Kommentar zur Nachspielzeit: Ein Spiel dauert Pi mal Daumen

Kommentar zur Nachspielzeit : Ein Spiel dauert Pi mal Daumen

Fußball ist eine komische Sportart. Im Unterschied zu praktisch allen anderen bedeutenden Mannschaftsspielen - Handball, Basketball, Eishockey, Football - kennt er keine auf die Sekunde genaue Netto-Spielzeit. Ein Anachronismus.

Dass ein Schiedsrichter Pi mal Daumen entscheiden darf, wie viel Zeit er für Auswechslungen, Verletzungspausen und Spielverzögerungen drauf legt, passt in die von Fußballtraditionalisten gern bediente Abteilung "Romantik".

Doch dieses Ungefähre hat seinen Reiz - vor allem für die Anhänger von Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen und FC Augsburg. Sie fühlten sich an diesem Spieltag der Fußball-Bundesliga wie im Rock-Konzert: Das Schönste ist die Zugabe. Für die Gladbacher ist das 1:1 in Hamburg nach dem Heimsieg gegen den 1. FC Köln schon das zweite Mal, dass sie in der Nachspielzeit den Ertrag steigern kann. Leverkusen hingegen verliert nun in Augsburg nach dem 4:5 gegen Wolfsburg zum zweiten Mal hintereinander in der Nachspielzeit Punkte.

Die Lehren daraus? Für die Mannschaften ist es wichtig , bis zum Abpfiff die von Jogi Löw höchstinstanzlich verordnete höchste Konzentration walten zu lassen.Und Zuschauer, die vorzeitig das Stadion verlassen, um dem Stau zu entgehen, sind selbst schuld. Dabei waren die Nachspielzeiten an diesem Wochenende nicht einmal besonders lang. Den inoffiziellen Rekord hält ein Bezirksligaspiel zwischen Dostlukspor Bottrop und BW Wesel mit 28 Minuten. "Ich habe den Standpunkt, dass ein Zuschauer, der Geld für 90 Minuten bezahlt, auch 90 Minuten zu sehen bekommen sollte", erklärte der Schiedsrichter. Recht so.

(RP)
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