Bundesliga: Das Duell zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund findet auch im Kopf statt

Bayern gegen Dortmund : Der Meisterschaftskampf findet auch im Kopf statt

Das Finale in der Bundesliga ist so spannend wie lange nicht mehr. Der FC Bayern hat die Meisterschaft am letzten Spieltag selbst in der Hand. Der BVB hofft auf einen Ausrutscher. Das Fernduell findet auch im Kopf statt.

Hans-Joachim Watzke hatte sich etwas überlegt, und das wollte er dann auch eifrig in die Notizblöcke der Journalisten diktieren. Wie wichtig ihm dieses Vorhaben war, sah man allein daran, dass der Geschäftsführer von Borussia Dortmund die Etikette beiseite ließ und nicht etwa dem Gästetrainer das erste Wort bei der Pressekonferenz überließ. Nein, Watzke, noch in eine dicke Daunenjacke gepackt, nahm nach dem schmeichelhaften 3:2 gegen Fortuna Düsseldorf neben Dortmunds Trainer Lucien Favre und eben Friedhelm Funkel auf dem Podium im Medienzentrum des BVB Platz und ließ sich rasch von Mediendirektor Sascha Fligge das Wort übergeben. Es folgten ein paar Plattitüden, bevor Watzke zu seiner Kernaussage kam: „Wir haben keinen Druck mehr, der liegt jetzt ganz bei den Bayern. Wir haben jetzt die Situation, dass die Bayern alles verlieren können und wir alles gewinnen können. Mehr braucht man dazu nicht zu sagen.“ Es ist die Fortsetzung des Meisterkampfs, der nicht auf dem Platz stattfindet, sondern im Kopf. Dortmund und der FC Bayern München schenken sich auch in diese Hinsicht nichts.

Watzke hatte am Samstag natürlich gemerkt, dass sein Klub, das Team und auch die Fans gelähmt wirkten. Zu viele Chancen hatten die Borussen in der laufenden Saison liegengelassen, um die Bayern nachhaltig zu distanzieren. Und trotzdem schaltete Watzke in der Woche vor dem Düsseldorf-Spiel nochmal in den Attacke-Modus. Die Folgen waren auf dem Platz zu sehen, als die Borussen gegen einen selbstbewussten Aufsteiger wenig dominant auftraten. Auch Lucien Favre bekannte: „Wir standen unter enormem Druck.“ Darauf sei auch die Schlussphase zurückzuführen gewesen, in der die Dortmunder trotz einem Mann mehr auf dem Platz und einer 3:1-Führung den Sieg beinahe noch verspielt hätten.

Deshalb schaltet Watzke nun also wieder in den Tiefstapel-Gang, will im Psycho-Spiel die Nervosität der Bayern fördern. Motto: Wir sind doch ganz locker drauf, euch schlottern jetzt doch die Knie.

Beim FC Bayern München nimmt das Rumgeeiere ein bedrohliches Ausmaß an. Hasan Salihamidžic vollführte im „Aktuellen Sportstudio“ das Fremdschäm-Kunststück, ein klares Bekenntnis zu Niko Kovac zu vermeiden. Man gewinnt den Eindruck, der Trainer kann unter Umständen nur seinen Job retten, wenn er mindestens den Titel gewinnt. „Wenn wir Meister werden, dann wird es eine Zwei plus“, sagte Salihamidžic. „Wenn nicht, dann war das eine Scheißsaison!“ Hinter den Kulissen gibt es ein formidables Hauen und Stechen zwischen den Alphatierchen und wer sich alles dafür hält. Uli Hoeness und Karl-Heinz Rummenigge sind jedenfalls noch uneins darüber, wie es in Sachen Kovac weitergehen soll. Kovac wird vor allem zur Last gelegt, dass er beim Achtelfinal-Aus gegen Liverpool (1:3 im Rückspiel) zu destruktiv hat spielen lassen.

Die Bayern haben alles in der eigenen Hand. Beim 0:0 gegen Leipzig haben sie die Chance vertan, bereits den ersten Matchball zu verwandeln. „Ich werde sechs oder sieben Tage wunderbar schlafen, weil ich weiß: Wenn sie so spielen wie heute, so fighten, sich so reinhauen, dann sind wir am Samstag deutscher Meister. Ihr wolltet doch alle eine spannende Bundesligasaison, jetzt habt ihr sie“, sagte Hoeneß, nach dem er sich zuvor wegen einer aus seiner Sicht strittigen Schiedsrichterentscheidung in Rage geredet hatte.

Als die Bayern-Anhänger sich in der 50. Minute durch einen Treffer von Nationalspieler Leon Goretzka schon in Titelstimmung wähnten, griff der Videoschiedsrichter ein. Kein Treffer. Kovac wollte gar nicht lange hadern: „So wie es sich darstellt, war es abseits, hauchdünn.“ Hoeneß sah es geringfügig anders und polterte nach Art des Hauses. Das „sogenannte Abseits“, wie er es nannte, „ist ja der Witz des Jahres. Das war keine klare Fehlentscheidung. Der Videobeweis ist dafür da, klare Fehlentscheidungen zu korrigieren. Es war gleiche Höhe“.

So bleibt der Titelkampf so dramatisch wie seit zehn Jahren nicht mehr. „Das Leben schreibt die schönsten Geschichten. Ich darf gegen meinen alten Klub spielen und versuche, gegen meinen alten Klub, die Meisterschaft zu holen“, befand Kovac vor dem Saisonfinale des FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt. „Wir sind bereit.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Leipzig - FC Bayern: die Bilder des Spiels

Mehr von RP ONLINE