DFL beschließt: 50+1-Regel im Profifußball bleibt bestehen

DFL-Entscheidungen: Profiklubs stimmen für 50+1-Regel — Videobeweis bleibt

Die umstrittene 50+1-Regel im deutschen Profifußball bleibt bestehen. Die DFL-Mitgliederversammlung nahm am Donnerstag überraschend einen entsprechenden Antrag des FC St. Pauli an. Zustimmung gab es zudem für den Videobeweis.

Christian Seifert wirkte ein wenig angefressen auf dem Podium des Sheraton-Hotels. Schmallippig kommentierte der DFL-Geschäftsführer das abrupte Ende der Diskussion über die Abschaffung von 50+1 im deutschen Profifußball. "Ich finde diese Regel generell ein wenig überhöht", sagte er: "Wir werden sehen, ob es möglich ist, sie und die damit verbundenen Ziele zu halten und ob das juristisch tatsächlich hält."

Statt der angekündigten, ergebnisoffenen Debatte schafften die Befürworter der Investoren-Sperre am Donnerstag während der DFL-Mitgliederversammlung innerhalb weniger Stunden Fakten. 18 Klubs stimmten für einen Antrag des FC St. Pauli, nach dem zwar weiter über "Rechtssicherheit" und "Rahmenbedingungen" diskutiert werden soll - aber immer nur "unter Beibehaltung der 50+1-Regel". Vier waren gegen die Formulierung, neun Vereine enthielten sich, drei Klubs beteiligten sich nicht an der Abstimmung.

"Das ist ein tolles Zeichen und ein guter Tag für alle, die es gut mit dem Fußball meinen", sagte Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig, früher Mitglied der DFL-Geschäftsführung: "Es gab kontroverse Diskussionen. Wir haben aber einen guten Kompromiss gefunden. Das Signal ist wichtig." Allerdings "dürfen wir jetzt nicht die Hände in den Schoß legen, sondern wir müssen größere Rechtssicherheit bekommen".

Viele Fans feiern die Entscheidung wie einen großen Sieg

Das betonte auch DFL-Präsident Reinhard Rauball. Es gebe sicherlich "gute Argumente, die besagen, dass 50+1 haltbar ist - ob das rechtlich verlässlich ist, kann aber keiner sagen", meinte der 71-Jährige, dessen Klub Borussia Dortmund sich im Vorfeld für 50+1 ausgesprochen hatte. Den Fans sagte Rauball: "Wenn euch das Ergebnis gefällt, gefällt es uns auch."

Die Tausenden Fans, die gegen die Abschaffung mobil gemacht hatten, feierten die Abstimmung in den sozialen Medien tatsächlich wie einen großen Sieg. Einen Rückschlag erlitten die millionenschweren Investoren, die ihre Augen längst auf die Bundesliga gerichtet haben.

Manuel Gaber, Sprecher der Fan-Initiative "50+1 bleibt!" erklärt: "Wir freuen uns, dass die Mehrheit der Vereine der Forderung der Fan-Basis gefolgt ist und 50+1 beibehalten wird. Das ist nicht nur eine elementare Entscheidung für den deutschen Fußball, sondern auch eine klare Botschaft an alle Fans, dass es sich lohnt sich einzumischen, die Stimme zu erheben und klare Positionen zu vertreten. Wir alle haben gemeinsam ein deutliches Zeichen gesetzt, das gesehen und ernst genommen wurde. Dafür möchten wir uns auch bei allen Unterstützer*innen bedanken. Der Fußball gehört uns allen!"

Marius Kanzinger, ein weiterer Sprecher der Initiative ergänzt: "Gleichwohl bedeutet dies nicht, dass wir uns jetzt zurück lehnen. Wir Fans sowie einige Vereinsvertreter haben gezeigt, dass wir fähig sind uns entschlossen gegen eine schier endlose Kommerzialisierung zu wehren. Wir freuen uns sehr über das Ergebnis und sind überzeugt davon, dass die Diskussion um die Entwicklung des deutschen Fußballs heute den richtigen Weg eingeschlagen hat."

Laut der 50+1-Regel dürfen Geldgeber in Deutschland nämlich nur die Mehrheit an einem Verein halten, wenn sie diesen mehr als 20 Jahre "ununterbrochen" und "erheblich" gefördert haben. Dies gilt für Bayer Leverkusen, den VfL Wolfsburg und 1899 Hoffenheim. Hannovers Präsident Martin Kind hatte seinen Antrag auf eine Ausnahmeregelung unlängst zurückgezogen.

In den anderen europäischen Top-Ligen gilt diese Regel nicht. Die Klubs, die sich offen für zumindest eine Lockerung gezeigt hatten, fürchten deshalb, dass die Bundesliga im internationalen Vergleich (weiter) abgehängt wird. Für beide Seiten gilt die englische Premier League als Paradebeispiel.

Auch der Videobeweis bleibt dauerhaft

Zum einen fließt auf der Insel das Geld dank russischer Oligarchen, US-Investoren und arabischer Scheichs in Strömen. Zum anderen sind aber sämtliche Premier-League-Klubs fremdbestimmt. Die englischen Fans haben kein Mitspracherecht. Die deutschen Fußball-Anhänger hatten Rauball kurz vor der Versammlung eine Petition für den Erhalt von 50+1 übergeben - mit Erfolg.

Deutlich unaufgeregter wurde der Videobeweis diskutiert, über den in der Hinrunde teils hitzig gestritten worden war. Nach der Entscheidung der Regelhüter des Weltverbandes FIFA am 3. März, die Technik offiziell zuzulassen, war die Entscheidung für den dauerhaften Einsatz des Schiedsrichter-Hilfsmittels in der Bundesliga wenig überraschend. Auch bei der WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) wird der "VAR" (Video Assistant Referee) zum Einsatz kommen.

Die Zweitligisten stimmten für eine "Offline"-Testphase ab der kommenden Saison, die so noch keinen Einfluss auf den Spielbetrieb haben wird.

(sid/cbo/ako)
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