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Bundesliga Home Challenge: Borussia Mönchengladbach trifft auf den 1. FC Köln

Bundesliga Home Challenge : Gladbach gut gerüstet für digitales Derby gegen 1. FC Köln

Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln, zwei Mal 25 Minuten, 10.000 Zuschauer, zwei gegen zwei. Vieles ist gerade anders, Derby ist trotzdem. An der Konsole.

Stell dir vor, es ist Derby und niemand geht hin. Noch vor einigen Wochen bedurfte es einiger Vorstellungskraft, sich den Klassiker zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln weitgehend ohne Stadionbesucher vorzustellen. Schon wenige Tage später erschienen uns die Bilder, auf denen die Gladbacher Spieler ihren Derbysieg vor Hunderten Fans auf dem Vorplatz des Borussia-Parks feierten wie Aufnahmen aus einer anderen Welt. Wir alle lernen in diesen Tagen so schnell wie Neugeborene. Was vorgestern noch Science Fiction war, ist morgen schon Steinzeit.

Daher sollten wir unserem Hormonhaushalt schleunigst erklären, dass nun Zeit für leicht erhöhten Puls und feuchte Hände ist: am Samstag steht ein Derby an - an der Konsole. „Bundesliga Home Challenge“ nennt sich der Wettbewerb, in dem Bundesliga-Profis und E-Sportler nun bereits am vierten Spieltag Partien für ihre Klubs ausspielen. Zwei Wochen nach jenem ominösen Freitag, dem 13., an dem Fortuna Düsseldorf eigentlich Paderborn empfangen sollte und dann binnen Stunden die Sportwelt mit den Füßen nach oben in der Luft hing, hat die DFL bereits umgestellt. Statt in den Stadien der 36 Erst- und Zweitligisten ist nun vorerst regelmäßig samstags und sonntags ab 15.30 Uhr Anpfiff an der Konsole.

Je zwei Spieler pro Klub messen sich in zwei Duellen von jeweils rund 25 Minuten Länge mit dem Gegner des Spieltags. Die Teams setzen sich dabei aus mindestens einem Fußballprofi und einer weiteren Person aus dem Klub oder dessen Umfeld zusammen. Letzerer ist aus naheliegenden Gründen in der Regel ein E-Sportler und hat sich einen Namen wie Benedikt "BeneCR7x" Bauer (am Controller für den VfL Wolfsburg) oder Christian "xImpact10" Judt (SpVgg Greuther Fürth) verpasst. Besonders mutige Klubs verzichten aber auf professionelle Unterstützung und schicken gleich zwei Profis ins Rennen, die eigentlich fürs analoge Fußballspielen bezahlt werden.

Beim Duell der Rheinrivalen Gladbach und Köln stehen sich am Samstag ab 18.50 Uhr (Live-Ticker auf RP Online) zunächst Yannik „Jeffrry95“ Reiners (Mönchengladbach) und Tim „The Strxnger“ Katnawatos (Köln) gegenüber. Anschließend bekommt es Louis Hiepen, im Hauptberuf Innenverteidiger in Borussia Mönchengladbachs U23-Team, mit Noah Katterbach vom 1. FC Köln zu tun. Die Borussia darf eigentlich guter Hoffnung in das Duell gehen, der letzte Auftritt am 3. Spieltag geriet mit einem klaren 8:3 (2:1, 6:2) gegen Eintracht Frankfurt jedenfalls ganz nach Wunsch. Doch die Gladbacher müssen gegenüber dem letzten Spieltag gleich das halbe Team auswechseln. In der Vorwoche ging anstelle von Reiners noch Richard „Der_Gaucho 10“ Hormes als E-Sportler an den Start. Hiepen präsentierte sich bei seinem 6:2-Sieg gegen Frankfurts Nils Stendera jedoch ebenfalls als verlässliche Größe und muss nun beweisen, dass er auch in der Hitze des rheinischen Prestigeduells einen kühlen Kopf bewahrt

Dass die Borussen sich sehr wohl auf neue und ungewöhnliche Konstellationen einstellen können, bewiesen sie bereits. Gleich bei ihrem ersten Auftritt am zweiten Spieltag beschied ihnen der Spieltag eine Begegnung mit dem Schiedsrichter-Team. Jonas Hofmann kassiert dabei zwar eine empfindliche 1:2-Niederlage gegen Deniz Aytekin, zuvor hatte Reiners aber mit einem klaren 4:0 gegen Daniel Schlager bereits für klare Verhältnisse gesorgt. Die unvermeidlichen Scherze einiger Zuschauer, dass Borussia es schließlich gewohnt sei, gegen die Schiedsrichter zu spielen, waren angesichts des 5:2-Erfolgs unvermeidlich.

Der 1. FC Köln setzt dagegen trotz eines enttäuschenden letzten Spieltags auf Konstanz. Das Duo Katnawatos/Katterbach verlor am vergangenen Wochenende beide Spiele gegen den VfL Bochum - insgesamt mit 3:6. Am Samstag bekommen nun beide die Chance, sich gegen die bislang beeindruckend aufdaddelnden Gladbacher besser aus der Affäre zu ziehen. Der Druck dürfte also auf Seiten der Gäste aus Köln liegen, wie üblich bei einem Derby dürfte aber die nervliche Verfassung der womöglich entscheidende Faktor werden.

Dass es den Spielen an der Playstation an Emotionen fehlt, steht ohnehin nicht zu befürchten. Wer sich jemals ernsthaft der Herausforderung gestellt hat, FIFA an der Konsole gegen virtuelle oder reale Gegner zu spielen, wird sich an einige schwere Wutproben erinnern. Und wenn Gladbach gegen Köln spielt, bedarf es eigentlich keiner warmen Worte, um die Stimmung anzuheizen. Die Kulisse ist zwar virtuell, aber stattlich: Am vergangenen Spieltag sahen plattformübergreifend mehr als 10.000 den Duellen zu. Der Eintritt ist gratis.

Im Vordergrund steht bei aller Rivalität allerdings der Spaß. Der eigentliche virtuelle Wettbewerb wird bereits seit 2012 in der „Virtual Bundesliga“ ausgetragen. Der Wettbewerb pausiert jedoch derzeit aufgrund der Corona-Pandemie. Das Grand Final war für das letzte März-Wochenende angesetzt - als Präsenzveranstaltung.