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Bundesliga: Rekordschütze erklärt, wie man Elfmeter schießt

Abel hat die beste Quote der Bundesliga : So schießt man Elfmeter

Nur 66 Prozent aller Elfmeter wurden in der aktuellen Bundesliga-Saison verwandelt. Hans-Joachim Abel weiß, wie es geht. Mit 16 verwandelten Strafstößen bei 16 Versuchen ist der Ex-Profi heute noch der beste Elfmeterschütze der Liga. Wir haben mit ihm gesprochen.

Lothar Matthäus? Falsch. Rainer Bonhof? Quatsch. Ulf Kirsten? Auch nicht. Hans-Joachim "Jochen" Abel ist der sicherste Elfmeterschütze der Bundesliga-Geschichte. Uns hat der gebürtige Düsseldorfer sein Geheimnis erklärt.

Wer gesehen hat, wie kläglich Makoto Hasebe am vergangenen Wochenende mit seinem Elfmeter für Eintracht Frankfurt scheiterte, der wünscht sich die Konsequenz eines Jochen Abel zurück. Über Panenka-Lupfer und andere Spielereien kann der frühere Mittelstürmer, mit 60 Treffern Bochums bester Bundesliga-Torschütze, nur lachen.

Sein Motto in den 70ern und 80ern: "Hauptsache hinter der Linie." Die Bilanz des Torjägers, der für Fortuna Düsseldorf, Westfalia Herne, VfL Bochum und Schalke 04 die Schuhe schnürte, ist bis heute unerreicht: 16 Versuche, 16 Treffer. Seine Geheimwaffe: der harte Spannstoß.

Von 53 Elfmetern in dieser Saison wurden nur 35 verwandelt (66 Prozent) — schlechter war die Quote zuletzt in der Saison 1979/80 (63 Prozent). An Abel, der in Liechtenstein seinen Ruhestand genießt, lag das damals nicht. Im Interview spricht der 64-Jährige über Schusshärte, Reaktionszeit und einen zu kurzen Anlauf.

Herr Abel, tut es ihnen eigentlich weh, den Profis beim Elfmeterschießen zuzuschauen?

Abel Naja, ich muss jedenfalls schmunzeln, wenn ich auf der Couch sitze und sehe, was die Jungs so vom Punkt veranstalten. Wenn ich mich recht erinnere, wollte Leverkusens Chicharito Anfang Dezember gegen Freiburg in die Mitte schießen. Blöderweise blieb der Torwart stehen. Der Stürmer war irritiert und ist beinahe über seine eigenen Füße gestolpert. Das war schon ziemlich komisch.

Chicharito wollte es eben besonders schön machen. Hat die Ästhetik für Sie nie eine Rolle gespielt?

Abel Nein, nie. Mein Motto war: Hauptsache hinter der Linie. Beim Elfmeterschießen wird nicht gezaubert. Je einfacher die Variante, desto besser.

Wie sind Sie früher an die Sache herangegangen?

Abel Ich hatte zum Glück einen ganz tollen Schuss, einen der härtesten in der Bundesliga. Und ich war beidfüßig, auch ein Vorteil. Ich bin hingegangen, fünf Meter Anlauf, habe mir eine Ecke ausgesucht — und knack, immer schön knapp neben den Pfosten. Der Schuss muss hart und platziert sein, dafür braucht es einen langen Anlauf.

Zu viel nachdenken ist dabei nicht unbedingt hilfreich, oder?

Abel Man muss sich schon konzentrieren, darf aber nicht grübeln. Vor allem sollte der Schütze nicht zu sehr auf den Torhüter schauen — das verwirrt nur, siehe Chicharito.

Haben Sie Elfmeterschießen oft geübt?

Abel Klar, ich habe mich richtig vorbereitet. Im Training hat mir mal ein Trainer gesagt: 'Konzentriere dich, es könnte um Punkte gehen.' Also habe ich bei jedem Elfer alles gegeben. Jede Woche habe ich mindestens zweimal geübt. Wir haben im Team sogar gewettet, wer am besten schießt. Dabei ging es dann um eine Currywurst oder ein Bierchen.

Habe Sie sich auch über die gegnerischen Torhüter erkundigt?

Abel Ich wusste genau, wen ich vor mir habe — und wo er gerne hinspringt. Die Ecken habe ich munter gewechselt, aber meistens mit dem rechten Fuß geschossen.

Sollte der Gefoulte den Elfer selbst treten?

Abel Ich finde, das kann er schon machen, wenn er sich sicher fühlt. In meiner gesamten Profi-Karriere habe ich nur einen Strafstoß rausgeholt, weil ich mich selten theatralisch fallenließ — den habe ich mir nicht nehmen lassen und verwandelt.

Haben Sie auch Elfmeter geschossen, wenn es ernst wurde?

Abel Wir haben ständig gegen den Abstieg gespielt, darum war jeder Elfer wichtig.

Und Sie sind nie nervös geworden?

Abel Ich war mir meiner Sache absolut sicher, hatte immer ein gesundes Selbstvertrauen. So Spieler gibt es in jeder Mannschaft. Es sollte darum immer von Anfang an klar sein, wer an den Punkt geht.

(jado)