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Bundesliga: Funkel, Crona, Hütter: Das sind die spannendsten Fragen im Endspurt

Noch sechs Spieltage : Die spannendsten elf Fragen im Bundesligaendspurt

Die Bundesliga geht in ihre entscheidende Phase, nur noch sechs Spieltage stehen an. Abgesehen davon, ob die trotz Corona-Pandemie ohne weiteres durchgeführt werden können, bringt der Saisonendspurt weitere spannende Fragen mit sich, die in den kommenden Wochen beantwortet werden.

1. Bleibt Hansi Flick in München?

Präsident Herbert Hainer sieht seinen FC Bayern als „Opfer“ in der Bundestrainerfrage, weil Hansi Flick als Nachfolger von Joachim Löw gehandelt wird. Da Flick in München noch einen Vertrag bis 2023 besitzt, bringen die Diskussionen viel Unruhe in den Verein. Allerdings ist es nicht nur die Aussicht auf den Bundestrainer-Posten, die einen Abgang Flicks realistisch machen. Es gibt intern große Spannungen zwischen dem Trainer und Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Flick ist offenkundig nicht zufrieden mit dem Kader, den ihm Salihamidzic zur Verfügung gestellt hat. So bezeichnete er die Mannschaft der vergangenen Saison kürzlich als stärker als die aktuelle - eine klare Spitze gegen Salihamidzic.

Es ist bekannt, das Trainer und Sportdirektor schon öfter aneinander gerieten. Vorstandschef Karl-Heinz Rummennige rüffelte sie dafür bereits öffentlich in der „Bild“: „Wir müssen alle an einem Strang ziehen, müssen harmonisch, loyal und professionell zusammenarbeiten. Das ist meine klare Forderung an die sportliche Führung.“ Dass das noch gelingt, glaubt Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus indes nicht, aus seiner Sicht ist das Verhältnis „nicht mehr zu kitten“. Klare Aussagen, wie es in Zukunft weiter gehen soll, gibt es weder von Salihamidzic noch von Flick. Letzterer blockte Nachfragen am vergangenen Wochenende stets ab: „Nächste Frage.“

Wenn es dabei bleibt, wird sich dieses Thema bis nach der Europameisterschaft hinziehen, wenn der neue Bundestrainer präsentiert wird. Es bleibt abzuwarten, ob und inwiefern es sich auf den Saisonendspurt der Bayern auswirken wird, vor allem, wenn am Dienstag das Aus in der Champions League Realität werden sollte. Eine Basis für eine weitere Zusammenarbeit ist aktuell jedenfalls nicht zu erkennen.

2. Wird in dieser Saison noch vor Zuschauern gespielt?

Seit die Stadien in der Bundesliga wegen der Corona-Pandemie leer bleiben müssen, arbeitet Union Berlin sehr verbissen an Lösungsmöglichkeiten, um bald wieder Zuschauer zulassen zu dürfen. Anfang März führte Union mit anwesenden Journalisten und Ordnungskräften bereits einen Testlauf durch, wie vor einem Bundesligaspiel für alle Besucher Schnelltests durchgeführt werden können. Es bestand die kleine Hoffnung, bereits am Ostersonntag gegen Hertha als Teil eines Pilotprojekts Zuschauer zulassen zu können, doch daraus wurde nichts.

Stattdessen richten sich die Augen nun auf Mönchengladbach: Die Stadt wurde als eine von 14 Modellkommunen ausgewählt, die ab dem 19. April testweise Corona-Lockerungen einführen dürfen. Dazu gehört auch, dass wieder Zuschauer im Borussia-Park zugelassen werden. Ob es bereits am 25. April gegen Arminia Bielefeld klappt, ist offen. Danach gibt es noch ein weiteres Heimspiel am 15. Mai gegen den VfB Stuttgart. Die Chancen, dass wenigstens bei einem Spiel Fans zugelassen werden, stehen so gut wie lange nicht mehr.

3. Schafft der BVB den Einzug in die Champions League?

„Ich habe keinen Bock, in der Europa League zu spielen. Ich will Champions League spielen“, beteuerte BVB-Profi Emre Can bei Sky nach der 1:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt am Osterwochenende, durch die der Rückstand auf den vierten Tabellenplatz inzwischen sieben Punkte beträgt. Dass das so ist, haben sich die Dortmunder jedoch selbst zuzuschreiben, weil sie eben dieses direkte Duell gegen die Eintracht verloren und zuvor schon häufig gepatzt haben. „Wir hecheln hinterher“, bemerkte Sportdirektor Michael Zorc in der ARD-„Sportschau“: „Natürlich wäre es sportlich vom Renommee für uns ein herber Rückschlag.“ Die Champions League wird vom BVB inzwischen vorausgesetzt, es ist das „Selbstverständnis“, wie Zorc sagte. Er räumte aber auch ein: „Wir haben es dieses Jahr nicht auf den Platz gebracht.“

Im Restprogramm tummeln sich für den BVB mit Wolfsburg und Leipzig zwei Topteams der Liga, für Bayer Leverkusen und Union Berlin geht es noch um Europa und auch ein Sieg bei den wiedererstarkten Mainzern muss erst einmal eingefahren werden. Dazu braucht es noch mehrere Ausrutscher der Frankfurter. Die Chancen des BVB, ihrem neuen Trainer Marco Rose die Champions League bieten zu können, stehen also nicht besonders gut.

4. Wer wird Trainer von Borussia Mönchengladbach?

Gerardo Seoane, Jesse Marsch, Florian Kohfeldt, Oliver Glasner, Xabi Alonso - sie alle wurden oder werden als neuer Trainer bei Borussia Mönchengladbach gehandelt, doch sieht es aktuell nicht danach aus, als würde einer dieser Kandidaten das Rennen machen. Stattdessen ist tatsächlich Adi Hütter von Eintracht Frankfurt momentan der Favorit auf den Posten. Durch eine Ausstiegsklausel könnte er die Hessen am Saisonende verlassen.

Im ersten Moment klingt es unrealistisch: Wieso sollte Hütter von einem wahrscheinlichen Champions-League-Teilnehmer, bei dem er seit Jahren erfolgreich arbeitet, zu einem Verein gehen, der vielleicht gar nicht europäisch spielt? Doch endet in Frankfurt in diesem Sommer möglicherweise ein kleiner Zyklus: Sportvorstand Fredi Bobic wird ebenso gehen wie Sportdirektor Bruno Hübner und auch die Mannschaft wird nur schwierig zusammenzuhalten sein. Wieder einmal. Vielleicht will Hütter lieber anderswo neu anfangen, vielleicht sieht er seine Arbeit in Frankfurt als erledigt an.

Am kommenden Wochenende treffen Borussia und die Eintracht direkt aufeinander. Sollte Hütter tatsächlich der neue Mann in Mönchengladbach sein, werden er und alle Verantwortlichen in dieser Woche viel aushalten müssen, wenn sie es noch nicht verkünden wollen oder können. Denn Borussia ist mit seinem Wunschkandidaten offenbar sehr weit, auf einer „langen Zielgerade“, Kostenpflichtiger Inhalt wie Vizepräsident Rainer Bonhof kürzlich im Interview mit unserer Redaktion sagte. Er wisse auch schon, wer es sein wird. Alles spricht momentan für Adi Hütter, verschiedene Medien vermelden bereits eine Einigung. Aber die gab es angeblich auch mit Xabi Alonso.

5. Wird Corona den Spielbetrieb beeinflussen?

Bislang gab es in der Bundesliga erst eine einzige Spielabsage in der laufenden Saison - und das war wegen starken Schneefalls die Partie zwischen Bielefeld und Bremen. Corona hat noch nicht dafür gesorgt, dass Spiele verschoben werden mussten. Anders sieht es in der 2. Bundesliga aus: Dort stecken aktuell gleich mehrere Mannschaften komplett in Quarantäne, der ohnehin bereits eng getaktete Spielplan ist durcheinandergewirbelt und stellt die Deutsche Fußball-Liga (DFL) bei der Planung und dann letztlich die Spieler bei der Durchführung vor eine große Herausforderung. Vor allem Holstein Kiel ist betroffen und könnte durch die immense Belastung zum Saisonende hin einen großen Nachteil im Aufstiegskampf haben.

Zwischen dem letzten Spieltag der Bundesliga und dem Start der Europameisterschaft liegen nicht ganz drei Wochen, nach hinten heraus sind also keine Verschiebungen mehr machbar. Die DFL hat deshalb bereits darüber nachgedacht, die Mannschaften in eine Art „Quarantäne-Trainingslager“ zu schicken, um sicherzustellen, dass die Spieltage wie geplant durchgeführt werden können. Die Pläne wurden aber erst einmal wieder verworfen. Angesichts steigender Corona-Zahlen und immer mehr Fällen auch im Fußball wäre es naiv, davon auszugehen, dass die Bundesliga in den letzten Wochen komplett verschont bleibt. Die Frage ist also eigentlich nicht ob, sondern wie stark Corona den Saisonendspurt der Bundesliga beeinflussen wird.

6. Wird es einen spannenden Titelkampf geben?

In der jüngeren Vergangenheit hat der FC Bayern München im Verlaufe einer Saison immer mal ein wenig gestrauchelt und andere Teams an die Tabellenspitze gelassen, um dann am Ende aber doch wieder souverän Deutscher Meister zu werden. Auch in dieser Spielzeit gab es bereits mehrere Tabellenführer, doch nach dem 27. Spieltag schien doch wieder alles entschieden: die Bayern gewannen das Topspiel bei ihrem ärgsten Verfolger RB Leipzig und eilten mit sieben Punkten Vorsprung davon. Gegen Union Berlin kamen die Münchner dann aber nicht über ein Unentschieden hinaus und die konstanten Leipziger konnten den Rückstand wieder verkürzen.

Das kommende Bayern-Programm mit Wolfsburg, Leverkusen, Mainz und Gladbach ist zudem nicht zu unterschätzen. Die internen Querelen sorgen beim Rekordmeister zusätzlich für Unruhe, der in der Breite für Bayern-Verhältnisse nicht besonders hochwertig besetzte Kader muss zudem schwerwiegende Verletzungen hinnehmen. Gut möglich also, dass die Bayern noch einmal ins Wanken geraten. Und dann wollen ja immer alle da sein. Kann RB Leipzig das?

7. Kann Friedhelm Funkel den 1. FC Köln retten?

Nach der Niederlage im Abstiegsduell mit dem FSV Mainz 05 hat der 1. FC Köln die berühmte Reißleine gezogen und Trainer Markus Gisdol entlassen. Die Kölner sind inzwischen auf Rang 17 abgestürzt, bei drei Zählern Rückstand auf die Plätze 16 und 15 ist die Lage aber bei weitem nicht aussichtslos. Da die nächsten Gegner jedoch Leverkusen und Leipzig heißen, könnte sich das schnell ändern. Friedhelm Funkel wird allerdings antreten, um das zu verhindern. Wichtig wird es zunächst sein, die kommenden zwei Aufgaben ohne großen Schaden zu überstehen, dann kommen mit Augsburg, Freiburg, Hertha und Schalke Gegner, gegen die es zu punkten gilt.

Die Historie spricht dabei gegen Funkel: 2002 trat er schon einmal in Köln an, um den „Effzeh“ vor dem Abstieg zu retten und scheiterte. Immerhin gelang ihm danach der direkte Wiederaufstieg. Dieses Szenario würde man in Köln diesmal sicher gerne vermeiden.

8. Knackt Lewandowski den Müller-Rekord?

Eine Frage, die gefühlt in jeder Saison gestellt wird und deren Beantwortung mit „Ja“ diesmal so nah wie noch nie schien, war Robert Lewandowski mit 35 Toren nach 26 Spieltagen doch auf dem besten Wege dahin. Doch dann verletzte sich der Pole während eines Länderspiels und fehlt dem FC Bayern mehrere Wochen. Das ist nicht nur schädlich für die Champions-League-Ambitionen seines Vereins, sondern gefährdet auch diese historische Bestmarke, die Lewandowski aufstellen könnte.

40 Tore in einer Saison, das hat bislang nur Gerd Müller 1971/72 geschafft. Es hätten auch 43 sein können, hätte Müller nicht noch drei Elfmeter verschossen. Und was hätte Lewandowski erreichen können, wenn er alle acht Spiele im Saisonendspurt nach der Länderspielpause hätte machen können? Kann er aber eben nicht. Wann genau Lewandowski wieder spielen wird, ist unklar. Erste Prognosen sprachen vom 32. Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach. Dann hätte er noch drei Spiele, in denen er mindestens fünf Tore erzielen müsste. Zwar ist Borussia nicht gerade ein Lieblingsgegner Lewandowskis (gegen keinen anderen Bundesligisten hat er einen schlechteren Toreschnitt) und es könnten nur noch zwei Spiele bleiben, doch wem wäre das zuzutrauen, wenn nicht ihm?

9. „Muss“ Max Kruse mit Union in die Europa Conference League?

Momentan belegt Union Berlin den siebten Tabellenplatz und würde sich damit, vorausgesetzt RB Leipzig oder Borussia Dortmund gewinnen den DFB-Pokal, für die neu geschaffene Europa Conference League qualifizieren. Sehr zum Leidwesen von Max Kruse: „Europa Conference League hätte ich irgendwie keinen Bock drauf. Ich weiß noch nicht einmal, was das ist“, hatte er vor Kurzem bei Sky zu Protokoll gegeben: „Da können dann andere spielen.“ Wenn das so ist, dann muss Union trotz eines schwierigen Restprogramms (Stuttgart, Dortmund, Bremen, Wolfsburg, Leverkusen, Leipzig) noch einen Zahn zulegen, um unter die besten sechs zu kommen und sich für die Europa League zu qualifizieren. Vielleicht geht es aber auch nach unten und es gibt gar keinen internationalen Wettbewerb - ob Max Kruse das lieber wäre?

Es gibt jedenfalls Vereine, die würden auch die Europa Conference League gerne mitnehmen. Zum Beispiel Borussia Mönchengladbach: „Jeder Wettbewerb in Europa ist für Mönchengladbach - ich würde denken auch für Union, wenn sie ihn erreichen können - ein großartiger Erfolg“, sagte Sportdirektor Max Eberl dazu. Auch der Aufsteiger VfB Stuttgart oder der SC Freiburg, die ebenfalls noch in der Verlosung sind, hätten sicher nichts dagegen. Für alle ist aber auch die Europa League noch möglich, Bayer Leverkusen und der BVB sind noch nicht außer Reichweite. Es dürfte also spannend werden, wer am Ende in die Europa Conference League „muss“.

10. Wird Hannes Wolf zur Dauerlösung in Leverkusen?

Seine erste Aufgabe als Trainer von Bayer Leverkusen hat Hannes Wolf gemeistert: Gegen den FC Schalke 04 holte er sogleich den ersten Sieg. Alles andere hätte aber auch sofort wieder für große Unruhe gesorgt, so ehrlich muss man sein. Doch mittlerweile ist die Zuversicht zurück unter dem Bayer-Kreuz: „Wir haben einen sehr guten Kader mit tollen Spielern – egal, wer von Anfang an dabei ist oder im Spiel reinkommt“, sagte Wolf. Karim Bellarabi sprach von „neuem Schwung“ seit Wolfs Übernahme und Sportdirektor Simon Rolfes blickte gar nach oben auf Rang vier, der ein ganzes Stück entfernt ist: „Im Fußball darfst du nie eine Sache ausschließen. Frankfurt und Wolfsburg befinden sich in einer sehr guten Ausgangsposition, aber im Fußball hat es schon viele Szenarien gegeben.“

Es wäre fast schon ein Wunder, wenn Bayer es noch in die Champions League schaffen würde. Aber dann gäbe es wohl kein Argument mehr, Hannes Wolf, der derzeit vom DFB ausgeliehen ist, nicht weiter zu beschäftigen. Aber auch wenn es am Ende wieder „nur“ die Europa League wird, könnte sich Wolf eine Festanstellung bei der Werkself verdienen. Nämlich dann, wenn er die Mannschaft stabilisiert, anders als Vorgänger Peter Bosz nicht stur und erfolgsunabhängig an einer Spielweise festhält und eben Ergebnisse liefert. Der Saisonendspurt wird Aufschluss darüber geben, ob Wolf für Bayer eine Dauerlösung sein kann.

11. Geht Klaas-Jan Huntelaar mit Schalke in die 2. Liga?