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Borussia Mönchengladbach: Favre gibt den Schweiger

Borussia Mönchengladbach : Favre gibt den Schweiger

Da saß er nun, der gute Lucien Favre, und wusste nicht, was er tun sollte. Borussia Mönchengladbachs Fans huldigten ihm bei der Mitgliederversammlung, doch irgendwie wirkte Favre, als wäre er gern woanders.

Auf dem Trainingsplatz vielleicht. Oder vor dem Fernseher, um eine Fußball-DVD zu schauen. Favre klatschte verlegen. Als es an der Zeit war für das Training, machte er sich von dannen — ohne ein Wort an die Fans gerichtet zu haben. Wenn es um das Spiel geht, ist Favre in seinem Element, die Randerscheinungen des Fußballzirkus sind nicht sein Ding.

Trainer Favre ist fraglos einer, der seinen Teams klare Strukturen gibt. Seine Borussia hat eine der besten Defensiv-Bilanzen der Liga und zuweilen berauschenden Fußball gespielt. Favre hat aus dem Fast-Absteiger ein Team gemacht, das es bis in die Champions-League-Qualifikation geschafft hat. "Der Europapokal ist für uns eine neue Dimension", sagt Geschäftsführer Stephan Schippers. Sportlich und finanziell. Sportdirektor Max Eberl stehen 22 Millionen Euro zur Verfügung, um den Kader aufzumotzen.

All das müsste für Favre ein Grund zur Freude sein. Doch er wirkt seltsam teilnahmslos — was zu Spekulationen führt, er könne gehen, neuerdings heißt es, Leverkusen könne interessiert sein. Dort ist aber auch Mike Büskens im Gespräch, der Greuther Fürth in die Bundesliga führte. Favre hat zu Gerüchten nie Stellung genommen. Das muss er auch nicht, sein Vertrag läuft bis 2013. Sein Schweigen kommentiert er: "Schweizer sind nun mal so." Jedenfalls stellt Schippers klar: "Lucien Favre bleibt unser Trainer." Eberl will den bis 2013 datierten Vertrag gern verlängern. Favre will das "zum jetzigen Zeitpunkt nicht", so Schippers.

Aber er plant die neue Saison, derzeit bastelt er mit Eberl am Team. Das könnte im Einzelfall problematisch sein: Eberl war bislang sehr klar, wenn es um Entscheidungen geht, Favre indes ist zögerlich. Transfer-Ergebnisse gibt es noch nicht. Eberl warb bei der Versammlung um Geduld. Man wolle "nichts überstürzen" und kein "unnötiges Risiko eingehen". Der "Sechser" Granit Xhaka soll aus Basel kommen, es wird weiter verhandelt. Auch Torjäger Luuk de Jong aus Enschede soll, so heißt es in Holland, noch ein Thema sein. Borussia bestätigt das nicht, schon gar nicht das kolportierte Acht-Millionen-Angebot. "Wir werden gute Transfers machen", verspricht Eberl.

(RP/seeg/csi/rl)