Nach Votum für Einstieg von Investor Der Profifußball hat sich für eine billige Lösung entschieden

Meinung | Düsseldorf · Denkbar knapp haben sich die 36 Erst- und Zweitligisten für den Einstieg eines Investors ausgesprochen. Dadurch können bis zu eine Milliarde Euro in die Kassen gespült werden. Doch zu welchem Preis? Die Risiken und Nebenwirkungen sind derzeit noch überhaupt nicht abzusehen. Was Sorgen bereitet.

 Das Logo der Deutschen Fußball-Liga (DFL).

Das Logo der Deutschen Fußball-Liga (DFL).

Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Für die Vereine ist es zunächst ein Gewinn – wie hoch der Schaden für den Fußball allerdings mittelfristig sein wird, ist noch überhaupt nicht absehbar. Dabei geht es vor allem um die Frage, für wen es am Ende ein gutes Geschäft ist. Und welchen Preis man dafür zahlen muss.

Der Einstieg eines Investors bringt der DFL und damit jedem der 36 Profiklubs aus den ersten beiden Ligen viel Geld. Bei den kleinen Vereinen geht es vor allem darum, das Überleben zu sichern und Löcher zu stopfen. Die Vertreter der großen Klubs wollen weiter auf großer Bühne mitspielen. Auf dem Papier geht es um rund eine Milliarde Euro.

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Foto: dpa/David Inderlied

Es hat bereits seit Jahren immer wieder ein Vortasten gegeben. In Deutschland gab es bislang in diesem Bereich eine sehr restriktive Haltung. Doch die fetten Jahre in der Fußballbranche sind längst vorbei. Der Markt stagniert, in Teilen sind sogar Rückgänge zu verzeichnen. Es wird aber Geld benötigt, viel Geld, um den Laden am Laufen zu halten. Sich das auf diese vergleichsweise einfache Art zu verschaffen, ist geradezu billig. Denn die Glaubwürdigkeit des Spiels steht auf dem Spiel.

Deutschland ist international keineswegs abgehängt. Nur die Premier League spielt in einer anderen Liga. Und doch hatte man in der Argumentation den Eindruck, würde nicht für den Einstieg gestimmt, wäre das Schicksal besiegelt, künftig nur noch hinterherzulaufen.

Sich einen Investor mit unters Dach zu nehmen, ist nicht besonders kreativ. Doch auch mit diesem Schritt werden die Probleme nicht mit einer Überweisung erledigt sein. Will man langfristig wettbewerbsfähig bleiben, muss sich auch der Fußball die Frage stellen, wie er besonders für junge Zielgruppen interessant bleiben will, die es oft schon nicht mehr schafft, bei Kurzvideos auf Instagram und Youtube über 30 Sekunden konzentriert zu bleiben. In diesem Bereich will man nun vor allem auch investieren.

Es mag unterm Strich nicht einmal ein schlechter Deal für die DFL und damit für die Klubs sein. Doch wie er zustande gekommen ist, in Verhandlungen in Hinterzimmern, ist schon arg bedenklich. Es wurde etwas durchgeprügelt. Die Kommunikationspolitik war desaströs. So hatte die Sache überhaupt keine Chance, ohne Schaum vor dem Mund vermittelt zu werden. Doch genau das hätte die Sache verdient gehabt.

Die Vereine sprechen längst nicht mehr mit einer Stimme, sondern verfolgen zum Teil völlig unterschiedliche Ziele. In diesem Fall gab es diese Mehrheitsverhältnisse, doch die Solidargemeinschaft ist mehr als brüchig. Es dürfte nicht mehr viel fehlen – und der große Knall steht bevor.

Einstweilen wird das Geld verteilt (wenn auch nicht direkt an die Klubs), doch nach dem großen Rausch folgt oft der große Kater. Es wird spannend sein, zu sehen, wie lange die Einnahmen reichen und wann es den nächsten Versuch geben wird, auf welchem Weg auch immer einen Investor zu beteiligen. Jedem dürfte klar sein: Es war gerade erst der Anfang.

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