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Kommentar: Die seltsame Weltsicht der Fußball-Ultras

Kommentar : Die seltsame Weltsicht der Fußball-Ultras

Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) hat vergangene Woche die Öffentlichkeit aufgeschreckt. Straftaten rund um den Fußball seien merklich angestiegen, teilte sie mit. Das Wochenende scheint das zu belegen. Es brannte mal wieder in den Stadien.

Der Profifußball erlebt die Radikalisierung einer Fangruppe. Die Ultras, die sich für die Bewahrer der Werte halten, suchen die Kraftprobe mit den Verbänden und mit der Polizei. Sie geben vor, für die Fankultur zu kämpfen und setzen sich über Recht und Gesetz hinweg. Sie verweigern aus einem seltsamen Sendungsbewusstsein den Dialog mit der Polizei. Und sie fühlen sich in einer Sonderrolle bestärkt, weil die Vereine ihnen Sonderrechte beim Kartenkauf und der Verwaltung ihrer Kurven einräumen.

Die Lage hat sich verschärft, weil die Polizei nicht gerade behutsam mit Gewalttätern umgeht und dabei gelegentlich Unbeteiligte trifft. Das hat dazu beigetragen, dass Ultras aller Vereine die Polizei zum gemeinsamen Feind erklärt haben. Die paradoxe Folge: Ultras fühlen sich legitimiert, in einem rechtsfreien Raum zu operieren. Dass sie die große Mehrheit der Stadionbesucher gefährden, ist ihnen gleich. Gegen so ein Selbstverständnis hilft kein Dialog.

(RP/can/sgo)