Sogar mehr Unentschieden in der Bundesliga: Drei-Punkte-Regel ändert nichts

Sogar mehr Unentschieden in der Bundesliga: Drei-Punkte-Regel ändert nichts

Frankfurt/Main (RPO). Mehr Tore? Mehr attraktive Spiel? Fehlanzeige! Die Drei-Punkte-Regel, die der Fußball-Weltverband Fifa seinen Mitgliedern seit der Saison 1995/96 vorschreibt, hat zumindest in der Bundesliga nicht die Auswirkungen gehabt, die sich ihre Väter erhofft hatten.

Zu diesem Ergebnis kamen jetzt Sportwissenschaftler von der Universität Münster. Demnach gab es mit der neuen Regel sogar etwas häufiger unattraktive, torlose Unentschieden.

Bis zur Saison 1994/95 erhielt eine Mannschaft für einen Sieg in einem Bundesliga-Spiel zwei Punkte, für ein Unentschieden einen Punkt. Ab der Saison 1995/96 trat auf Betreiben der FIFA die sogenannte Drei-Punkte-Regel in Kraft. Das bedeutet, dass der Sieger einer Partie seitdem drei Punkte bekommt, für Unentschieden gibt es unverändert einen Punkt.

Ziel der Regeländerung war es, ein offensiveres und attraktiveres Spiel zu fördern. Der Anreiz, ein Spiel für sich zu entscheiden und damit drei statt bislang zwei Punkte zu erzielen, sollte höher sein als sich mit einem Unentschieden zu begnügen. Damit sollte eigentlich der Anteil der Unentschieden deutlich sinken oder auch die Anzahl der geschossenen Tore deutlich steigen - würde man einer solchen ökonomischen Argumentation folgen. Jedoch ist Fußball nicht nur Ökonomie, sondern auch Psychologie, wie die Münsteraner Sportwissenschaftler anmerken.

Mehr als 13.000 Partien ausgewertet

Die Sportpsychologen Bernd Strauß, Norbert Hagemann und Florian Loffing untersuchten die Spielergebnisse der ersten Fußball-Bundesliga über 44 Spielzeiten von der Saison 1963/64 bis 2006/2007 und veröffentlichten das Ergebnis nun in der Zeitschrift "Sportwissenschaft".

In den vergangenen Jahren gab es den Forschern zufolge einige nationale und internationale empirische Studien, die Zweifel an den positiven Effekten der Drei-Punkte-Regel aufkommen ließen. Demgegenüber standen und stehen aber auch Studien, die zu einer positiveren Bewertung kommen.

Strauß und seine Co-Autoren analysierten insgesamt 13.406 Spiele. Sie ermitteln unter anderem, dass vor der Einführung der Drei-Punkte-Regel 25,89 Prozent der Spiele unentschieden ausgingen. Mit der Regel endeten dann 26,23 Prozent der Partien remis.

Unentschieden-Serie meist kein Grund für Trainerentlassung

Wenn man beispielsweise nur die torlosen Unentschieden betrachtet, die die Forscher als typischen Ausdruck eines besonders defensiven Spiels werten, ergibt sich kein anderes Bild. Auch hier ist kein relevanter Unterschied erkennbar: 6,37 Prozent vorher zu 7,08 Prozent torloser Spiele nachher. Praktisch bedeutsame Veränderungen der Resultate seien mit der Drei-Punkte-Regelung also nicht verbunden, resümieren die Forscher.

"Man darf nicht vergessen, dass es beim Fußball aus sportpsychologischer Sicht nicht nur um den Gewinn, sondern Trainern und Spielern insbesondere auch um die Vermeidung von Niederlagen geht - allemal in einem so öffentlichen Mediensport wie Fußball", erklärt Strauß und belegt das mit einem einleuchtenden Beispiel: "Trainer werden typischerweise nicht nach einer Serie von Unentschieden entlassen, wohl aber nach einer Serie von Niederlagen. Und an dem Prinzip, Niederlagen zu vermeiden, hat sich nichts geändert, ob nun mit oder ohne Drei-Punkte-Regel."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Fifa-Weltrangliste

(AP)