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FC Bayern München gegen RB Leipzig: Feindbild gegen Feindbild

FC Bayern empfängt Leipzig : Feindbild gegen Feindbild

Verkehrte Welt in der Bundesliga: Ein Aufsteiger fordert im Spitzenspiel den Rekordmeister heraus. Normalerweise sind in so einem Fall die Sympathien klar zugunsten des Underdogs verteilt. Doch das Gipfeltreffen zwischen Bayern München und RB Leipzig spaltet die Fans.

Peter Pacult muss so eine Vorahnung gehabt haben. Im Juli 2011 sagte der damalige Leipzig-Trainer im Interview mit der "Welt": "Du bist immer der Gejagte. Du bist immer das Feindbild. So wie Bayern München." Pacult bezog sich damals auf die Rolle des Klubs in der Regionalliga. Fünf Jahre später ist Leipzig in der Bundesliga der größte Bayern-Jäger. Und das als Aufsteiger. Doch vor dem Spitzenspiel polarisiert der vermeintliche Underdog mindestens genauso wie der Rekordmeister.

RB Leipzig ist kein gewöhnlicher Aufsteiger. Hinter dem Projekt steckt der Milliardenkonzern Red Bull. Und der Verein sei für dessen Eigentümer Dietrich Mateschitz nur ein Mittel zum Zweck, gegründet aus rein marketingtechnischen Überlegungen, sagen Kritiker. "An Leipzig stört mich, dass sie in ihrer Argumentation so tun, als seien sie ein normaler Aufsteiger. Das stimmt ja so nicht", sagte der Kölner Sportdirektor Jörg Schmadtke jüngst im "kicker"-Interview über Leipzig. "Sie sollten sich nicht mit Darmstadt vergleichen. Dann wird es albern, und das brauchen sie auch nicht."

Das offizielle Saisonziel formulierten die Sachsen ähnlich wie andere Emporkömmlinge, allerdings einen Schuss optimistischer: So früh wie möglich mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Doch plötzlich ist RB Leipzig mitten drin im Titelkampf.

Abseits des Platzes war der neuen Größe im deutschen Fußball keine Ruhe vergönnt. Eine Sitz-Blockade, Farbbeutel-Attacken auf den Mannschaftsbus und ein Schweinekopf-Wurf: Die Liste der Anfeindungen gegen Leipzig allein in den vergangenen sechs Monaten ist lang. Am Wochenende kam ein weiterer Eintrag hinzu: Anhänger von Hertha BSC provozierten mit einem geschmacklosen Banner gegen Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick. "Ey Ralf, wir warten sehnlichst auf deinen nächsten Burnout", stand darauf in Anspielung auf eine frühere Erkrankung von Rangnick. Rangnick reagierte gelassen: "Ich fasse das eher als kleines, verstecktes Kompliment auf", sagte er.

Mehr Spitzenspiel geht nicht

Bayern Münchens Weltmeister-Torwart Manuel Neuer positionierte sich vor dem Gipfeltreffen deutlich gegen die Anfeindungen "Es ist schlimm, wenn der Leipziger Mannschaftsbus wie in Leverkusen mit Farbbeuteln beworfen wird. Dieses Verhalten ist respektlos gegenüber den Leipziger Spielern, dem Trainerteam um Ralph Hasenhüttl und Sportdirektor Ralf Rangnick, die dort alle superprofessionell arbeiten", sagte Neuer dem "kicker".

Am Mittwoch kann das Team von Trainer Hasenhüttl sein erstes halbes Jahr im Fußball-Oberhaus krönen. Dann ist Leipzig beim großen FC Bayern zu Gast. Der punktgleiche Zweitplatzierte beim Tabellenführer. Mehr Spitzenspiel geht nicht. "Wir sind stolz darauf, dass wir am Mittwoch ein Spiel gegen Bayern München haben, das ganz Deutschland elektrisiert und wohl auch über die Landesgrenzen hinaus begeistern wird", sagt der Österreicher Hasenhüttl.

Aus sportlicher Sicht verspricht das Spiel Hochklassiges. Zumal von den Gästen in der Allianz-Arena kein Angsthasenfußball zu erwarten ist. "Wir fahren nach München, um die drei Punkte zu holen. Ehrgeiziger kann man nicht an so ein Spiel herangehen", sagte Rangnick in einer Diskussionsrunde des TV-Senders "Sky". "Wichtig wird sein, dass wir so mutig auftreten wie bisher. Mal sehen, wie die Bayern damit umgehen werden ...", sagte Kapitän Dominik Kaiser dem "kicker".

Viele "neutrale" Fans wissen aber nicht, was sie sich von dem Spiel erhoffen sollen. Oder vielmehr, wem sie die Daumen drücken sollen. In den vergangenen Jahren klagten Anhänger, die es nicht mit den Bayern halten, über die Langeweile in der Liga. Zu dominant agierten die Münchner unter Pep Guardiola. Die Meisterschaft holte der Rekordmeister gefühlt im Vorbeigehen. In dieser Saison tun sich die Bayern mit ihrem neuen Trainer Carlo Ancelotti deutlich schwerer. Und ihnen ist ein Gegner gewachsen. Eigentlich müssten die Fans frohlocken. Wäre dieser Gegner nicht Leipzig. Das neue Feindbild.

(areh)