Wahnsinn in Heidenheim und Köln Bayern gibt Führung aus der Hand und verliert beim Aufsteiger

Düsseldorf · Die Saison des FC Bayern München ist um einen weiteren Tiefpunkt reicher. Das Team von Thomas Tuchel verliert trotz einer 2:0-Führung in Heidenheim. Auch der 1. FC Köln dreht sein Heimspiel gegen Bochum in einer dramatischen Schlussphase noch zum Sieg.

Heidenheims Tim Kleindienst (r) jubelt vor den Fans über seinen Ausgleichstreffer zum 2:2 gegen Bayern.

Heidenheims Tim Kleindienst (r) jubelt vor den Fans über seinen Ausgleichstreffer zum 2:2 gegen Bayern.

Foto: dpa/Tom Weller

1. FC Heidenheim - FC Bayern München 3:2 (0:2)

Ein ersatzgeschwächter FC Bayern hat drei Tage vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League beim FC Arsenal in der Provinz den nächsten heftigen Tiefschlag hinnehmen müssen. Beim bitteren Jubiläum von Thomas Müller, der sein 700. Pflichtspiel für die Münchner bestritt, blamierte sich der Rekordmeister beim Neuling 1. FC Heidenheim trotz Zwei-Tore-Führung und unterlag verdient mit 2:3 (2:0).

Stürmerstar Harry Kane brachte die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel in der 38. Minute in Führung, für den Engländer war es bereits das 32. Saisontor. Serge Gnabry (45.) legte vor 15.000 Zuschauern nach. Kevin Sessa (50.) und Tim Kleindienst (51./79.) mit seinen Saisontreffern Nummer zehn und elf schlugen für die eine Hälfte lang harmlosen Heidenheimer jedoch zurück.

Beim mit Spannung erwarteten Auftritt am Dienstag (21.00 Uhr/Prime Video) in der Königsklasse müssen die Bayern ein ganz anderes Gesicht zeigen als in der verheerenden zweiten Halbzeit. Arsenal wird die Münchner noch mal mehr fordern als Heidenheim, das zuvor sechs Ligaspiele in Folge sieglos war.

Tuchel veränderte seine Innenverteidigung: Für Eric Dier und Matthijs de Ligt rückten Dayot Upamecano und Min-Jae Kim ins Team. Außerdem stand der lange Zeit verletzte Gnabry erstmals seit gut vier Monaten in der Startelf.

Ansonsten stellte sich die Bayern-Elf angesichts erheblicher Verletzungsprobleme fast von alleine auf. Tuchel musste auf Kapitän Manuel Neuer, Leroy Sane, Kingsley Coman, Aleksandar Pavlovic und Noussair Mazraoui verzichten. Auch Sacha Boey und Bouna Sarr standen noch nicht zur Verfügung. Bei allen ist ein Einsatz in London sehr fraglich.

Tuchel nahm sein Team nach der ernüchternden Klassiker-Pleite gegen Dortmund (0:2) trotz aller Probleme in die Pflicht. „Wir sind auf dem Weg nach London und übergeordnet nach Wembley. Deshalb gibt es einen Grund, alles zu geben“, sagte er bei Sky.

Sein Kollege Frank Schmidt war dagegen entspannt. „Die Kinder sind da, meine Frau sitzt zu Hause auf dem Sofa und schaut sich das gemütlich an“, sagte er.

Für sein Team war es lange ungemütlich. Die Bayern übernahmen sofort die Initiative, Heidenheim aber stand extrem kompakt. Die erste dicke Chance saß dann gleich, als Gnabry Kane mustergültig bediente und dieser eiskalt vollstreckte. Kurz darauf war Gnabry bei seinem neunten Saisontor nach Flanke von Alphonso Davies völlig frei.

Nach dem Wechsel musste erstmal Schiedsrichter Robert Schröder wegen Kreislaufproblemen ersetzt werden. Ihn vertrat der Vierte Offizielle Patrick Alt. Auch Schmidt reagierte und brachte drei Neue. Dies sollte sich schnell auszahlen, als der eingewechselte Sessa und Kleindienst einen schläfrigen FCB bestraften.

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Foto: dpa/Federico Gambarini

In der Folge entwickelte sich ein Schlagabtausch. Kane und Mathys Tel verpassten frei die erneute Führung. Beim 3:2 wurden die Gäste eiskalt ausgekontert. Wie angespannt die Lage bei den Münchnern ist, zeigte sich auch bei Tuchel, der wegen Meckerns die Gelbe Karte sah und gegen Köln am Samstag gesperrt ist.

1. FC Köln - VfL Bochum 2:1 (0:0)

Dank eines famosen Schlussspurts hat der 1. FC Köln im Kellerkrimi der Fußball-Bundesliga einen erlösenden Sieg gefeiert. Steffen Tigges (90.+1) und Luca Waldschmidt (90.+2) schossen den FC nach Rückstand zu einem 2:1 (0:1) gegen den VfL Bochum. Bei nun nur noch vier Punkten Rückstand auf den VfL, der den ersten Nichtabstiegsplatz belegt, kann Köln weiterhin auf die direkte Rettung hoffen. Der Relegationsplatz ist für den Tabellen-17. ebenfalls in Reichweite.

In den kommenden Duellen beim Abstiegskonkurrenten FSV Mainz 05 und gegen Darmstadt 98 kann Köln nachlegen. Der VfL, der im Februar Bayern München geschlagen hatte und durch Felix Passlack (53.) in Führung ging, wartet nun seit sechs Spielen auf einen Sieg und muss sich weiter nach unten orientieren.

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Foto: AP/Martin Meissner

FC-Trainer Timo Schultz hatte vor Anpfiff bei Sky von der „Crunch-Time“ im Abstiegskampf gesprochen und ein „offenes Visier“ angekündigt: „Wir müssen und wollen gewinnen, entsprechend spielen wir nach vorne.“ Die Kölner setzten diese Vorgabe um, Linton Maina (13.) und Sargis Adamyan (14.) vergaben erste gute Möglichkeiten. Wenig später hatten die Fans schon den Torschrei auf den Lippen, doch Davie Selke wurde im letzten Moment von Keven Schlotterbeck geblockt (18.).

In dieser Schlagzahl ging es zwar nicht weiter, Köln hatte bis auf wenige Momente das Geschehen aber im Griff. Bochum wurde im ersten Durchgang einzig nach einer Ecke gefährlich, doch Erhan Masovic verzog (22.). Es wurde zunehmend hitzig, die Zweikämpfe waren intensiv - erst kurz vor der Pause gab es noch ein spielerisches Highlight: Ein abgefälschter Schuss von Kölns U21-Nationalspieler Eric Martel (45.+1) ging knapp vorbei.

Im zweiten Durchgang erwischte der FC erneut den besseren Start, doch der Treffer fiel auf der Gegenseite. Passlacks Schuss landete abgefälscht im Tor. Schultz brachte frische Kräfte, um zumindest den Ausgleich noch zu erzwingen. Der eingewechselte Faride Alidou (69.) traf den Pfosten. Köln stemmte sich mit viel Einsatz gegen die Niederlage - und wurde in einem verrückten Finish doch noch belohnt.

1. FSV Mainz - SV Darmstadt 4:0 (1:0)

Der FSV Mainz 05 hat seine Aufholjagd im Tabellenkeller fortgesetzt und Darmstadt 98 den wohl entscheidenden Tiefschlag im Abstiegskampf verpasst. Im Kellerkrimi der Fußball-Bundesliga siegte der Tabellen-16. mit 4:0 (1:0) und baute seinen Vorsprung auf das Schlusslicht auf neun Zähler aus.

Bei strahlendem Sonnenschein vor 33.000 Fans trafen Andreas Hanche-Olsen (32.), Brajan Gruda (60.) und Jae-Sung Lee (80., 84.) für die Nullfünfer, die im dritten Spiel in Serie ungeschlagen blieben und mit nun 23 Punkten den Relegationsplatz festigten. Darmstadt hingegen gewann auch im 21. Anlauf nacheinander nicht, sechs Spieltage vor Saisonende rückt der Abstieg des Aufsteigers immer näher.

Vor dem „nächsten Finale“ hatte FSV-Trainer Bo Henriksen angekündigt, sein Team wolle „angreifen, angreifen, angreifen“. Lilien-Coach Torsten Lieberknecht hingegen betonte, „wie gierig“ auch seine Jungs seien. Dabei konnte der 50-Jährige unter anderem auf Toptorschütze Tim Skarke vertrauen, der nach muskulären Problemen rechtzeitig fit geworden war.

Die Partie begann mit einer hochkarätigen Chance des gebürtigen Darmstädters Jonathan Burkardt. Der Mainz-Stürmer, der erstmals in einem Pflichtspiel auf seinen Ex-Klub traf, scheiterte an Lilien-Keeper Marcel Schuhen (5.).

Beide Mannschaften versuchten, von Anfang an Nadelstiche zu setzen. Besser gelang dies den Mainzern, die den hoch pressenden Gegner häufig überspielten und sich dem Gästetor immer wieder annäherten.

Der muntere Verlauf ebbte zur Mitte der ersten Halbzeit ab, ein scharf getretener Freistoß von Nadiem Amiri (29.) stellte die Ausnahme dar. Dann aber brachte ein weiterer Freistoß der Leverkusen-Leihgabe die Mainzer Halbzeitführung: Amiris Hereingabe fand über Lee den Weg zu Hanche-Olsen, der aus kurzer Distanz sein erstes Saisontor erzielte.

Mit dem Rücken zur Wand stellte Lieberknecht zur zweiten Hälfte um und brachte in Aaron Seydel und Gerrit Holtmann zwei neue Offensivkräfte. Zwar zeigte sich das Schlusslicht bemüht, zwingende Möglichkeiten sprangen aber weiter nicht heraus. Mainz agierte defensiv clever - und legte nach einem Patzer der Darmstädter Defensive nach.

Einen katastrophalen Rückpass von Bartol Franjic fing Burkardt ab und bediente Gruda, das Eigengewächs drosch den Ball mit links in den Winkel. Die Lilien blieben harmlos, Lee machte alles klar.

SC Freiburg - RB Leipzig 1:4 (0:3)

Angeführt vom überragenden Lois Openda bleibt RB Leipzig voll im Rennen um einen Platz in der Champions League. Die Sachsen gewannen am 28. Spieltag der Fußball-Bundesliga dank Opendas doppeltem Doppelpack bei Toren sowie Vorlagen 4:1 (3:0) beim SC Freiburg und sind damit seit fünf Partien ungeschlagen.

Amadou Haidara nach 62 Sekunden, Openda (18./44.) und Benjamin Sesko (54.) trafen für die Leipziger, die sich für die enttäuschenden Nullnummer zuletzt gegen den FSV Mainz 05 rehabilitieren konnten. Die Freiburger warten seit fünf Heimspielen auf einen Dreier - auch weil Lucas Höler einen Strafstoß vergab (41.). Das Tor des eingewechselten Vincenzo Grifo (59.) war zu wenig.

Für den scheidenden SC-Trainer Christian Streich war es das erste Heimspiel seit seinem angekündigten Abschied zum Saisonende. Der 58-Jährige („Wir müssen das perfekte Spiel machen, um eine Chance zu haben“), wird ab der kommenden Saison durch Ex-Kapitän Julian Schuster ersetzt.

Streichs Gegenüber Marco Rose hatte eine Flasche Rotwein aus Österreich als Präsent für den SC-Trainer dabei. „Es ist mein Lieblingswein“, sagte Rose kurz vor dem Anpfiff bei Sky: „Er ist sicherlich ein Typ und ein Trainer, der der Bundesliga fehlen wird.“

Die 33.200 Zuschauer hatten kaum Platz genommen, da lag der SC bereits in Rückstand. Die komplette Freiburger Defensive inklusive Torwart Noah Atubolu sahen bei dem von Openda vorbereiteten Treffer nicht gut aus.

Die Gastgeber, bei denen unter anderem Matthias Ginter und Philipp Lienhart fehlten, hatten auch nach dem Rückstand alle Hände voll zu tun. Die Leipziger, die ohne Yussuf Poulsen auskommen mussten, waren das klar bessere Team.

Das Tor von Openda, der sich bei einem Konter gegen Lukas Kübler durchsetzte, fiel nicht überraschend. Nur sieben Minuten hätte der Belgier eigentlich erhöhen müssen, diesmal scheiterte er aber freistehend an Atubolu. Mit dem Zwei-Tore-Rückstand nach einer halben Stunde war der SC gut bedient.

Auch in den letzten Minuten der ersten Hälfte drehte sich alles um Openda. Erst verursachte der 24-Jährige einen Handelfmeter, den Höler an die Latte donnerte. Kurz darauf traf Openda in der Drangphase der Freiburger erneut. Sein 21. Saisontreffer wurde ihm durch den Patzer von SC-Abwehrchef Yannik Keitel auf dem Silbertablett präsentiert.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs brachte Streich in Grifo und Kiliann Sildillia zwei Neue. Zudem stellte der Coach in der Abwehr von einer Dreier- auf eine Viererkette um. Das zeigte Wirkung, die ersten Minuten gehörten dem SC. Dennoch war es Sesko, der nach Vorarbeit von Openda auf der Gegenseite traf.

Grifo verkürzte wenig später, im Anschluss drängte Freiburg auf weitere Tore. Roland Sallai traf Sekunden nach seiner Einwechslung die Latte (76.).

Union Berlin - Bayer Leverkusen 0:1 (0:1)

(sid/dpa/seka)
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