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Hamburger SV baut Nachwuchszentrum: Fan-Anleihe statt van der Vaart

Hamburger SV baut Nachwuchszentrum : Fan-Anleihe statt van der Vaart

Eine eilig einberufene Pressekonferenz beim HSV heizte die Spekulationen an: Welcher neue Profi kommt? Rafael van der Vaart? Die Kamera-Teams drängten sich. Statt neue Beine gibt's neue Steine.

Fan-Anleihe statt Rafael van der Vaart, Campus statt Transfers. Einen Tag nach dem Verkauf von Stürmer Paulo Guerrero überraschte der Hamburger SV am Donnerstag mit einer völlig anderen Mitteilung als erwartet. Kurz vor Mitternacht hatte der Verein eine "außerordentliche Pressekonferenz" im Stadion für Donnerstag angekündigt. Zehn Fernsehkameras und zahlreiche Journalisten hatten sich in Erwartung eines Transfer-Coups versammelt. Es kam anders.

Der Vereinvorstand stellte eine Fan-Anleihe vor, die ab dem 29. September ausgegeben wird. Mit den Einnahmen soll ein neues Nachwuchsleistungszentrum direkt am Stadion gebaut werden. Das Wertpapier wird mit sechs Prozent verzinst und hat eine Laufzeit von sieben Jahren.

So will der Fußball-Bundesligist 12,5 Millionen Euro einsammeln. Der HSV-Campus, wie der Komplex genannt wird, soll Jugend-Internat, Trainingszentrum, einen öffentlichen Bereich mit Gastronomie, Hörsälen und Konferenzräumen enthalten. Das Ganze wird in Form einer Raute, dem Logo des HSV, angelegt. Gebaut werden soll das 4000 Quadratmeter große Gebäude möglichst ab nächstem Frühjahr.

"Das ist viel wichtiger als ein noch so großer Transfer", sagte Vereinsvorsitzender Carl Edgar Jarchow und schaute in einige enttäuschte Gesichter. "Es geht nicht darum, Heilsbringer nach Hamburg zu holen, sondern um funktionierende Nachwuchsarbeit." Mittelfristig, so Jarchow, soll sich der HSV so "in der europäischen Spitze etablieren".

Gerüchte, es könne mit den kolportierten fünf Millionen Euro aus dem Guerrero-Verkauf nun zu einem Comeback von van der Vaart im HSV-Trikot kommen, erteilte Sportchef Frank Arnesen eine Absage. "Vielleicht können wir noch zwei Spieler holen, aber van der Vaart ist unmöglich", sagte der Däne, um die Erwartungen dann noch weiter nach unten zu schrauben.

Ist der Guerrero-Verkauf perfekt, sei zunächst lediglich die Verpflichtung des lettischen Stürmers Artjoms Rudnevs finanziert, meinte Arnesen. Der kostete rund 3,5 Millionen Euro. "Aber ein bisschen ist noch über", beteuerte der Sportchef und widersprach Spekulationen, es könnte demnächst der Ex-Wolfsburger Zvjezdan Misimovic in Hamburg als neuer Spielmacher auftauchen: "Kein Kandidat."

(dpa)