Der DFB ist mit dem Videobeweis zufrieden

Positives Saisonfazit : Der DFB ist mit dem Videobeweis zufrieden

Der Deutsche Fußball-Bund hat den Einsatz des Videobeweises analysiert und ein positives Fazit gezogen. Perfekt war die Trefferquote allerdings noch nicht.

82 korrigierte Entscheidungen, gerade einmal zwei ärgerliche Fehler: Trotz großer Kritik und heftiger Debatten hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Einsatz vom "Zankapfel" Videobeweis als positiv bewertet. "Es lässt sich erneut zweifelsfrei belegen, dass der Fußball in der Bundesliga durch die Arbeit der Video-Assistenten gerechter und fairer geworden ist", sagte DFB-Videochef Jochen Drees nach der Aufarbeitung der zurückliegenden Saison.

Jene 82 Situationen - 18 mehr als in der Test-Saison zuvor - wären nämlich "ohne zusätzliche Unterstützung aus dem Kölner Video-Assist-Center falsch bewertet worden", ergänzte Drees: "In den meisten Fällen hätten sie vermutlich zu einem anderen Spielverlauf sowie einem anderen Ergebnis geführt."

Und auch die Zeit, die durch den Prüfvorgang sowie die Kommunikation zwischen dem Unparteiischen auf dem Feld und dessen Videoassistenten verstrich, fiel deutlich geringer aus als möglicherweise befürchtet: 61 Sekunden dauerte ein solcher Vorgang im Schnitt. Verzichtete ein Schiedsrichter zudem auf den Gang in die Review-Area, waren es sogar nur 45 Sekunden.

Dennoch kündigte der frühere Schiedsrichter Drees an, "die Überprüfungsprozesse zu optimieren, da wir uns - wie jeder andere Leistungssportler auch - kontinuierlich verbessern wollen". Und müssen, sofern künftig auch noch die wenigen fehlerhaften Interventionen verhindert werden sollen.

Fälschlicherweise hatte der Videoassistent im Kölner Keller 19 Mal eingegriffen, letztlich führte das aber nur zu zwei tatsächlich falschen Entscheidungen. "In 17 übrigen Fällen, die meist in die Hinrunde fielen, war zwar der Eingriff des Video-Assistenten falsch beziehungsweise unnötig, die finale Entscheidung des Schiedsrichters nach dem On-Field-Review aber korrekt", erklärte Drees. Eine durchaus erfreulich Quote bei insgesamt 1728 durch den Video-Assistenten überprüften Situationen.

Vor allem bei Entscheidungen ohne Ermessensspielraum, z.B. dem Abseits oder der Torlinientechnik, hat sich das technische Hilfsmittel daher tatsächlich als sinnvolle Unterstützung erwiesen. Problematischer waren allerdings die zahlreichen Handspiele, die häufig unterschiedlich bewertet wurden - und den Referees daher lautstarke Kritik einbrachten.

"Das ist gegen den Fußball, das ist gegen den Sport, das ist gegen alles", sagte der frühere FIFA-Referee und heutige TV-Experte Urs Meier zur undurchsichtigen Auslegung. Freiburgs Coach Christian Streich stellte fest, dass die Schiedsrichter "langsam immer verrückter" werden, "weil sie nicht mehr wissen, was sie machen sollen".

Die Handspielauslegung und der Einsatz des Videobeweises würden, kündigte Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich bereits an, bei der Vorbereitung auf die kommenden Spielzeit "die Schwerpunktthemen" sein. Ob die Fans, Spieler und Verantwortlichen den Videobeweis dadurch aber tatsächlich lieb gewinnen und die Kritik verstummt, ist fraglich.

(sef/sid)
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