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Bundesliga: Geisterspiele sollen laut und bunt werden

Pappfans und Roboter-Trommler : Fußball-Geisterspiele sollen laut und bunt werden

Fans aus Pappe, trommelnde Roboter, Autokinos vor dem Stadion: Ausgesperrte Fußball-Anhänger rüsten sich für Geisterspiele.

Die Armee der Pappkameraden wächst von Tag zu Tag. Tausende Fan-Fotos stehen bereits im Stadion von Borussia Mönchengladbach, die meisten in der Nordkurve, fast alle Anhänger tragen auf den Bildern Trikot oder Schal. "Wir haben über 6500 Bestellungen. Das ist überwältigend, damit hätten wir nie gerechnet", sagt der Vorsitzende Thomas Ludwig von Borussias Fanprojekt, das die Aktion ins Leben gerufen hat, im SID-Gespräch. Jetzt muss nur noch gekickt werden.

Auch in anderen Städten bereiten sich viele Fans derzeit kreativ auf die ungeliebten Geisterspiele vor. Die Ideen reichen von Gesängen über Stadionlautsprecher bis hin zu trommelnden Robotern. Ludwig ist nicht von allen Vorschlägen gleichermaßen begeistert. "Alles, was künstlich wirkt, ist nicht in unserem Interesse. Unsere Aktion ist auch ein Mahnmal, dass Fans im Stadion nicht zu ersetzen sind. Es darf nie so weit kommen, dass keine Zuschauer mehr ins Stadion gelassen werden", sagt der 50-Jährige.

Ludwig weiß, wovon er spricht: Die Gladbacher haben im März das erste Geisterspiel der Liga-Geschichte ausgetragen. Auch der damalige Gegner 1. FC Köln hat offenbar seine Lehren aus dem trostlosen Schauspiel gezogen und eigene Planungen aufgenommen. So soll die Südtribüne des FC-Stadions mit Bannern, Fahnen und Plakaten versehen werden. "Dabei würden wir dann auch gerne die Fans mit einbeziehen", sagte Kölns Finanz-Boss Alexander Wehrle der Bild-Zeitung.

Vergleichsweise abstrus wirkt im Vergleich das Konzept der neuen App "MeinApplaus". Die Idee: Während des Spiels können Fans auf dem heimischen Sofa per Knopfdruck entweder klatschen, pfeifen, jubeln oder singen. Die Vereine können diese Emotionen dann über ihre Lautsprecher-Anlagen in den Stadien abspielen. "Motiviere die Spieler und feuere sie an", heißt es in der Werbung für die App. Ludwig hält das für "affig", auch wegen der zu erwartenden Zeitverzögerung. "Eine künstliche Anfeuerung über Lautsprecher lehne ich ab", sagt er.

Das gilt auch für die Roboter, die derzeit beim Baseball-Team "Chinatrust Brothers" aus Taiwan auf den Tribünen per Fernsteuerung auf Trommeln schlagen. Charmanter wirkt da schon die Idee des dänischen Fußball-Erstligisten FC Midtjylland. Der Klub hat auf den Parkplätzen des Stadions große Leinwände für eine Art "Autokino" errichtet. Bis zu 10.000 Fans können dort die Spiele live verfolgen und über ihre Radios den Kommentar der TV-Reporter hören. Der Verein hofft beim "Drive-In-Fußball" auf Hupkonzerte bei Toren.

Gemeinsam ist allen Fußballfans die Hoffnung, dass ihre Unverzichtbarkeit den Klubs in den kommenden Wochen klar wird. Gleichzeitig fürchten viele Anhänger Maßnahmen, die "konträr zu Fan-Interessen sind", wie Ludwig es ausdrückt. Gemeint ist die Abschaffung der 50+1-Regel. "Bei Borussia bin ich nah genug dran, hier ist die Wertschätzung der Fan-Interessen auf jeden Fall da. Bei anderen Vereinen bin ich mir nicht zu 100 Prozent sicher", sagt er.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fan-Doppelgänger im Borussia-Park aufgestellt

(ako/sid)