Darmstadt 98 mit einem dramatischen 2:4 Auswärtssieg nach Verlängerung auf, nachdem Arminia Bielefeld das Hinspiel am Böllenfalltor 1:3 gewonnen hatte. Auch dem SV Wehen Wiesbaden kam 2019 die Auswärtstorregel zugute. Verloren sie das Heimspiel gegen Ingolstadt noch mit 1:2, konnten die Hessen mit einem 2:3 Sieg bei den Schanzern den Aufstieg perfekt machen.

Oben ist es deutlicher - und doch vorsichtiger

Fünf Relegationsteilnehmer verloren beide Spiele, davon nur Energie Cottbus 2009 als Erstligist. Der FC Augsburg war 2010 zwei Mal dem 1. FC Nürnberg unterlegen, der 1. FC Kaiserslautern verlor 2013 beide Spiele gegen die TSG Hoffenheim und Eintracht Braunschweig und Holstein Kiel mussten sich 2017 und 2018 jeweils dem VfL Wolfsburg in Hin- und Rückspiel geschlagen geben. In der Relegation zur 2. Liga gewannen nur drei Teams beide Spiele, jedes Mal war es der Verein aus der 3. Liga. 2009 war der VfL Osnabrück dem SC Paderborn doppelt unterlegen, 2010 siegte der FC Ingolstadt in beiden Spielen gegen Hansa Rostock und 2016 sicherten sich die Würzburger Kickers mit zwei Siegen gegen den MSV Duisburg den Aufstieg. Obwohl es oben mehr Doppelsiege gab, gingen die Spiele öfters ohne Sieger zu Ende. In den 24 Spielen der Erstligarelegation gab es zehn Gleichstände, in der Zweitligarelegation gingen nur sechs Spiele unentschieden aus.

Torreicher ist es unten

Auch der Blick auf die Tordifferenz ist spannend. Die Teams aus der 1. Bundesliga führen dort mit 29:21. Auch auf Heim- und Auswärtsspiele aufgeteilt liegen die Favoriten vorne, daheim mit 14:11, im Stadion des Gegners sogar mit 15:10. Auffallend ist wiederum der Blick auf die Zweitligarelegation. Hier fallen insgesamt deutlich mehr Tore, die Bilanz liegt bei 34:26 für die Drittligisten. In ihren Heimspielen führen sie mit 13:9, auf dem Platz des Zweitligisten mit 21:17. Es fällt ins Auge, dass in den Spielen im Stadion des Zweitligisten (bis auf 2020 also in den Rückspielen) deutlich mehr Tore erzielt werden. In der Erstligarelegation lässt sich das nicht beobachten, hier sind die insgesamt 50 Tore jeweils zur Hälfte in Hin- und Rückspiel gefallen.

Nürnberg als Stammgast, Osnabrück erfolglos

Der 1. FC Nürnberg hat seit 2009 die meiste Relegationserfahrung gesammelt. In den Spielen zur ersten Liga traten sie drei Mal an (2010 als Erstligist, 2009 und 2016 als Zweitligist), außerdem waren sie jüngst in der unteren Relegation 2020 als Zweitligist vertreten. Dahinter folgen der VfL Osnabrück und der FC Ingolstadt, die jeweils drei Mal in der Zweitligarelegation antraten. Neben den Franken waren auch der Karlsruher SC und Holstein Kiel schon in beiden Relegationen vertreten. Die Badener verloren sowohl beide Auftritte als Zweit- und Drittligist (2012 und 2018) in der Relegation zur 2. Liga, als auch das Duell als Zweitligist in der Bundesliga-Relegation (2015). Gleiches gilt für die Störche, die jeweils einmal als Dritt- und Zweitligist (2015 und 2018) den Aufstieg verpassten. Eine makellose Relegationsbilanz bei mehr als einer Teilnahme haben der Hamburger SV (2014 und 2015) und der VfL Wolfsburg (2017 und 2018). Sie sind auch ligaübergreifend die einzigen Vereine, die in zwei aufeinanderfolgenden Jahren mit der gleichen Ligazugehörigkeit antraten. Die schwächste Bilanz hat der VfL Osnabrück. In seinen drei Duellen um Aufstieg oder Klassenerhalt konnte sich der Klub nie durchsetzen.

Streitpunkt Auswärtstorregel

Die sogenannte Auswärtstorregel sorgt des Öfteren für Diskussionen. Seit 2009 war diese in der oberen Relegation drei Mal ausschlaggebend für den Auf- oder Abstieg. 2015 und 2020 konnten der HSV (0:0 und 1:1) und Werder Bremen (0:0 und 2:2) durch sie die Klasse halten, 2019 gelang Union Berlin der Aufstieg (2:2 und 0:0) . Zwischen den Zweit- und Drittligisten musste sie sogar bereits vier Mal angewendet werden. Jahn Regensburg (2012, 1:1 und 2:2), Darmstadt 98 (2014, 1:3 und 4:2 n.V.) und Wehen Wiesbaden (2019, 1:2 und 3:2) schafften den Sprung in die höhere Liga, der 1. FC Nürnberg rettete sich in der Geister-Relegation 2020 in der Nachspielzeit und konnte die Klasse halten (2:0 und 1:3).

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