Streit in Hoffenheim: Demba Ba — ein Stürmer streikt

Streit in Hoffenheim : Demba Ba — ein Stürmer streikt

Düsseldorf (RP). Der Hoffenheimer Fußballstürmer weigert sich, zum Trainingslager des Bundesliga-Achten nach Spanien zu reisen. Offenbar zieht es ihn ins Ausland. Im Gespräch sind Klubs aus England und Frankreich.

Erst der Wechsel von Luiz Gustavo zu Bayern München, dann die überraschende Trennung von Trainer Ralf Rangnick und nun der Krach mit Demba Ba: Die TSG Hoffenheim kommt vor dem Start in die Rückrunde der Bundesliga erst einmal nicht zur Ruhe. Ba weigert sich seit Beginn der Woche, zur Mannschaft ins Trainingslager nach La Manga zu reisen. Rangnicks Nachfolger Marco Pezzaiuoli soll sich in einem Telefonat vergeblich darum bemüht haben, den senegalesischen Nationalspieler zum Flug nach Spanien zu bewegen. Ba, mit sechs Treffern bislang erfolgreichster Hoffenheimer Torschütze in dieser Saison, will anscheinend ins Ausland.

Demba Ba provoziert seinen Abschied aus Hoffenheim. Foto: ddp, ddp

"Das ist der Wahnsinn. So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte Ernst Tanner und kündigte Konsequenzen an. "Gegenüber seinem Arbeitgeber", betonte Hoffenheims Manager, "aber auch gegenüber seinen Mannschaftskollegen ist diese eigenmächtige Vorgehensweise in keinster Weise zu tolerieren." In der "Bild" erklärte der Manager, was den 25 Jahre alten Angreifer erwarten könnte: eine Geldstrafe oder eine fristlose Kündigung, "ohne aber für einen anderen Verein spielen zu dürfen".

Demba Ba hatte bereits im Sommer 2009 für Unruhe gesorgt, als er zum VfB Stuttgart wechseln wollte. Der Transfer in einer Größenordnung von 15 Millionen Euro platzte, weil Ba nach einer Operation nicht die sportmedizinische Untersuchung bestand. "Ich habe Fehler gemacht. Ich weiß schon, was ich an Hoffenheim habe", sagte Ba damals auf der klubeigenen Homepage. Anderthalb Jahre später will er offenbar unter allen Umständen wieder weg, obwohl sein Vertrag beim Bundesliga-Achten noch zweieinhalb Jahre läuft. Als mögliche Interessenten werden West Ham United, Stoke City, der FC Fulham (alle England) und Stade Rennes (Frankreich) genannt. West Ham soll rund sieben Millionen Euro geboten haben.

Der früher beschauliche Provinzklub im Kraichgau wird seit dem vereinsinternen Streit im Zusammenhang mit dem Weggang Gustavos von heftigen Turbulenzen geschüttelt. Es scheint, dass bei der TSG Hoffenheim unumkehrbar ein neues Zeitalter begonnen hat. Denn Dietmar Hopp will offenbar umsetzen, was er bereits in der ersten Phase des ehrgeizigen Projekts angekündigt hatte: Der Verein, in den der Mäzen und Gesellschafter etwa 175 Millionen Euro investierte, zwei Drittel davon für den Aufbau der Infrastruktur wie das Dietmar-Hopp-Stadion und die neue Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena sowie für das klubeigene Trainingszentrum, soll nach Hopps Wunsch zwar auch künftig "ambitionierte sportliche Ziele verfolgen", dies aber "unter unseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen". Muss sich da Hoffenheims Anhang dauerhaft auf bescheidene Zeiten einrichten?

Hopp will, dass die von ihm in hohem Maß geförderte TSG wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen kann. So sind auch die spektakulären Verkäufe der Brasilianer Carlos Eduardo und Luiz Gustavo zu verstehen, die dem Verein insgesamt geschätzt 35 bis 40 Millionen Euro eingebracht haben. Eduardo spielt jetzt für den zweimaligen russischen Meister Rubin Kasan.

(RP)