1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Bundesliga: Showdown im Streit um die TV-Milliarden

Verteilung spaltet die Klubs : Showdown im Streit um die TV-Milliarden

Lange wurde gestritten und debattiert, nun steht der Verteilungskampf vor dem Ende: Am Montag gibt die DFL bekannt, wie die TV-Milliarden künftig ausgeschüttet werden.

Es ist ruhig geworden vor dem Milliarden-Showdown. Erstaunlich ruhig. Hitziger denn je hatte der deutsche Profifußball in den vergangenen Wochen und Monaten über die künftige Verteilung der TV-Gelder gestritten - vor der Verkündung des neuen Schlüssels am Montag scheint nun aber die Ruhe vor dem Sturm eingekehrt zu sein. Schon jetzt darf sich DFL-Boss Christian Seifert darauf einstellen, bei der virtuellen Mitgliederversammlung in viele enttäuschte Gesichter zu blicken.

Alle Parteien zufriedenzustellen, gleicht der Quadratur des Kreises - es ist dem Präsidium der Deutschen Fußball Liga (DFL) schlicht nicht möglich bei seiner Entscheidung, die den 36 Klubs der 1. und 2. Bundesliga am Montag (ab 11.30 Uhr) mitgeteilt wird. Rund 1,1 Milliarden Euro werden in den Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25 jeweils ausgeschüttet. Dass sich am bisherigen Verteilungsschlüssel - wie vielerorts gefordert - groß etwas ändern wird, ist unwahrscheinlich.

Sogar Holstein Kiels Präsident Steffen Schneekloth, im neunköpfigen DFL-Präsidium eigentlich ein Vertreter der "Kleinen", hatte sich zuletzt gegen eine "revolutionäre "Umverteilung" ausgesprochen. "Dieser Gedanke scheint zur Unzeit zu kommen", schrieb der Boss des Zweitligisten in einem Gastbeitrag für den kicker. Damit nahm er den Befürwortern einer spürbaren Umverteilung der Mediengelder von oben nach unten den Wind aus den Segeln.

Dabei ist jetzt schon klar, dass es weniger Geld geben wird - und zwar für alle. Aufgrund der Staffelung des neuen Schlüssels stehen den Klubs in der kommenden Saison insgesamt rund 200 Millionen Euro weniger zur Verfügung als in der laufenden Spielzeit. "Da kann sich jeder vorstellen, mit welchen Mindereinnahmen er zukünftig umzugehen hat", meinte Schneekloth.

Denn auch die Einnahmen aus der Auslandsvermarktung sinken, angeblich denkt die DFL deshalb bereits über den Einstieg von Investoren bei der Tochtergesellschaft Bundesliga International nach. Und da den Klubs während der Corona-Pandemie auch die Zuschauereinnahmen flöten gehen, werden sie den Gürtel spürbar enger schnallen müssen.

Natürlich will jeder trotzdem "mehr vom Weniger" abbekommen. "Anstand und Solidarität" hatte sich Seifert bei der Verkündung des Ausschreibungsergebnisses im Juni bei der folgenden "intensiven" Debatte gewünscht, auf mehreren Regionalkonferenzen hatte die DFL die verschiedenen Interessenslagen ausgelotet. Und doch zogen sich zuletzt tiefe Gräben durch den deutschen Profifußball.

Da waren auf der einen Seite die "Kleinen 14" (vier Bundesligisten und zehn Zweitligisten), die in einem Positionspapier eine starke Umverteilung zugunsten von mehr Chancengleichheit gefordert hatten, auch zahlreiche Fan-Bündnisse hatten sich für eine radikale Reform ausgesprochen. Auf der anderen Seite standen hingegen die "Großen 15" (14 Bundesligisten und Zweitligist Hamburger SV) rund um Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, die beim Leistungsprinzip bleiben wollen. Das Ganze gipfelte im von Rummenigge initiierten und vielbeachteten G15-Treffen am Frankfurter Flughafen, bei dem die "Revoluzzer" nicht erwünscht waren.

Dass eine grundlegende Änderung des Verteilungsschlüssels, der bislang zu 93 Prozent die Leistung der vergangenen fünf Spielzeiten berücksichtigt, wirklich einen spannenderen Wettbewerb mit sich brächte, ist eher unwahrscheinlich. Laut kicker bezieht Rekordmeister Bayern München in der laufenden Saison 105,4 Millionen Euro nationaler und internationaler Vermarktung - und damit rund 70 Millionen mehr als Aufsteiger Arminia Bielefeld (34,31). Alleine in der Champions League nahmen die Bayern in der vergangenen Spielzeit jedoch über 130 Millionen ein.

Klar ist nur eine Sache: Ruhig wird es nicht bleiben - egal welches Ergebnis Seifert am Montag präsentiert.

Hier geht es zur Infostrecke: So viel kassieren die 18 Bundesliga-Klubs

(old/sid)