DFB: Fritz Keller ist eine clevere Wahl als Präsident - ein Kommentar

Der Neue aus Freiburg : Keller ist eine clevere Wahl als DFB-Präsident

Der Deutsche Fußball-Bund hat kräftig daran gearbeitet, sich seinen Ruf komplett zu ruinieren. Von Fritz Keller darf man sich Besserung versprechen.

Der DFB ist ein mächtiges Konstrukt, mehr als sieben Millionen Mitglieder – so viele hat kein anderer Sportfachverband – sind unter dem Dach organisiert. Die meisten aufgrund einer Zwangsmitgliedschaft. Wer Mitglied in einem Fußballverein wird, ist auch beim DFB registriert. So erklären sich die Zuwachszahlen. Die Funktionäre haben keine Werbung für den Verband gemacht. Sommermärchen-Affäre, Posten-Geschacher, Gigantismus, abgehobene Führungskräfte bei der Nationalmannschaft. Es ist viel Vertrauen zerstört worden.

Kann der Winzer Fritz Keller nun für eine Kehrtwende sorgen? Ja. Er ist eine unglaublich clevere Wahl. Nach den Verbands-Karrieristen Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel, der einfach nur irgendein Amt wollte, ist Keller wohltuend umgänglich. Für ihn stand immer die Sache und nicht seine Person im Vordergrund. Bei vielen seiner Vorgänger war die Reihenfolge genau andersherum.

Keller steht vor großen Aufgaben. Er muss die Einheit des deutschen Fußballs wieder herbeiführen. Nicht mehr, nicht weniger. Dem DFB Glaubwürdigkeit und Kontinuität zurückgeben. Er muss erreichen, dass sich Profis und Amateure nicht noch weiter als ohnehin schon voneinander entfernen. Keller muss dem DFB ein Gesicht geben. Vor allem auf internationalem Parkett. Er muss dem Verband Gewicht geben, damit man sich auch wieder ernsthaft in gesellschaftliche Debatten einschalten kann und als Würdenträger nicht nur nett in Kameras lächelt und die Nähe zu Nationalspielern sucht. Der DFB braucht Keller. Sollte das Projekt mit dem Noch-Präsidenten des SC Freiburg scheitern, würde der deutsche Fußball wohl endgültig in zwei Lager zerfallen.

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