Bundesliga 2018/19: Der Gewinner des Spieltags ist die Bundesliga

Analyse zum 11. Spieltag: Der Gewinner ist die Bundesliga

Über Jahre hat der FC Bayern München die nationale Meisterschaft nach Belieben dominiert. Die Konkurrenz gab sich mitunter schon vor dem Anpfiff geschlagen. Doch nun ist die Zeit für einen Umbruch gekommen.

Alle Kinder, die hierzulande in diesem Jahr eingeschult worden sind, haben noch nie einen anderen Meister in der Fußball-Bundesliga als den FC Bayern München kennengelernt. Es spricht vieles dafür, dass sie am Ende des Schuljahres eine neue Erfahrung machen werden. Mindestens in der Art, dass sie erleben, dass die Bundesliga ein echter Wettstreit zwischen sportlichen Akteuren ist. Und nicht nur ein Schaulaufen von aus der Werbung bekannten Gesichtern, die nebenher auch ein wenig Fußball spielen. Spätestens seit dem vergangenen Wochenende ist der Glaube wieder da, dass es kein Naturgesetz sein muss, am Ende die Meisterschale dem FC Bayern zu überreichen.

Die Bundesliga hat viel durch den FC Bayern gewonnen. Doch sie ist auch durch seine Dominanz träge geworden. Die Konkurrenz hatte sich damit abgefunden, nur ein Teil der Show zu sein. Aber kein gewichtiger Teil. Jedenfalls nicht die Hauptfigur. Wenn man nicht mehr den Reiz verspürt, sich wenigstens theoretisch ausmalen zu können, wie es wäre, wenn mal wieder David gegen Goliath als Sieger vom Feld geht. Die Liga ist langweilig geworden, weil sich alle damit abgefunden haben. Das Problem ist nur gewesen: Die Bayern sind immer mächtiger geworden, die anderen immer egaler. International hat sich die Bundesliga nicht gerade mit Ruhm bekleckert. 2013 hat zum letzten Mal ein deutsches Team in der Königsklasse triumphiert: Es war der FC Bayern. Und aus einem Großteil eben dieses Ensembles hat sich das Personal rekrutiert, das ein Jahr später den WM-Titel in Brasilien gewann.

Es waren beeindruckende Jahre. Es waren tolle Triumphe. Aber irgendwann wurde nur noch verwaltet. Beim FCB und dem DFB. Man hat sich auf seine Stärke verlassen und dem Selbstbewusstsein, es schon irgendwie zu schaffen. Irgendwie. Ohne Plan. Ohne Vision. Aber wer sollte auch schon widersprechen? Bei der Nationalmannschaft und dem FC Bayern, beides hängt eng miteinander zusammen. Man hatte es sich gemütlich gemacht. Andere sind nach und nach vorbeigezogen, weil sie sich weiterentwickelt haben. Weil sie nicht nur einfach in Namen investierten, sondern sich neue Spielsysteme überlegt haben.

Auf deutschen Schulhöfen ist ganz gut zu beobachten, wer international den Ton angibt. Trikots mit Namen von Spielern der französischen Nationalmannschaft wie Kylian Mbappé sieht man da, der bei Paris Saint-Germain in Lohn und Brot steht. Man sieht Trikots aus der Premier League und vielleicht noch der spanischen La Liga. Die Zeit, in der in jeder Klasse ein Dutzend Müllers, Neuers und Kloses saßen, ist vorbei. Das Kaufverhalten des Nachwuchses bildet ganz gut die Kräfteverhältnisse ab.

Die Bundesliga hat an Anziehungskraft verloren, weil sich niemand neben dem FC Bayern entwickeln konnte. Weil der FC Bayern jegliche Versuche, etwas aufzubauen, traditionell mit einem Rundumschlag auf dem Transfermarkt wieder eindampfte. In diesem Sommer hielt man sich zurück. Ein paar ablösefreie Spieler. Mehr nicht. Man war sich seiner Sache wohl sehr sicher. In Dortmund und auch Mönchengladbach hat man dagegen einiges investiert. In guter alter Tradition wird es wohl auch diesmal so kommen, dass der FC Bayern sich aus diesem Personal bedient, um seinerseits einen Neuanfang einzuleiten. Erster Schritt: Konkurrenz schwächen.

So leicht wird das aber nicht mehr gehen. Der Fußball hat sich rasant entwickelt. Gestandener Bundesligaprofi ist man nicht mehr mit 28, sondern schon ein paar Jahre früher. Das führt dazu, dass immer neue Kräfte auf den Markt drängen, perfekt ausgebildete Spieler, die für so und so viele Systeme funktionieren. Auch der FC Bayern wird sich ändern müssen. Er wird viel mehr riskieren müssen, auch mal daneben zu liegen. Für die Liga ist es eine Chance, sich ein wenig von dem einen übermächtigen Team emanzipieren zu können. Das vergangene Wochenende war ein Anfang.

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