Clemens Tönnies und Co.: Die Bundesliga hat schon jetzt Kräfte gekostet

Kolumne Gegenpressing : In 127 Tagen ist wieder Winterpause

Die Bundesligasaison hat gerade erst angefangen und schon ist die Atmosphäre so aufgeheizt, dass von Leichtigkeit keine Rede mehr sein kann.

Es soll tatsächlich Zeiten gegeben haben, in denen dieser Satz gefallen ist: „Endlich ist die Sommerpause vorbei.“ Heutzutage ist man geneigt, zu folgender Formulierung überzugehen: „In 127 Tagen ist endlich wieder Winterpause.“ Vielleicht liegt es daran, dass es eigentlich nie eine Unterbrechung gegeben hat. Irgendwas war immer. Testspiel, Quatsch-Cup, Transfer-Theater. Dazu ist der Empörungsgrad deutlich angestiegen. Diskussionen sind nur noch selten möglich, weil sich die Lager allzu oft rigoros in Gegner und Befürworter teilen.

Dabei geht es ausdrücklich nicht um die rassistischen Äußerungen von Clemens Tönnies. Die sind und bleiben inakzeptabel. Gleichwohl muss man sich schon sorgenvoll die Frage stellen, wie mit so einem verbalen Fehltritt umgegangen wird. Tönnies ist da zuvorderst gefragt. Aber auch seine Gegner sollten zumindest die Frage erlauben, ob in Ton und Intensität nicht auch Grenzen überschritten werden. Das soll nichts von Tönnies’ Worten relativieren. In der Sache kann man standhaft bleiben. Und man kann sich dennoch um einen respektvollen Dialog ohne Lautsprecher bemühen.

Themen gibt es indes noch viel mehr. Der Videobeweis müht sich weiter, die Herzen der Fußball-Anhängerschaft zu erobern. Es ist schon erstaunlich, wie halbherzig das Projekt über lange Zeit vorangetrieben wurde. Besonders in der Außenkommunikation ist man maximal ungeschickt zur Sache gegangen. Mit dem Ergebnis: Frustration auf allen Seiten. Wird es in der neuen Saison besser? Vermutlich nicht. Denn immer noch gibt es unter den Schiedsrichtern viel zu viele unterschiedliche Interpretationen. Und besonders der Stadionbesucher wird komplett im Regen stehengelassen. Warum es 2019 ernsthaft nicht möglich sein soll, eine strittige Entscheidung auch auf einer Videoleinwand aufzulösen, ist einfach nicht vermittelbar. Damit aber auch genug der Empörung.

  Der Fußball ist omnipräsent. Es gibt kein Entkommen. Eine Fußballsaison ist wie ein gigantisch großes Shopping-Center, in dem man irgendwann berieselt von allzu vielen Düften und Geräuschen nur den Ausgang herbeisehnt. Am Freitag eröffnet der FC Bayern München die Saison und ist eifrig auf der Suche nach neuen Angestellten. Der Wettbewerb geht zwar los, aber das Transferfenster ist noch bis zum 2. September geöffnet. Die fünf Top-Ligen Europas konnten sich immer noch nicht auf einen gemeinsamen Termin einigen. Den Engländern ist es egal, was alle anderen machen.

Mit dem ersten Anpfiff kommt hoffentlich das Gefühl wieder. Sieg. Niederlage. Krise. Oder Euphorie. Ansonsten: Durchhalten!

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