Hertha schreibt Klassenerhalt noch nicht ab: Drobny: "Wir sind noch nicht tot"

Hertha schreibt Klassenerhalt noch nicht ab: Drobny: "Wir sind noch nicht tot"

Wolfsburg (RPO). Der Demontage des deutschen Meisters folgte die Kampfansage an die Konkurrenz. "Wir sind wieder da. Ich hoffe, dass wir den Knoten durchschlagen haben", frohlockte Manager Michael Preetz, nachdem Tabellenschlusslicht Hertha BSC Berlin den VfL Wolfsburg beim 5:1 (3:1)-Sieg in sämtliche Einzelteile zerlegt hatte.

Torhüter Jaroslaw Drobny ergänzte: "Wir sind noch nicht tot und wollen mit aller Macht in der Bundesliga bleiben. Aber wir haben nur eine Schlacht und noch nicht den Krieg gewonnen. Jetzt müssen wir auch gegen Dortmund drei Punkte holen."

Der höchste Auswärtssieg seit über 32 Jahren und die beste Leistung in der laufenden Saison haben beim Hauptstadtklub noch einmal Kräfte freigesetzt. Der Rückstand auf den Relegationsrang beträgt nur noch fünf Punkte. Plötzlich scheint das Wunder wieder möglich. Alles, was nach dem 1:2 in der Vorwoche gegen den 1. FC Nürnberg von manchem Kritiker noch verdammt wurde, ist auf einmal gar nicht mehr so schlecht: Der Trainer, die Mannschaft, sogar die Perspektive.

Sinneswandel bei den Fans

"Wir haben uns von den Ereignissen der vergangenen Woche nicht beeinflussen lassen. Da gingen einige Dinge unter die Gürtellinie. Das hat die Mannschaft phantastisch weggesteckt", lobte Hertha-Coach Friedhelm Funkel: "Für einen 5:1-Sieg gibt es zwar auch nur drei Punkte. Aber unserem Selbstvertrauen wird das einen weiteren Schub geben. An dieser Leistung sollten wir uns orientieren."

Selbst die Fans, von denen einige Unverbesserliche nach der Pleite gegen den Klub noch mit Stangen bewaffnet im Olympiastadion gewütet hatten, waren nach dem Triumph beim VfL versöhnt. Wurde das Team vor der Partie noch mit höhnischen "Absteiger, Absteiger"-Rufen empfangen, gab es nach dem Schlusspfiff großen Jubel. In die Kurve gingen die Profis dennoch nicht. "Wir haben die Antwort auf den Empfang auf dem Platz gegeben", meinte Mittelfeldspieler Fabian Lustenberger.

Ob die Leistung in Wolfsburg tatsächlich als Maßstab für die noch ausstehenden sieben Spiele taugt, scheint fraglich. Der VfL präsentierte sich desolat. Beinahe wie Pylonen ließen sich die Niedersachsen vor den Gegentoren umkurven. Staunend verfolgte man, wie Matchwinner Theofanis Gekas einen Dreier- (6., 26. und 63.) und Adrian Ramos einen Doppelpack (8. und 84.) erzielten. Gerade in der Anfangsphase war fast jeder Hertha-Schuss ein Treffer - auch ein wenig ins Herz von VfL-Manager Dieter Hoeneß.

Schallende Ohrfeige für Dieter Hoeneß

Rund 13 Jahre lang war Wolfsburgs starker Mann das Gesicht der Berliner. Vor der laufenden Saison trennte man sich im Unfrieden. "Natürlich ist eine Niederlage in dieser Höhe bitter. Aber für mich spielt es keine Rolle, ob wir gegen Hertha oder eine andere Mannschaft verlieren", behauptete der 57-Jährige. Hoeneß dürfte sich das Wiedersehen dennoch anders vorgestellt haben. Zumal sich auch noch der Spott der Berliner Fankurve über ihn ergoss. "Hoeneß raus!", schallte es aus dem Hertha-Block.

Bei fünf Punkten Rückstand und noch sieben ausstehenden Spielen träumt die Hauptstadt wieder vom Spree-Wunder. Allerdings hat die Hertha noch einige Kaliber vor der Brust, trifft an den letzten drei Spieltagen auf Schalke, Leverkusen und die Bayern.

(SID/can)
Mehr von RP ONLINE