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Corona: Bundesliga drohen Geisterspiele bis Jahresende - Bund gegen Fan-Rückkehr

Beschlussvorlage für Corona-Beratungen : Bundesliga drohen Geisterspiele bis Jahresende

Der Fußball und alle anderen Sportarten in Deutschland müssen wahrscheinlich bis zum Jahresende ohne Zuschauer auskommen. Das geht aus einer Beschlussvorlage für die Beratungen zwischen Kanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten hervor. Nur in einem speziellen Fall könnte es Ausnahmen geben.

Corona setzt dem deutschen Spitzensport weiter zu. Wegen der angespannten Pandemie-Lage in Deutschland drohen der Fußball-Bundesliga bis zum Jahresende Spiele vor leeren Zuschauerrängen. Auf Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sollen größere Sportveranstaltungen mit Zuschauern bis mindestens 31. Dezember 2020 verboten bleiben. Das steht nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur und der Nachrichtenagentur AFP in einer Beschlussvorlage des Bundes für die Runde der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten am Donnerstag.

Dieses Verbot würde neben den Fußballclubs von der Bundesliga bis zur Regionalliga auch die Spitzenvereine im Handball, Basketball und Eishockey sowie weitere stark von Zuschauer-Einnahmen abhängige Sportarten empfindlich treffen. Die Bundesligasaison im Handball soll am 1. Oktober beginnen, die Basketballer und die Kufen-Cracks in der Deutschen Eishockey-Liga wollen im November in die Spielzeit 2020/21 starten.

Ein Hoffnungsschimmer für die Vereine: Ausnahmen könne es dem Vorschlag zufolge in Regionen mit sehr geringen Infektionszahlen geben. Dann müsse aber sichergestellt sein, dass die Teilnehmer ausschließlich aus dieser Region oder aus umliegenden Regionen mit entsprechenden Entwicklungen kommen, heißt es in der Vorlage. Für die Vereine würde dies einen riesigen organisatorischen Aufwand bedeuten, der kaum zu stemmen wäre.

Die Deutsche Fußball Liga hatte am Mittwoch im Zusammenspiel mit dem Deutschen Fußball-Bund ein überarbeitetes Hygienekonzept vorgestellt und den Vereinen der Bundesliga und 2. Bundesliga zugesendet. Die 36 Clubs der DFL sollen den Leitfaden auf ihrer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 3. September in den Statuten verankern.

Darin sind auch personalisierte Tickets für Zuschauer vorgesehen. Ob dies aber in der Umsetzung der von der Bundesregierung nun vorgeschlagenen Richtlinien zu einer Zulassung einer größeren Zahl von Fans in den Stadien führen kann, erscheint fraglich.

Absehbar wäre, dass es in den Top-Ligen zu keiner einheitlichen Lösung käme. Während Vereinen aus Regionen mit hohen Infektionszahlen weiter Geisterspiele drohen würden, dürften die Clubs aus Gegenden mit nur wenigen Corona-Erkrankungen auf Partien vor einem größeren Publikum hoffen.

Gegen einen solchen Flickenteppich hatte sich vor dem Polit-Gipfel in Berlin Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther ausgesprochen. Bei Fußballspielen vor Publikum dürfe es keine unterschiedliche Regelungen geben - „etwa in dem einen Land 30 Prozent und in dem anderen zehn Prozent besetzte Plätze“, sagte er der „Rheinischen Post“.

Bundesinnenminister Horst Seehofer sprach sich dafür aus, Fans zumindest in begrenztem Umfang wieder in die Stadien der Fußball-Bundesliga zu lassen. „Die Bevölkerung versteht es nicht, wenn im Nahverkehr viele Menschen auf engem Raum unterwegs sein dürfen, aber ein Fußballspiel mit wenigen Zuschauern und großen Abständen nicht möglich sein soll“, sagte der CSU-Politiker der „Augsburger Allgemeinen“.

(dpa/afp/old)